11 Dinge, die man über den Dalai Lama nicht weiss

Der Dalai Lama gastiert in Zürich – weltberühmt und sehr unbekannt. Wer weiss zum Beispiel, dass er bloss aus Mitleid mit uns wieder auf die Welt gekommen ist?

Englisch lehrte ihn ein Österreicher: Der Dalai Lama in der Schweiz.

Englisch lehrte ihn ein Österreicher: Der Dalai Lama in der Schweiz. Bild: Anthony Anex/Keystone

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Zürich wird heute erleuchtet – der Dalai Lama ist zu Gast in der Stadt. Derzeit präsentiert er sich im Hallenstadion, morgen im Grossmünster. Aber wer ist der Mann überhaupt, der stets lächelt? Hier elf Dinge, die man vielleicht nicht weiss.

1. Er hat Mitleid mit uns Als Erleuchteter hätte der Dalai Lama ins Nirwana eintreten können. Er hat das aber verschoben und ist 1935 wieder auf die Welt gekommen. Sein Ziel ist es, das Leiden der fühlenden Wesen zu vermindern.

2. Die Mongolen haben ihn erfunden Das Amt ist eine Erfindung der Mongolen. Fürst Altan Khan ehrte mit dem Titel 1578 den spirituellen Lehrer Sönam Gyatsho, als dieser sich zwecks Mission einige Monate am Mongolenhof aufhielt. Der Dalai Lama revanchierte sich selbstverständlich ebenfalls mit einem Ehrentitel und stellte das Mongolenreich unter seinen geistlichen Schutz.

3. Das Kleinkind erkannte den Diener Die Findungskommission, die sich in den 1930er-Jahren auf den Weg machte, um den 14. Dalai Lama – den heutigen eben – zu finden, wusste aufgrund von Prophezeiungen, dass er in einem abgelegenen Dorf mit speziellen Abwasserkanälen wohnte. Sie fand ihn im Dorf Taktser. Der Zweijährige soll den alten Diener des verstorbenen Dalai Lama (dessen Wiedergeburt er ja war) sofort erkannt haben. Und er soll aus einem Sortiment von Gegenständen diejenigen seines Vorgängers zielsicher bestimmt haben.

4. Sein Bruder musste einstecken Im Potala-Palast zu Lhasa, einem Gemäuer mit 1000 in den Berghang gezwängten Räumen, nahm der Dalai Lama 1940 auf dem Löwenthron Platz. Da war er vier Jahre alt. Seine Schulklasse in der Hauptresidenz bestand aus ihm und seinem Bruder. Wenn er sich danebenbenahm, bekam der Bruder Schläge. So will es die Tradition.

5. Er zerlegt gerne Uhren Der Dalai Lama repariert in der Freizeit alte Uhren. In der Kinderzeit inspizierte er auch gerne Automotoren. Allerdings gab es in den Fünfzigerjahren in Tibet bloss vier Autos. Drei stammten aus dem Besitz des 13. Dalai Lama, des Vorgängers.

6. So redet man ihn an Wenn man vom Dalai Lama redet, spricht man von «Seiner Heiligkeit». In der Anrede sagt man: «Eure Heiligkeit».

7. Das Double auf dem Thron Nach dem Tod des 5. Dalai Lama gab es ab 1682 eine lange Vakanz. Das Machtvakuum passierte zu einer schwierigen Zeit, Tibet war von Feinden umgeben. So hielt man den Todesfall geheim. Um den Anschein zu wahren, inszenierte man für fremde Besucher bisweilen doch eine Zeremonie in der Audienzhalle. Man verwendete dann einen ähnlich aussehenden Mönch als Double. Oder man setzte einfach die Prachtrobe des Dalai Lama auf den Thron, die wohl so beeindruckend war, dass die Besucher übersahen, dass sie leer war.

8. Er hatte 15 Geschwister «Dalai Lama» heisst in etwa «Ozean der Weisheit». Der heutige Dalai Lama hiess als Kind Lhamo Döndrub und hatte 15 Geschwister. Sein Mönchsname lautet: Tenzin Gyatso. Tibeter nennen ihn «Wunscherfüllendes Juwel» oder «Gegenwart».

9. Er ist eine Gelbmütze Der Dalai Lama ist eine Gelbmütze, also ein Mönch der Gelug-Schule, eines verhältnismässig jungen Zweiges des tibetanischen Buddhismus. Diese Schule kam, siehe weiter oben, dank der Allianz mit den Mongolen an die Macht.

10. Englisch vom Kärntner Der Dalai Lama hatte einen berühmten westlichen Lehrer. Der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer unterwies den Jungen ab 1948 in westlichem Rechnen, Englisch und Geografie. Der Dalai Lama besuchte Harrer später mehrmals in Hüttenberg in Kärnten.

11. Don't worry, be happy! Wozu sind wir auf der Welt? Fragen wir den Dalai Lama. Er sagt: «Um glücklich zu sein.»

Erstellt: 14.10.2016, 10:07 Uhr

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