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Sozialbehörde: Nur 3 Minuten pro Dossier

Eine Studie der Universität St. Gallen übt heftige Kritik an der Struktur des Zürcher Sozialwesens. Stadtrat Martin Waser räumt massive Mängel ein und verspricht Korrekturen.

Präsentieren die Resultate der Studie über das Sozialdepartement: Isabelle Häner, Stadtrat Marin Waser (Bild: Doris Franconi)
Präsentieren die Resultate der Studie über das Sozialdepartement: Isabelle Häner, Stadtrat Marin Waser (Bild: Doris Franconi)

«Es lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Grundprinzipien einer modernen Verwaltungsführung sind zum Teil massiv verletzt», erklärte Martin Waser heute Dienstagmorgen vor den Medien. Waser hatte die Medienkonferenz vorzeitig einberufen, als Auszüge einer Studie der Universität St. Gallen in der SonntagsZeitung veröffentlicht wurden und dabei vernichtende Kritik am bestehenden System des Zürcher Sozialwesens geübt wurde (siehe Info-Box).

Isabelle Häner, Mitautorin des Berichtes, kommt zum Schluss, dass operative und strategische Aufgaben von Stadtrat, Verwaltung und Sozialbehörde vermischt und unklar verteilt sind. «Die Akteure und Akteurinnen wissen oft nicht, wie der Gesamtprozess abläuft.» Hier seien grundlegende Änderungen nötig – nicht aber im operativen Prozess der wirtschaftlichen Hilfe.

Pro Fall werden drei Minuten aufgewendet

Häner empfielt in ihrem Bericht, die Sozialbehörde ganz abzuschaffen. «Jedes Mitglied der Sozialbehörde überprüft 1000 Fälle. Pro Fall werden im Schnitt drei Minuten aufgewendet.» Diese drei Minuten fliessen in die Kontrollen der Dossiers. Eine Aufgabe, die laut Häner von insgesamt acht Stellen mehrfach ausgeführt werden. «Dafür wird nicht überprüft, ob die Dossiers auch mit der Realität übereinstimmen.» Zum Vorschlag Häners wollte Stadtrat Waser keine Stellung beziehen.

Der Stadtrat will keiner der Lösungsvorschläge übernehmen, sondern bis Ende dieses Jahres ein eigenes Modell entwickeln. «Retuschen reichen nicht. Es braucht eine Gesetzesänderung», sagte Waser. In diesem sind nämlich bereits viele der Mängel des Zürcher Sozialwesens angelegt. Über eine entsprechende Vorlage könnte das Volk im November 2009 abstimmen. «Ich hoffe, dass das neue System im Mai 2010 auf die neue Legislatur in Kraft treten kann», sagte Waser.

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