Sex-SMS treiben Zürcher zur Verzweiflung

«Ich bin so geil. Ruf mich an!» Solche Kurznachrichten landeten mehrmals täglich auf dem Handy eines 52-Jährigen. Er löschte sie ungelesen – und bekam dennoch eine saftige Rechnung.

In die Handy-Falle getappt? So geht man den ungewünschten Diensten aus dem Weg. Video: TA
Video: Thomas Egli

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Die Werbung hat den Kurzmitteilungsdienst SMS seit längerem als Medium entdeckt. Aber das Handy ist nicht nur ein Tummelplatz für seriöse Firmen. Zwielichtige Anbieter von dubiosen Sex- und anderen Diensten lassen nichts unversucht, ahnungslose Smartphone-Nutzer mit kostenpflichtigen Nummern abzuzocken. In vielen Fällen ist dieses Vorgehen nicht nur ärgerlich, sondern schnell mit happigen Kosten verbunden.

Dies zeigt der Fall des 52-jährigen Zürchers Peter Schmid (Name von der Redaktion geändert). Im Herbst vergangenen Jahres piepste sein Handy in jenem Ton, der eine Kurzmitteilung signalisiert. Er öffnete die SMS mit unbekannter Nummer, und da stand in Grossbuchstaben: «Ich bin so geil. Ruf mich an»; nur wenig später kam eine zweite mit «Hallo, mach es mir richtig».

«Es war der blanke Horror. Die unerwünschten SMS hörten nicht mehr auf, obwohl ich immer alle sofort gelöscht habe.»Betroffener Handy-Nutzer

Er sei erstaunt gewesen, habe die Nachrichten sofort gelöscht und sei wieder zur Tagesordnung übergegangen. Zwei Tage hatte Peter Schmid Ruhe, dann ging es auf seinem Telefon erst so richtig los. Wieder trafen SMS mit explizitem Inhalt ein, zuerst mehrere pro Woche, dann pro Tag. «Ich wurde mit diesen Kurzbotschaften förmlich zugemüllt.»

Peter Schmid sagt: «Es war der blanke Horror. Die unerwünschten SMS hörten in den folgenden Wochen nicht mehr auf, obwohl ich immer alle sofort gelöscht habe.» Die zweite Überraschung kam in Form der Monatsrechnung. Der Mobilfunkanbieter verlangte 170 Franken, aufgeführt unter der Rubrik «Einkauf». Schmid telefonierte umgehend mit der Swisscom, beschwerte sich und wollte wissen, woher diese Kosten stammen. Es hiess, er habe einen kostenpflichtigen Erotikdienst abonniert, dies sei der Auslöser für den SMS-Terror.

Nahe am Nervenzusammenbruch

«Ich habe gedacht, ich höre nicht richtig.» Er sei sicher schon im Internet auf Sexseiten gewesen, «aber ich würde doch nie im Leben auf solchen Seiten etwas anklicken oder meine Handynummer angeben».

Die Swisscom gewährte ihm auf der Rechnung eine Reduktion. Der Techniker am Telefon versprach, alle SMS zu löschen. «Ich willigte ein und bezahlte die Rechnung», sagt Peter Schmid, was er im Nachhinein als Fehler ansieht. Denn nur zwei Tage später begann der SMS-Terror erneut. «Ich habe gedacht, ich sei im falschen Film», sagt er.

Was tun? Einfach ignorieren. Leichter gesagt als getan. «Ich war nahe an einem Nervenzusammenbruch», sagt er. Weil die Hotline nicht den gewünschten Erfolg zeigte, ging er in seiner Not in den nächsten Swisscom-Shop. Dort konnte die SMS-Belästigung dann endlich gestoppt werden. «Seit einem Monat habe ich Ruhe. Ich hoffe, es bleibt so», sagt Peter Schmid.

Kunde muss zweimal einverstanden sein

Wie reagiert die Swisscom auf den Fall? Laut deren Sprecherin Sabrina Hubacher gilt im Fall der SMS-Mehrwertdienste Folgendes: «Für die Bestellung eines SMS-Abos ist ein aktives Opt-in des Kunden nötig.» Das heisst mit anderen Worten, ein SMS mit Keyword wird an die Zielnummer geschickt. Ein solches Abo werde erst dann abgeschlossen, wenn der Kunde zweimal sein Einverständnis gebe.

Bei einem solchen Abo wird gemäss Swisscom-Sprecherin tatsächlich die vereinbarte Anzahl SMS gesendet und verrechnet – auch ungeöffnete und sofort gelöschte. Peter Schmid bestreitet, ein solches Abo aktiv ausgelöst zu haben. Hubacher: «Leider können wir im konkreten Fall von Peter Schmid das Opt-in/Bestellung nicht mehr nachweisen, da die Swisscom nur die Daten der letzten sechs Monate fernmelderechtlich einsehen darf.»

Die Swisscom habe viel unternommen, um zu verhindern, dass Kunden ungewollt Mehrwertdienste bestellen können, sagt Sabrina Hubacher. Schliesslich sollen Kunden Mehrwertdienste nutzen können, die dies auch effektiv möchten. «Wir haben kein Interesse daran, dass Kunden Mehrwertdienste unabsichtlich kaufen oder Abos abschliessen.» Zudem gebe es die Möglichkeit, via Hotline oder Kundencenter solche Dienste auf Wunsch generell sperren zu lassen.

Erstellt: 27.02.2018, 15:03 Uhr

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