Warum die Langweiler siegen

Schlappe für Bastien Girod gegen No-Name Karin Rykart. Wie bitte? Klar, das macht schon Sinn.

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Karin wer? Am Morgen nach dem Super Tuesday der Zürcher Parteien werden sich manche fragen, wie die Grünen Karin Rykart dem prominenten Nationalrat Bastien Girod vorziehen konnten, um ihren Angriff auf einen zweiten Stadtratssitz zu starten.

Ähnlich erging es vielen vor zwei Wochen. Michael wer? Die FDP-Delegierten schickten Michael Baumer ins Rennen um die bürgerliche Wende. Und nicht die ungleich schillerndere Nationalrätin Doris Fiala.

Bei der CVP wählten die Delegierten Markus Hungerbühler anstelle von Nicole Barandun, die immerhin die kantonale Partei präsidiert, dem städtischen Gewerbeverband vorsteht und schon im Kantonsrat politisiert hat.

Belohnung für Dossierkompetenz und Ausdauer

Warum also entscheiden sich die Parteien für graue Mäuse anstelle von geborenen Wahlkampflokomotiven? Die Antwort liegt im Erfolg der Langeweile. Oder weniger böse ausgedrückt: in der Belohnung für Dossierkompetenz und Ausdauer.

Oft wird in den kommenden Monaten von «stillen Schaffern» und «ruhigen Chrampfern» die Rede sein. Rykart, Baumer und Hungerbühler sind alle langjährige Mitglieder des Stadtparlaments mit wichtigen Funktionen wie Stadtparteipräsidium oder Fraktionsführung. Das sind Knochenjobs, die gemessen am Aufwand wenig Anerkennung bringen. Zumindest öffentlich. Innerhalb der Parteien sind diese Personen natürlich äusserst beliebt, da nicht viele bereit sind, die undankbaren Aufgaben im Hintergrund zu übernehmen. Das schafft parteiinterne Netzwerke. Und diese sind für einen Nominationserfolg wichtiger als die öffentliche Wahrnehmung und die Lautstärke.

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Diese Parteistrategien müssen nicht falsch sein. Andres Türler war vor 16 Jahren weniger bekannt als die schon damals umtriebige Doris Fiala. Doch er gewann die FDP-Nominationswahl und wurde im Laufe der Zeit zum bestgewählten Zürcher Stadtrat. CVP-Mann Gerold Lauber war Fraktionspräsident im Gemeinderat, aber kein Überflieger. Er ist es auch nie geworden, aber er wurde vom Stimmvolk immer wieder gewählt. Es honoriert solide Verwaltungsarbeit.

Der Zürcher Stadtrat droht zu einer Art Inzuchtveranstaltung zu werden.

Es gibt viele weitere Beispiele. Corine Mauch? Vor der Wahl zur Stadtpräsidentin war sie SP-Fraktionspräsidentin im Gemeinderat. Claudia Nielsen? Die Sozialdemokratin war mehrmalige Kommissionspräsidentin im Gemeinderat. André Odermatt? Ähnlicher politischer Werdegang wie Nielsen, dazu Vizepräsident der SP-Gemeinderatsfraktion. Raphael Golta? SP-Fraktionspräsident im Kantonsrat. Daniel Leupi? Fraktionspräsident der Grünen im Stadtparlament.

Das tönt langweilig, sorgt aber für Kompetenz. Das sieht auch der Stimmbürger so.

Dennoch: Der Zürcher Stadtrat droht zu einer Art Inzuchtveranstaltung zu werden. Der frische Input fehlt. Input, der auf Aussenerfahrung beruht. Von Leuten, die Netzwerke in Bern haben. Diese werden immer wichtiger, da die Stadtzürcher Politik vermehrt vom Bund beeinflusst wird, siehe etwa Unternehmenssteuerreform. Auch haben die Zürcher Wählerin und der Zürcher Wähler gezeigt, dass sie für diese Farbtupfer wider die gepflegte Langeweile durchaus zu haben sind. Beispiel Monika Stocker. Beispiel Elmar Ledergerber. Oder Filippo Leutenegger.

Erstellt: 05.07.2017, 10:27 Uhr

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