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Sogar die Stapo hat sie über den Tisch gezogen

700'000 Franken hat eine Zürcher Buchhalterin mit falschen Rechnungen aufs eigene Konto umgeleitet. Bei einem Verlag, im Schrebergartenverein und bei der Polizei.

2014 bis 2017 arbeitete die Frau als Buchhalterin bei der Stadtpolizei Zürich. Über 175'000 Franken ergaunerte sie hier mit fiktiven Rechnungen.
2014 bis 2017 arbeitete die Frau als Buchhalterin bei der Stadtpolizei Zürich. Über 175'000 Franken ergaunerte sie hier mit fiktiven Rechnungen.
Walter Bieri, Keystone

Als der Betrug der Frau auffliegt, beläuft sich die Deliktsumme auf fast 700'000 Franken. So viel Geld hat sich die heute 59-jährige Schweizerin zwischen 2008 und 2017 in ihre eigene Tasche gesteckt. Bedient hat sie sich als Sachbearbeiterin eines Hochschulverlags, als Kassierin eines Zürcher Familiengartenvereins – und als Buchhalterin bei der Polizei.

Wofür sie das Geld verwendet hat, konnte die Frau gestern vor dem Bezirksgericht Zürich nicht schlüssig erklären. Unter Tränen entschuldigte sie sich für ihre Taten. Sie habe das Geld für laufende Rechnungen für sich und ihre Familie verwendet. Die 59-Jährige hat zwei mittlerweile erwachsene Söhne. Ihr Mann arbeitet wie sie Teilzeit. Sie sei in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie nicht mehr rausgekommen sei, beteuerte die Frau mehrfach.

In diesen Teufelskreis geriet die Frau 2008. Damals bestellte sie bei ihrer Bank Einzahlungsscheine mit ihrem Namen sowie einem Zusatz, der auf ihren Arbeitgeber, einen Hochschulverlag hindeutete. Die Einzahlungsscheine legte sie erfundenen Rechnungen für angebliche Buchlieferungen bei, die sie an Kunden des Verlags schickte. Insgesamt 74 solche Rechnungen wurden bezahlt. Die Frau sackte so fast 290 000 Franken ein.

Ähnlich ging die Beschuldigte in den Jahren 2014 bis 2017 als Buchhalterin bei der Polizei vor. Sie arbeitete in einem Team, das zwar die Räume und Infrastruktur der Stadtpolizei Zürich nutzt, aber für die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren und die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten tätig ist und diesen unterstellt ist. Auch da erstellte sie fiktive Rechnungen. Über 175000 Franken kamen so zusammen.

Fiktiver Fonds

Weder beim Hochschulverlag noch bei der Polizei bemerkte man den Betrug. Die Frau flog erst 2017 auf, als man bei einem Zürcher Familiengartenverein skeptisch wurde. Als Präsidentin und Kassierin hatte die Frau da einen weiteren Trick angewendet. Sie beantragte dem Vorstand, Gelder in einen Fonds zu investieren, um eine bessere Rendite zu erzielen. Dies lief scheinbar auch ziemlich gut. Betrug der Saldo des Fondskontos Ende 2013 noch 22000 Franken, waren es drei Jahre später fast 180000 Franken. Das Problem: Es gab nie einen solchen Fonds. Den entsprechenden Kontoauszug erstellte die Frau zu Hause am Computer. Das angeblich investierte Geld zahlte sie auf ihr eigenes Konto ein.

Das Bezirksgericht verurteilte die 59-Jährige unter anderem wegen Betrugs, Veruntreuung und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Davon muss die Frau ein Jahr in Halbgefangenschaft absitzen, der Rest wird mit einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.

Ausserdem wurde die Beschuldigte verpflichtet, ihren ehemaligen Arbeitgebern nicht nur die Deliktsumme, sondern auch den verursachten Aufwand zurückzubezahlen. Insgesamt handelt es sich dabei um eine Summe von fast 900000 Franken. Mit dieser Strafe komme die Beschuldigte noch gut weg, kommentierte der vorsitzende Richter seinen Entscheid. Man akzeptiere den Urteilsvorschlag, den die Frau mit der Staatsanwaltschaft ausgehandelt hat, gerade noch. Weil die 59-Jährige ihre Schuld eingestanden und die Strafe akzeptiert hatte, fand die Verhandlung im abgekürzten Verfahren statt.

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