«Solche Pannen können jederzeit passieren»

Die Häufung der Stromausfälle in der Stadt sei reiner Zufall, sagt EWZ-Sprecher Harry Graf. Verglichen mit anderen Energieversorgern komme es in Zürich sogar seltener zu Pannen.


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Heute Montag kam es auf Stadtgebiet zu zwei Stromausfällen, von denen über 2500 Kunden betroffen waren. Schon Anfang September waren an zwei Tagen in Folge jeweils rund 10'000 Anschlüsse in der Zürcher Innenstadt ohne Strom. Das ist doch kein Zufall mehr?
Doch, es sind Zufälle. Es handelt sich in allen Fällen um völlig unterschiedliche Ereignisse – ein defekter Isolator, eine Überlastung, ein explodierter Kabelendverschluss. Solche Pannen können leider jederzeit und an allen möglichen Orten in der Stadt passieren. Aber ein Stromausfall ist natürlich immer ein Ärgernis für alle Betroffenen.

Laut ETH-Experten kann man das Netz sicherer machen, indem man mehr Transformatoren in die Unterwerke einbaut. Warum tut das Zürcher Elektrizitätswerk dies nicht?
In unserem System sind derzeit rund 800 unterschiedliche Trafos in Betrieb. Klar könnte man mehr Trafos einbauen, aber den heutigen Ausfall würden sie nicht verhindern: Es explodierte ein Kabelendverschluss – eine Art Stecker. Der Trafo war also nicht der Schuldige. In 50 Prozent der Fälle liegt der Grund für die Pannen ohnehin nicht an defekten Trafos, sondern an Bauarbeitern Dritter, welche die Stromleitungen beschädigen.

Was tut das EWZ jetzt, um weitere Strompannen zu vermeiden?
Ganz verhindern kann man sie nicht. Es gibt unzählige Einflüsse, die zu einem Stromausfall führen können. Wir analysieren aber jedes einzelne Ereignis und versuchen, Fehlerquellen zu orten und mangelhafte Modelle allenfalls zu ersetzen. Das gesamte Netz wird kontinuierlich überprüft, die Unterwerke und Stromleitungen im Turnus erneuert. Wir investieren viel in eine gut funktionierende Stromversorgung. Unser Stromnetz ist in einem guten Stand.

Und trotzdem zeigen Stromausfälle der Vergangenheit, dass ein verirrtes Kleintier, ein wucherndes Unkraut oder ein defekter Isolator ausreichen, um die Versorgung ganzer Stadtteile lahmzulegen.
In Zürich fällt es sofort auf, wenn irgendwo der Strom fehlt oder ein Tram auf der Strecke stehen bleibt. Die Statistiken rücken das Ganze in die richtigen Relationen: Der jährliche Durchschnitt der Stromausfälle sämtlicher Schweizer Energieversorgungsunternehmen liegt bei 21 Minuten. In der Stadt Zürich liegen wir mit 15 Minuten unter diesem Wert.

Sie testen derzeit in Oerlikon einen Batteriespeicher für das EWZ-Verteilnetz. Könnten solche Speicher künftig bei Stromausfällen auf Stadtgebiet zum Einsatz kommen?
Ein solcher Speicher könnte höchstens als Überbrückung funktionieren. Seine Kapazität ist begrenzt. Vor allem am Abend oder in der Nacht wären die Batterien rasch aufgebraucht. Grundsätzlich ist er eher als Zwischenspeicher von Solarstrom gedacht und muss am Stromnetz angeschlossen sein. Die Testphase läuft allerdings noch. Wir wollen erst die Erfahrungen auswerten, bevor wir sagen können, wo diese Speicher künftig eingesetzt werden könnten.

Erstellt: 24.10.2016, 17:51 Uhr

«Ganz verhindern kann man Strompannen nicht»: Harry Graf, Leiter der Unternehmenskommunikation beim Zürcher Elektrizitätswerk (EWZ). (Bild: PD)

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