«Sie haben schon einige 100 Kilo abgenommen»

Ein Jahr nach dem Umzug der Elefanten ins neue Gehege im Zoo Zürich zieht Kurator Robert Zingg eine positive Bilanz. Obwohl die Tiere bereits ab und zu den Elektrozaun durchbrochen haben.

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Vor rund einem Jahr, am 18. März 2014, hat der Zoo den neuen Kaeng-Krachan-Elefantenpark eröffnet. Wie sieht die bisherige Bilanz aus?
Wir sind auf gutem Wege. Es war ein grosses Projekt mit vielen Unbekannten. Wir wussten nicht, wie die Elefanten auf den neuen Park und die Einrichtungen reagieren würden. Inzwischen hat sich abgezeichnet, was Bestand hat und wo nachgebessert werden muss.

Und was mussten Sie noch anpassen?
Es sind bauliche Veränderungen, wie sie bei allen Projekten nachträglich noch vorgenommen werden müssen. Wir haben bereits während der Bauphase versucht, uns in die Dickhäuter hineinzuversetzen: Wo könnten Schäden entstehen, welche Bereiche könnten sie mit ihren Rüsseln erreichen? Elefanten erkennen schnell die Schwachstellen eines Geheges. Sie haben beispielsweise rasch erkannt, wie nahe sie dem elektrischen Zaun kommen oder wie sie ihn ausser Gefecht setzen können, um an die Dekorationspflanzen zu gelangen und diese zu essen.

Wie haben die Tiere den Zaun überlistet?
Indem sie ihn mit einem Ast auf die Seite schieben oder damit auf ihn einschlagen und ihn so ausser Gefecht setzen.

Die Elefanten haben den Sicherheitszaun durchbrochen?
Nicht den Sicherheitszaun, nur den Pflanzenschutz. Das passiert ab und zu. Elefanten sind innovative Tiere, das war uns bewusst. Eine solche Barriere zu überwinden, ist für sie eine spannende Herausforderung. Aber ausbrechen konnten sie deshalb nicht. Mit den Elektrozäunen schützen wir nur die Gewächse. Die Sicherheit der Besucher gewährleisten wir mit Mauern, Gittern oder sogenannten Schlappseilen. Das sind dicke Taue, die an massiven, tief im Boden verankerten Pfosten befestigt sind. Sie sind leicht beweglich und können somit nicht von den Elefanten beklettert werden.

Wie sieht es mit dem Bereich für die Besucher aus? Mussten Sie dort noch Veränderungen vornehmen?
Ja, wir haben das Kleinkantschil-Gehege verlegt. Diese kleinen Huftiere waren ursprünglich im Bereich des Unterwassereinblicks untergebracht. Es stellte sich aber heraus, dass es hier zu eng war und es so zu wenig Platz für die Besucher gab. Nun sind die Kleinkantschils in der Voliere mit den Balistaren und Strausswachteln und es hat wieder mehr Raum für unsere Gäste – und ihre Kinderwagen.

Wie hat die Elefantenherde selbst auf dieses erste Jahr in der neuen Umgebung reagiert?
Ich denke, es geht ihnen recht gut. Die Anfangsphase war besonders spannend. Einige haben die neue Umgebung recht forsch in Besitz genommen, andere sind es ruhiger angegangen. Inzwischen nutzen sie das ganze Gehege und es geht ihnen auch gesundheitlich gut. Weil wir den Futtererwerb für die Elefanten nun etwas schwieriger gestalten, haben sie sogar einige 100 Kilo abgenommen. Sie müssen sich stärker anstrengen, um an das Futter zu gelangen, das beispielsweise in Gittern von der Decke hängt. Weil es ihnen zu kompliziert ist oder weil sie zu bequem sind, fressen sie nur noch, wenn sie richtig hungrig sind. Bei Maxi ist das am deutlichsten zu sehen: Vor dem Umzug hat unser Bulle noch rund 5,7 Tonnen gewogen, heute ist er nur noch 5,1 Tonnen schwer. Das ist eine erfreuliche und nicht ganz unbeabsichtigte Entwicklung.

Wie läuft es mit dem Zusammenleben der Kühe und Bullen im neuen Gehege?
Die neue Umgebung hat noch keinen Baby-Boom ausgelöst. Wir haben seit vergangenem August einen zweiten Bullen, Thai, den wir für die beiden Töchter von Maxi übernommen haben. Er ist zwar noch sehr jung, aber er weiss, worum es bei Elefantenkühen geht und zeigt auch Interesse. Da wir aber nicht mehr wie früher zwei- bis dreimal pro Woche Urinproben bei den Kühen entnehmen, können wir deren Zyklus nicht mehr so exakt messen. Wir werden dies über Kotproben versuchen, aber vorerst müssen uns die Bullen den Zyklus der Kühe ‹anzeigen›.

Im Rapperswiler Kinderzoo ist vergangene Woche auch ein Elefantenpark eröffnet worden. Gibt es da bezüglich Elefantenzucht einen Austausch?
Es gibt zumindest Diskussionen. Mit Rapperswil haben wir aber bereits Zuchterfahrung. Unser Bulle Maxi hat dort zwei Elefanten gezeugt. Ein Junges ist leider früh gestorben. Das andere ist inzwischen in einem Zoo in Japan. Ein solcher Austausch wird vom europäischen Erhaltungszuchtprogramm und dem regionalen Zooverband koordiniert.

Sehen Sie im neuen Elefantenpark in Rapperswil eine Konkurrenz für den Zoo Zürich?
Nein, im Gegenteil. Es ist ein weiteres Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Elefantenhaltung in der Schweiz. Auch im Zoo Basel wird ja derzeit an einem neuen Elefantengehege gebaut. Das ist doch eine sehr erfreuliche Entwicklung.

Der Zoo Zürich hat ebenfalls ein neues Projekt, das derzeit umgesetzt wird: Im Mai soll anstelle des ehemaligen Elefantenhauses die neue monglische Steppenanlage eröffnet werden. Sind die Bauarbeiten auf Kurs?
Ja. Es wird zwar noch sehr rege gebaut und es muss noch einiges gemacht werden. Derzeit sieht aber alles danach aus, als ob wir die Anlage fristgerecht am 12. Mai eröffnen können.

Erstellt: 11.03.2015, 12:30 Uhr

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