Zum Hauptinhalt springen

So verschieden ticken die SP–Rivalen

Das Duell: Mario Fehr und Daniel Jositsch wollen beide in die Zürcher Regierung.

Daniel Jositsch:

Daniel Jositsch war politisch vor drei Jahren ein Nobody, heute ist er in der SP der Mann der Stunde. Der «Mann ohne Rückwärtsgang» oder der «Jositsch für alle Fälle». Politisch könnte Jositsch fast der Zwillingsbruder von Mario Fehr sein. Beim «Smartspider» (siehe unten) deckt er sich bei 90 Prozent der Antworten mit Fehr. Einzig im Law&Order-Bereich und der Verschärfung des Jugendstrafrechts ist er – der Strafrechtsprofessor – etwas repressiver. Dafür ist Jositsch offener als Fehr bei der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten und kritischer gegenüber dem Rauchverbot.

Persönlich tickt Jositsch aber völlig anders als Fehr – mit Ausnahme seiner Liebe zu medialen Auftritten. Er ist forscher, direkter und tendenziell eher der Einzelgänger als der Teamplayer. Als die SP einen Kandidaten zum Verheizen suchte im aussichtslosen Wahlkampf gegen die SVP um die Nachfolge von Rita Fuhrer, zierte sich Jositsch nicht lange. Er las sich in wenigen Nächten in die kantonale Politik ein und war seinem Kontrahenten Ernst Stocker vom ersten Tag an zumindest rhetorisch überlegen.

Jositsch zeigte in diesem Wahlkampf aber auch Seiten, die ihn nicht überall beliebt machten. Er hackte gnadenlos auf Stockers Schlenker zum Minarettverbot herum, bis dieser entnervt das Radiostudio verliess. Und Jositsch bekannte sich im Wahlkampf auch nie klar zum Kollegialprinzip im Regierungsrat.

Jositsch hat die Energie eines Bulldozers und kommt mit wenig Schlaf aus. Er ist nicht der Typ, der sich gross in die Gefühlswelt seines Gegenübers hineinversetzt. Dafür analysiert er kopfgesteuert politische Strategien – und zwar sehr erfolgreich. Bekannt wurde er als Experte, der sich auf allen Kanälen zu kriminellen Schandtaten äusserte. Nach seiner Wahl 2007 in den Kantonsrat gings fast direkt in den Nationalrat – auch dank des 12-Punkte-Plans gegen Jugendgewalt. Im Nationalrat hat er sich in letzter Zeit – auch wieder taktisch clever – mit einer SP-konformen Sozialpolitik profiliert.

Gegen Jositsch spricht an der SP-Basis, dass er weniger Exekutiverfahrung und den Ruf des ehrgeizigen Senkrechtsstarters hat. Das ist aber auch seine Stärke. Jositsch ist im Winter für die Partei hingestanden und würde auch im nächsten Frühling – oder auch als Ständeratskandidat – im Wahlkampf alles geben.

Mario Fehr:

Mario Fehr ist eine Kombination aus zwei gegenteiligen Eigenarten: Er ist äusserst kontaktfreudig, liebenswürdig, kollegial und stellt sein Licht nicht unter den Scheffel. Er ist aber auch auf Anerkennung aus, verspielt, spitzbübisch und kann eine richtige Nervensäge sein. Sein Problem ist, dass er mit seinem ausgeprägten Hang zur Freundlichkeit, zum Schwätzchen auf der Strasse, zum Grüssen da und dort und mit seinen häufigen Auftritten in den Medien oft seine auch sehr ernsthafte und arbeitsame Seite überspielt.

Fehr ist seit zehn Jahren Dauergast im «SonnTalk» von TeleZüri, nimmts dort auch locker mit Christoph Mörgeli von der SVP auf und sorgt mit seinen rhetorisch brillanten und ironisch-frechen Auftritten für gute Quoten. Seine Medienpräsenz – er war auch fürs Schweizer Fernsehen im Trainingscamp von Gilbert Gress – hat ihn zu einem der bekanntesten Zürcher Politiker gemacht. Die Kehrseite: Mit seinen Besuchen an grossen Fussballspielen und VIP-Anlässen pflegt er automatisch auch den Nimbus als Cervelatprominenter.

Trotz seiner bisweilen etwas unernsten und spielerischen Art ist Mario Fehr ein «Chrampfer», der es mit seiner grundsoliden Basis und einer riesigen Erfahrung mit jedem amtierenden Regierungsrat aufnehmen kann: «Summa cum laude»-Abschluss als Jurist, Gewerbeschullehrer, Stadtrat in Adliswil, Kantonsrat, Verfassungsrat, Nationalrat – und das alles viele – Jahre lang. Zudem ist er Sportfan, hat sich für den Naturerlebnispark Sihlwald und für Tibet engagiert, ist Mitglied der Aussenpolitischen und der Bildungskommission im Nationalrat und als Präsident des KV Schweiz verantwortlich für eine der grössten Schweizer Bildungsorganisationen.

Fehrs Chancen bei den SP-Delegierten Ende September sind intakt. Er hat dank seiner klassischen, langjährigen Ochsentour durch die Partei und seiner loyalen, verlässlichen Haltung in der Partei tendenziell grösseren Rückhalt als Jositsch.

Sein Handicap ist allerdings, dass er im Winter bei der Ersatzwahl für Rita Fuhrer aus persönlich-familiären Gründen verzichtet hat und nun Daniel –Jositsch das bessere Image als bedingungsloser Kämpfer hat.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch