So viele Wohnungen besetzen Touristen

In Zürich ist die Zahl der Apartments stark gewachsen – und das nicht nur in der City. Selbst in Aussenquartieren verzeichnen Statistiker einen Anstieg.

Apartments im Luxusbereich: Das Gustav bietet möblierte Wohnungen in der Europaallee an.

Apartments im Luxusbereich: Das Gustav bietet möblierte Wohnungen in der Europaallee an. Bild: PD Gustav Furnished Apartments

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Der Trend zeigt nach oben: In Zürich werden zunehmend möblierte Wohnungen an Touristen und Businessleute vermietet, das zeigen neue Zahlen. Gab es Ende September 2017 noch 2760 Apartmentwohnungen, so waren es dieses Jahr 3270, wie Statistik Stadt Zürich heute Dienstag mitteilt. Das entspricht 1,4 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes der Stadt. Die Zahl ist somit innert zwei Jahren um fast 20 Prozent gestiegen.

Gemäss den aktuellen Erhebungen gibt es insbesondere in der Innenstadt an gut erschlossenen Lagen eine Konzentration. So werden laut Statistik im Hochschulquartier und in der City zehn Prozent aller Wohnungen als Apartments vermietet. In den Gebieten Seefeld und Mühlebach, Werd und Hard sowie im Langstrassenquartier oder in Alt-Wiedikon machen Apartments drei bis fünf Prozent aller Wohnungen aus.

Europaallee bringt Apartments in Kreis 4

Auch in Seebach sind gut zwei Prozent der Wohnungen Apartments, was Urs Rey, wissenschaftlicher Mitarbeiter Bauen und Wohnen von Statistik Stadt Zürich, mit der Nähe zum Flughafen begründet und Businesskunden in die Gemeinde bringt. «Im Langstrassenquartier hat die Zahl der Apartments insbesondere in den Liegenschaften der Europaallee zugenommen. Auch an der Langstrasse selbst gibt es inzwischen Apartmenthäuser», sagt Rey.

In 1170 der registrierten Apartments von Zürich sind Personen angemeldet. Sie gelten deshalb als Erstwohnungen – also als Wohnraum, in dem mindestens eine in der Stadt Zürich niedergelassene Person lebt. Die übrigen gelten als Zweitwohnungen.

Maximal zwei Zimmer

Apartments sind möblierte Wohnungen, die professionell bewirtschaftet und nur für kurze Zeit vermietet werden. «Wir reden hier nicht von Familienwohnungen, sondern von Wohnungen mit meist ein bis zwei Zimmern», sagt Rey. Es komme allerdings auch vor, dass einschlägige Anbieter grössere Wohnungen in mehrere Apartments umwandeln.

«Die Apartmentzahl wird irgendwann an eine natürliche Grenze kommen, wenn die Auslastung sinkt und die Rentabilität zurückgeht.»

Urs Rey,
Statistik Stadt Zürich

In Zürich haben sich verschiedene kommerzielle Anbieter auf die Bewirtschaftung dieser oft hochwertig ausgestatteten Wohnungen spezialisiert, in denen zum Teil zusätzliche Dienstleistungen wie Reinigungs-, Wäsche- oder Conciergeservice offeriert werden. Ihre Zielgruppe sind meist Firmen, die Personal kurz- und mittelfristig unterbringen müssen, bisweilen richten sich die Angebote auch an Touristen.

Derzeit bestehe offensichtlich noch ein Bedürfnis an weiteren Angeboten dieser Art, sagt Rey. «Ich denke aber, dass die Apartmentzahl irgendwann an eine natürliche Grenze kommt, wenn die Auslastung sinkt und die Rentabilität zurückgeht.»

Ein Indiz dafür, dass der Trend vielleicht tatsächlich schon bald gebrochen sein könnte, ist die Schliessung der Residenz Gustav in der Europaallee. Da sich die Nachfrage nach Wohnungen mit umfassenden Serviceleistungen an zentraler Lage als gering erwiesen habe, werde der Apartmentbetrieb am 30. September 2020 enden und die Bewirtschaftung der Immobilie wieder an die Eigentümerin SBB übergeben, teilte die di Gallo Gruppe jüngst mit, welche das Gustav betrieben hat.

Umstrittene Entwicklung

Businessapartments sind linken Politikern schon seit längerer Zeit ein Dorn im Auge, weil sie im Baurecht wie gewöhnliche Wohnungen behandelt werden. Diese Regel vernichte Wohnraum für Zürcherinnen und Zürcher, lautet ihre Kritik. AL-Gemeinderat Niklaus Scherr forderte bereits 2009 in einer Motion, dass Zweitwohnungen, Hotelnutzungen und Businessapartments nicht mehr dem Wohnanteil zugerechnet werden dürfen. Für die Europaallee hätte dies beispielsweise bedeutet, dass anstelle der 170 Zimmer des 25-Hours-Hotel Wohnungen entstanden ­wären.

Der Stadtrat hielt entgegen, dass die Umsetzung der Motion dem Tourismus schaden würde und auch die Wirtschaft auf Zweitwohnungen angewiesen sei. Ob der Gemeinderat an Niklaus Scherrs Motion festhält, ist noch immer offen. Die zuständige Kommission hat das Geschäft noch nicht abschliessend beraten.


Neue Zahlen zu Zweitwohnungen in Zürich

Neben den Erhebungen zur Zahl der Apartements hat Statistik Stadt Zürich heute Dienstag auch die Daten zu den Zweitwohnungen publiziert. Demnach lag der Anteil Zweitwohnungen am gesamten Wohnraum der Stadt Ende September 2019 bei 3,3 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von 550 Einheiten gegenüber dem Vorjahr. Die Statistiker gehen davon aus, dass sich die Zweitwohnungszahl mittelfristig bei etwa 7000 stabilisieren wird.

Der Zweitwohnungsanteil ist in den Altstadtquartieren am grössten. Am höchsten ist er beim Lindenhof mit 18,8 Prozent sowie im Hochschulquartier mit 17,5 Prozent. Im Seefeldquartier, an der Langstrasse und dem Werdquartier sowie in der Enge liegt der Zweitwohnungsanteil noch bei rund 6 Prozent, in Fluntern, Hottingen und Hirslanden sowie um den Escher-Wyss-Platz und in Alt-Wiedikon bei rund 5 Prozent. Schätzungsweise 5350 der 7450 Zweitwohnungen werden privat genutzt.

Erstellt: 12.11.2019, 10:42 Uhr

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