So verbrachten die Zürcher früher ihre Freizeit

Historische Bilder zeigen, wie sich das Kultur- und Freizeitangebot der Stadt in den letzten 130 Jahren verändert hat.

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Wenn im Frühsommer die Tage länger werden, die Temperaturen steigen und wie an diesem Wochenende die Sonne scheint, zieht es die Zürcherinnen und Zürcher ins Freie. Das ist heute nicht anders als früher. Die Natur, der öffentliche Raum und insbesondere der See und das Seeufer sind seit jeher populäre und viel besuchte Freizeitorte, wie historische Bilder zeigen, welche die Stadt veröffentlicht hat.

Schwimmen gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten in Zürich. Das liegt sicher auch an den zahlreichen Bademöglichkeiten: Neben dem See, der Limmat und der Sihl stehen der Bevölkerung 25 Sommer- und Hallenbäder zur Verfügung, die Schulschwimmbäder nicht mitgerechnet. Sie lockten bereits in den 1970ern und 80ern jährlich mehr als 2 Millionen Menschen an, obwohl die Bevölkerung damals noch bedeutend kleiner war als heute und sogar schrumpfte.

Seither haben die Besucherzahlen in Zürcher Schwimmbädern noch einmal zugenommen. Dass die Eintritte von Jahr zu Jahr schwanken, hat mit dem Wetter zu tun, wie der Hitzesommer 2003 exemplarisch zeigt. Vor drei Jahren verzeichneten die Badis über 3,6 Millionen Eintritte – ein neuer Rekord.

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung waren und sind neben dem Schwimmen Ausflüge in die Natur und in die Naherholungsgebiete der Stadt. Besonders der Uetliberg, der Hausberg der Stadt, hat es sowohl den Zürchern als auch den Touristen angetan.

Das zeigen auch die Fahrgastzahlen der Uetlibergbahn. 1875 wurde sie eingeweiht, 1970 beförderte sie erstmals über 1 Million Passagiere auf den Berg. Zwanzig Jahre später erfolgte die Bahnverlängerung von der Selnau zum Hauptbahnhof. Seither sind die Fahrgastzahlen regelrecht explodiert. Einzige Ausnahme waren der Zeitraum zwischen 2011 und 2013, als die Bergstation umgebaut werden musste. Im vergangenen Jahr nutzten mehr als 5,7 Millionen Menschen die Uetlibergbahn.

Eine weitere Institution ist der Zoo Zürich, der 1929 eröffnet wurde und damals gut 226’000 Besucher anlockte. 2004, nach der Eröffnung der Masoala-Halle, waren es fast 1,9 Millionen. Dieser Rekord hat bis heute Bestand. Denn auf das Jahr 2013 hin änderte der Zoo seine Zählweise für die Eintritte mit Jahreskarten. Das führte zu einer Korrektur nach unten.

Im Jahr 1930 gab es im Zoo Zürich noch 1680 verschiedene Tiere, 2016 waren es schon 4673. Hohe Eintrittszahlen verbuchte der Zoo dann, wenn er neue Tiere vorstellen konnte oder neue Anlagen eröffnete. Die jährlichen Schwankungen bei den Eintritten sind wie bei anderen Freizeitbeschäftigungen aber auch dem Wetter geschuldet.

Dasselbe gilt für Sportanlässe, die ebenfalls fest zum Freizeitprogramm der Zürcherinnen und Zürcher gehören und früher oft unter freiem Himmel stattfanden. Die Rennbahn Hardau in Aussersihl beispielsweise zog Anfang des 20. Jahrhunderts die Massen an. Heute liegt dort der Hardaupark. Bilder wie jenes vom Verein für Volksgesundheit aus dem Jahr 1909 zeigen zudem, dass das Vereinswesen in Zürich früher noch wichtiger war als heute.

Wenn das Wetter nicht mitspielt, zieht es die Zürcher ins Kino – allerdings längst nicht mehr so häufig wie früher. Auf ihrem Höhepunkt 1958 verzeichneten die Kinosäle in der Stadt noch über 7,6 Millionen Besuche, heute ist es nur noch etwa ein Viertel davon.

Der Einbruch kam nach der Jahrtausendwende, als Filme zunehmend über das Internet heruntergeladen oder gestreamt wurden und auch das Fernsehen die Kinos immer mehr konkurrierte.

Andere Kulturangebote der Stadt haben eine erfreulichere Entwicklung hinter sich. So stieg die Zahl der Eintritte in Zürcher Museen seit den 1950er-Jahren kontinuierlich auf heute über 1,1 Millionen Personen an.

Die Zunahme hat auch mit dem Ausbau des Angebots in Zürich zu tun. 1950 zeichneten sich das Kunsthaus, das Landesmuseum und das Helmhaus noch für drei Viertel aller Eintritte verantwortlich. In den letzten Jahren kamen jedoch verschiedene Museen neu dazu. Inzwischen können die Zürcher aus über 50 Ausstellungsorten auswählen.

Gleiches lässt sich bei den Theatern beobachten. Bis in die 1960er-Jahre machte das Schauspielhaus den grössten Teil der Besuche in der Stadt aus. Seitdem wurden neue Häuser eröffnet und die Eintrittszahlen stiegen stark an. 2015 besuchten über 444’000 Menschen die verschiedenen Theater.

Im Vergleich zu früher ist das Kultur- und Freizeitangebot in der Stadt also sicher vielfältiger geworden. Das schätzen die Zürcherinnen und Zürcher. In den offiziellen Bevölkerungsbefragungen geben sie dem Kulturangebot regelmässig sehr gute Noten. Als grösste Schweizer Stadt sehe man sich auch in einer besonderen kulturpolitischen Verantwortung, sagt dazu der Stadtrat. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.06.2018, 14:52 Uhr

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