So schläft es sich im Zürcher Mini-Hotel

Im neusten Hotel der Stadt sind die Zimmer kleiner als Gefängniszellen. Die ersten Nacht im CitizenM.

Die Zimmer im neusten Hotel der Stadt sind funktionell. Foto: Andrea Zahler

Die Zimmer im neusten Hotel der Stadt sind funktionell. Foto: Andrea Zahler

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Eine Doppelzelle in einem Schweizer Gefängnis muss mindestens 18 Quadratmeter gross sein. Die Zimmer im neusten Zürcher Hotel sind einen Quadratmeter kleiner. Trotzdem hat der Gast des Hotels CitizenM gleich beim Kaufleuten in Zürich nicht den Eindruck, er betrete eine Gefängniszelle. Viel eher gleicht das Zimmer der Schlafkammer eines Raumschiffs, das wie die Enterprise mit Captain Kirk und Mr. Spock im Weltall herumfliegt. Obwohl es sehr klein ist, erscheint es nicht eng. Dann jedenfalls, wenn er es allein beziehen kann.

Als Erstes fällt die Lage des Bettes auf: Es steht direkt am Fenster. Wer im Bett liegt, hat Sicht auf den Uetliberg oder die gegenüberliegenden Häuser, je nachdem, wo das Zimmer im Gebäude liegt. Am Kopf- und am Fussende sind die Wände. Wer zu zweit im Bett schläft, muss sich entscheiden, wer am Fenster und wer zum Zimmer hin übernachtet. Über dem Fuss­ende ist der grosse Fernsehbildschirm angebracht. Unter dem Bett befinden sich zwei Schubladen, die eine ist für das Gepäck, die andere enthält den Zimmersafe. Klein, aber ebenfalls voll auf Funktion ausgerichtet ist die Nasszelle: ein WC und eine Dusche. Auffallend sind zudem zwei Möbelstücke: ein Stuhl und eine Art kleine Bank. Es sind Designerstücke aus dem Haus Vitra. Alles in allem: Es hat alles, was ein Hotelzimmer braucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So, wie man sich eine Koje in einem Raumschiff vorstellt.

Finster wie selten

Licht, Vorhänge, Storen und Fernseher lassen sich über ein iPad direkt vom Bett aus steuern. Was besonders gefällt: Mit einem einzigen Fingerdruck auf den iPad-Bildschirm lässt sich alles auf einmal ausschalten. Der Fern­seher wird still und dunkel, die Storen surren leise hinunter, die Lichter gehen aus. Dann ist es so finster wie selten in einem Hotelzimmer. Nur das kleine rote Lämpchen des Fernsehers flimmert leicht. Nirgends stört das Lichtlein eines Schalters oder Telefons.

Die 160 Zimmer im Hotel, die alle genau gleich gross sind, sind auf eines ausgelegt: Hier ruht sich der Gast aus, hier schläft er. Eine kleine Arbeitsfläche hat es zwar, mehr als ein Laptop und ein Block finden darauf aber nicht Platz. Wer arbeiten will, soll das im ­«Living Room» im Erdgeschoss tun, der wiederum nur mit Vitra-Designermöbeln ausgerüstet ist. Vitra als Partner der Hotelkette verfügt so über Ausstellungsräume, die tatsächlich benützt werden. Schon am ersten Tag haben sich vorab junge Leute mit Laptops eingenistet. Wer dort arbeiten will, muss sich jedoch gut abkapseln und konzentrieren können: Musik läuft, es ist ein Kommen und Gehen in diesem Raum, in dem auch Getränke und Essen serviert werden.

Gearbeitet wird im «Living Room» im Erdgeschoss. Foto: Andrea Zahler

In diesem Wohnzimmer ist eine Nische eingerichtet, in der man selber eincheckt, denn CitizenM verzichtet auf eine Réception. Der Gast gibt am Computerterminal seinen Nachnamen oder die Buchungsnummer ein, auf dem Bildschirm erscheint seine Reservierung, die er zuvor online gemacht hat. Er scannt seinen Pass oder seine ID und beschreibt die Karte selber, die als Schlüssel dient. Alles ist selbsterklärend, das Prozedere dauert maximal eine Minute.

Wer Mühe hat mit dieser Art des Eincheckens, für den stehen die Mitarbeitenden des Hotels zur Verfügung. Das Unternehmen nennt sie Ambassadors, also Botschafter. Sie sind für alles zuständig: Kaffee und Cocktails an der Bar machen, den Gästen Auskunft geben und helfen. CitizenM kann so die Zahl der Mitarbeitenden in den Hotels sehr tief halten: In Zürich sind es inklusive Managerin Tamara Dias nur 26 Personen. Das heisst, dass rund um die Uhr jeweils acht bis neun Personen arbeiten.

Für das Zimmerputzen, das Waschen der Wäsche und die Technik hat das Haus externe Partner unter Vertrag genommen. Davon spürt der Gast bei seinem Aufenthalt im Hotel aber nichts. Auch nicht davon, dass die Buchungen und das Marketing zentral von den Niederlanden aus gesteuert werden.

169 Franken – oder mehr

Als Grundpreis für ein Zimmer in Zürich gibt das Unternehmen 169 Franken an. Der Preis steigt aber je nach Buchungsstand teils massiv an. An einem zufällig ausgewählten Tag Mitte September verlangt die Buchungsplattform Booking.com für eine Nacht im CitizenM 252 Franken. Dazu kommt das Morgenessen für 19.95 Franken pro Person. Zum Vergleich: Im ebenfalls neuen 25hours Hotel an der Ecke Langstrasse/Europaallee kostet ein grösseres und besser ausgestattetes Zimmer in der gleichen Nacht 325 Franken. Das zwei Jahre alte Motel One, mit 400 Zimmern das grösste Hotel in der Stadt Zürich, ist in derselben Nacht bereits ausgebucht.

Das Auschecken aus dem Raumschiff ist noch einfacher als das Einchecken. Das neuste Gasthaus in Zürich eignet sich für Leute, die nur eine oder zwei Nächte bleiben und das Zimmer nur zum Schlafen brauchen. Die Vorteile sind die sehr zentrale Lage – von hier aus lässt sich fast die ganze Stadt zu Fuss erkunden – und die einfache Art des Hotels. Für einen längeren Aufenthalt würde sich der Autor wohl ein grösseres Zimmer suchen. Sicher würde er vor der Buchung die Preise auf dem Platz Zürich vergleichen.

Die Übernachtung wurde von CitizenM gesponsert.

Erstellt: 02.08.2019, 22:26 Uhr

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