So sieht das neue Koch-Areal in Zürich aus

Der Architekturwettbewerb für das berühmt-berüchtigte Grundstück im Kreis 9 ist abgeschlossen. Die Stadt bekommt ein neues Hochhaus – und eine Zirkushalle.

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Läuft alles nach den Plänen der Stadt, sollen auf dem bis heute besetzten Koch-Areal im Kreis 9 in fünf Jahren 900 Menschen ein neues Zuhause finden. Andere werden dort arbeiten, wieder andere flanieren. Nun hat dieses Vorhaben ein Gesicht bekommen. Oder vielleicht treffender: mehrere Gesichter. Denn es sind gleich vier Wettbewerbe, deren Siegerprojekte die Stadträte Daniel Leupi, André Odermatt und Richard Wolff heute gemeinsam mit den Bauträgern vorstellen: Zwei Wohnhäuser, ein Gewerbehaus und ein Quartierpark. Die Wettbewerbe wurden parallel geführt, aber von ein und demselben Preisgericht beurteilt.

In der Jury sassen nebst Fachleuten die Bauträger der drei Baufelder, Allgemeine Baugenossenschaft Zürich (ABZ), Kraftwerk 1 und Senn Immobilienentwicklung, ein Quartiervertreter und Vertreter der Abteilung Grün Stadt Zürich, die für den Park zuständig ist. Man habe gemeinsam über alle Projekte entschieden, weil auch das Quartier als Ganzes funktionieren soll, heisst es in einer Medienmitteilung. Ziel ist es, «neue Formen der Kooperation und des Austauschs» zu ermöglichen. Die Bauträger versuchen sich an einer Neuprägung des Areals unter dem Namen «Koch-Quartier». Dieses umfasst folgende vier Einzelprojekte:

Hochhaus mit 180 Wohnungen

Dominiert wird das neue Koch-Areal von einem 70-Meter-Hochhaus. Dieses soll zeigen, dass genossenschaftliches Wohnen auch in der Vertikalen funktionieren kann. Bauträger ist die Genossenschaft ABZ, den Zuschlag hat das Büro Enzmann Fischer Architekten aus Zürich für das Projekt «Moeraki» erhalten. Enzmann Fischer haben bereits das Siegerprojekt für das Zollhaus im Kreis 5 gestaltet, ein anderes grosses Genossenschaftsprojekt.

Blick auf das Hochhaus mit dem Zeilenbau links. Bild: Emanuela Vellone

Neben dem Hochhaus soll ein Riegel mit Wohnungen, Grossverteiler im Erdgeschoss und Garten auf dem Dach entstehen. Insgesamt sind auf dem ABZ-Baufeld 180 Wohnungen für rund 70 Millionen Franken geplant.

Wohn- und Gewerbebau
mit 160 Wohnungen

Auf dem Feld unter der Bauherrschaft von Kraftwerk 1 sollen 160 weitere Wohnungen entstehen. Die Jury hebt beim Projekt «Sale con Fritas» von Studio Trachsler Hoffmann aus Zürich aber insbesondere die «Kulturcluster» im Erdgeschoss hervor. Ausserdem wird das Konzept gelobt, wonach die verschiedenen Bereiche des Hauses von unten nach oben immer privater werden.

Die markante Treppe führt vom durchgängigen Erdgeschoss ins 1. Obergeschoss, wo halb öffentliche Nutzungen vorgesehen sind. Bild: Studio Trachsler Hoffmann, Linda Suter

Bemerkenswert ist zudem die geplante Kooperation mit dem Zirkus Chnopf, der das Areal schon heute nutzt. Eine Kultur- und Zirkushalle wird in Zusammenarbeit mit dem eigenständigen Verein Zirkusquartier Zürich entwickelt, der unter anderem die Tournee des Zirkus Chnopf koproduziert. Die Halle soll als Vorstellungsraum, aber auch für andere Projekte genutzt werden können. Die Gesamtkosten für «Sale con Fritas» belaufen sich auf rund 75 Millionen Franken.

Für beide Wohnbauprojekte gilt: ABZ und Kraftwerk 1 vermieten die Wohnungen nach dem Prinzip der Kostenmiete. Aktuell rechnen diese mit monatlichen Mietzinsen für eine 4,5-Zimmer-Wohnung von 1500 bis 1800 Franken.

Gewerbehaus

Nebst Wohn- soll auf dem Koch-Areal auch viel Gewerberaum entstehen. Rund 10'000 Quadratmeter davon sind im Projekt «Blauregen» von Arge Käferstein & Meister und Murat Ekinci Architekt aus Zürich eingeplant. Es soll mit seinen 5,5 Meter hohen Geschossen verschiedenste Gewerbeformen ermöglichen.

«Blauregen» nennt sich das Siegerprojekt für das Gewerbehaus. Es soll den Austausch mit der Umgebung begünstigen. Bild: Käferstein Meister & Ekinci

Das Gebäude trägt laut Jury auch dem Arealcharakter Rechnung. So würden die Fassaden je nach Umgebung gestaltet – in Richtung Park etwa mit grün bewachsenen Pergola-Säulen. Die Erstellung des Projekts unter der Bauherrschaft von Senn Immobilienentwicklung soll rund 38 Millionen Franken kosten.

Quartierpark

Schliesslich bildet ein Quartierpark das «Herz» des künftigen Koch-Areals. Er verbindet die drei Bauprojekte – und in gewisser Weise auch das Grundstück mit seiner industriellen Vergangenheit: Die schutzwürdige ehemalige Kohlelagerhalle soll als «gedeckter Freiraum» erhalten bleiben.

Soll die umliegenden Bauten verbinden: Der Quartierpark mit umfunktionierter Kohlelagerhalle. Bild: Tom Schmid Visualisierungen, Krebs und Herde Landschaftsarchitekten

Ansonsten soll der Name «Wild at Heart» des Siegerprojekts von Krebs und Herde Landschaftsarchitekten Programm sein: Wild, grün und verspielt sind die Adjektive, mit denen Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, den Park umschreibt. Die Kosten für den Park und den Umbau der Kohlehalle sollen sich auf 7,1 Millionen Franken belaufen.

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Der Stadtrat will vorwärts machen nach der gewonnenen Abstimmung vom vergangenen Jahr, als die Stadtzürcher Stimmberechtigten deutlich Ja sagten zu seinen Plänen fürs dem Koch-Areal. Bis Anfang 2021 soll der private Gestaltungsplan vorliegen und dem Gemeinderat überwiesen werden. Gleichzeitig sollen diesem auch die Baurechtsverträge zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Bauten werden laut den Bauträgern bis 2024 bezugsbereit sein.

Im Besitz der Stadt seit 2013

Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) sprach vor den Medien von einem «vielfältigen sozialen Kosmos», von dem auch das Quartier profitiere. Der Stadtrat rechne mit jährlich wiederkehrenden Einnahmen von 700'000 Franken aus den Baurechtszinsen. Mit den Bauten auf dem Koch-Areal könne zudem die Anzahl der gemeinnützigen Wohnungen gesteigert werden. Das sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Drittelsziel, wonach bis 2050 ein Drittel aller Mietwohnungen in der Stadt gemeinnützig sein soll.

Die Stadt hatte das rund 30'000 Quadratmeter grosse Areal für 70 Millionen Franken von der UBS gekauft, nachdem es 2013 von Hausbesetzern in Beschlag genommen worden war. Es gehörte ursprünglich der Koch Wärme AG, einer Handelsfirma.

Die Ausstellung mit sämtlichen Wettbewerbseingaben ist von Mittwoch, 15. Mai bis Sonntag, 26. Mai 2019 in den Wettbewerbsräumen des Amts für Hochbauten im Pavillon Werd, Morgartenstrasse 40, 8004 Zürich zu sehen.

Weiter präsentieren die vier Bauträgerinnen die Gewinnerprojekte in einer kleinen Open-Air-Ausstellung im Quartier. Die Vernissage findet am Mittwoch, 15. Mai von 16 Uhr bis 20 Uhr statt, die Ausstellung läuft vom Donnerstag, 16. Mai bis Freitag, 14. Juni, auf dem Parkfeld gegenüber der Flurstrasse 85, 8047 Zürich.

Erstellt: 14.05.2019, 11:16 Uhr

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