Sie verwandelt das Theater in einen Club

Im Pfauen wird es neu auch Partys geben. Verantwortlich für die Reihe ist Asma Maroof, die für ihr Engagement von L.A. nach Zürich gezogen ist.

Viel Neues im Schauspielhaus: Asma Maroof im Eingang des Pfauen. Foto: Andrea Zahler

Viel Neues im Schauspielhaus: Asma Maroof im Eingang des Pfauen. Foto: Andrea Zahler

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Unter dem Künstlernamen Asmara legte Asma Maroof in Los Angeles sehr erfolgreich als DJ auf. Doch der amerikanischen Grossstadt hat sie vor kurzem den Rücken gekehrt – um ins kleine Zürich zu ziehen. Der Grössenunterschied stört sie bisher nicht. Sie habe eine unglaublich schlechte Orientierung, aber in Zürich finde sie sich zurecht, sagt Asma Maroof im Gespräch.

Maroof hat L.A. verlassen, als die Künstlerin, Filmemacherin und neuerdings Schauspielhaus-Regisseurin Wu Tsang sie einlud, Teil des Ensembles zu werden. Die beiden Frauen kennen sich seit langem und haben mehrere Projekte zusammen umgesetzt. Auch mit Boychild, ebenfalls neues Ensemblemitglied aus L.A., hat Maroof bereits mehrmals gearbeitet, auch sie ist eine langjährige Freundin. «Diese Kontakte haben mir geholfen, den Kulturschock zu minimieren», erzählt Maroof an einem sonnigen Nachmittag auf der Terrasse eines Cafés. «Noch ist das Wetter schön, aber ich glaube, in den Wintermonaten werde ich dann realisieren, dass Zürich doch ganz schön anders ist als Kalifornien», sagt sie lachend.

Experimentelles trifft auf Klassisches

Was hat sie überhaupt dazu ­bewegt, das sonnige L.A. zu verlassen, wenn sie dort doch so erfolgreich war? «Ich habe zwölf Jahre dort gelebt, da wird man doch etwas bequem», sagt Maroof. Neues, findet die 33-Jährige, entstehe manchmal erst, wenn man seine Komfortzone verlasse.

«Bei beiden, Club und Theater, geht es darum, Leben in einen Raum zu bringen und Menschen zu verbinden.»Asma Maroof

Die Amerikanerin mit indischen Wurzeln hat vom Kindergarten bis zur zwölften Klasse eine Performing Arts School besucht, die darstellenden Künste sind ihr deshalb alles andere als fremd. Es waren aber vor allem die Cousins des klassischen Theaters, die sie interessierten; Performances etwa. Teil einer solchen ist sie nun auch in Zürich. Im Stück «Sudden Rise» von Wu Tsang formt Asma Maroof gemeinsam mit dem Cellisten Patrick Belaga «ein zweiköpfiges Orchester», wie sie es formuliert.

Im Stück werden Wu Tsang und Boychild eigene sowie fremde Texte – etwa von Fred Moten, James Baldwin, Hannah Arendt oder auch Jimi Hendrix – performen. «Ich will noch nicht zu viel verraten», gibt sich Maroof geheimnisvoll, «aber wir werden mit neuen Technologien arbeiten.» Das experimentelle Format trifft auf das klassische Theaterinterieur des Pfauen-Saals. Denn anders als das Foyer, dessen Boden neu aus Sichtbeton und wo Neongelb statt Dunkelrot der Farbakzent ist, bleibt der Theatersaal unverändert.

Laute Musik

Zu den vielen Neuerungen im Schauspielhaus gehört auch die Einführung einer Partyreihe. Reaktionen habe sie bisher noch keine bekommen, sagt Maroof. Ob ihre Party aber die richtige Veranstaltung für den klassischen, eher älteren Theatergänger sei, bezweifelt die DJ. «Müsste ich ihnen meine Musik beschreiben, würde ich vor allem sagen, dass sie laut ist. Und basslastig. Aber vor allem laut.» Aber eigentlich findet sie, dass sich ein Club und ein Theater von der Idee her ähneln: «Es geht doch bei beidem darum, Leben in einen Raum zu bringen und Menschen zu verbinden.»

Ihre Party im Untergeschoss des Pfauen wird nicht ihr erster Auftritt in einer sogenannten Institution der Hochkultur sein: Sie legte schon im Keller des Sydney Opera House oder im New Yorker Moma PS1 auf. Es wird auch nicht ihr erster Auftritt in Zürich sein, Maroof trat schon mehrmals im Kreis-4-Club Longstreet auf. Die ehemalige Geschäftsführerin Lhaga Koondhor ist eine Freundin der Amerikanerin.

Asma Maroof ist gekommen, um zumindest vorerst zu bleiben. Seit kurzem hat sie eine eigene Wohnung, für die sie die Brockenhäuser der Stadt abklappert. Und auch einen Swiss Pass habe sie bereits, sagt Maroof stolz.

«Sudden Rise», Premiere heute 21 Uhr, Pfauen; Party mit Asmara ab 23 Uhr.

Erstellt: 13.09.2019, 12:07 Uhr

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