Militärtransporter, Merkels Mini-Jet und die Air Force One

Während des WEF wird Zürich zum Verkehrsknotenpunkt aus der Luft: Für Planespotter ein Spektakel, für Anwohner mehr Lärm.

US-Helikopter im Anflug (2018): Der Flughafen Zürich kündigt auch für dieses Jahr «zusätzliche Lärmemissionen» an.

US-Helikopter im Anflug (2018): Der Flughafen Zürich kündigt auch für dieses Jahr «zusätzliche Lärmemissionen» an. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Gewaltige mattgraue Flugzeuge ziehen schon seit einer Woche ihre Bahnen über Zürich. Kein Pünktchen Farbe schmückt sie ausser dem «Star-Spangled Banner» an der Seitenflosse – der Flagge der USA. Die Maschinen transportieren Helikopter, Limousinen und Hightech-Militärgerät, um damit am Dienstag Präsident Trump sicher nach Davos zu chauffieren. Er selbst wird an dem Tag mit der Air Force One, einer umgebauten Boeing 747, am Flughafen Zürich landen.

Auch die vielen anderen Staatschefs, Sprecher und Wirtschaftsbosse reisen Anfang der Woche via Zürich in die Schweiz. Zum Teil über den Airport selbst, zum Teil über den Flugplatz Dübendorf. Rund 1000 zusätzliche Flugbewegungen werde es laut Einschätzung der Flugsicherung während dieser Zeit geben, erklärt Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa.

Alltagsbetrieb in Kloten so normal wie möglich

Der Militärflugplatz Dübendorf wird extra während des WEF für die zivile Nutzung freigegeben. Die Firma Topmotion, die den Betrieb dann abwickelt, rechnet wieder mit 20 bis 25 Maschinen. Ausschliesslich Gäste aus der Wirtschaft mit Kleinmaschinen bis höchstens rund 30 Meter Länge werden erwartet. 40 Stellplätze sind in Dübendorf reserviert, um die Flugzeuge während der Verhandlungen am Forum in Davos derweil zu parkieren.

Kanzlerin Angela Merkel kommt üblicherweise mit einem so kleinen Businessjet, dass sie sich einen Stellplatz teilen kann.

Auf dem Flughafen Zürich sind insgesamt 75 gesonderte Stellplätze für die WEF-Flug zeuge reserviert. Einige Regierungsmaschinen brauchen einen kompletten Platz, andere sind da etwas ökonomischer. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel zum Beispiel komme üblicherweise mit einem so kleinen Businessjet, dass sie sich einen Stellplatz mit einem anderen Flugzeug teilen könne, so Flug hafensprecherin Sonja Zöchling.

Wenig überraschend werde es für diese Zeit natürlich ein deutlich grösseres Sicherheitsdispositiv geben als im alltäglichen Betrieb, erklärt Zöchling, «aber der übliche Betrieb sollte so normal wie möglich weitergehen».

Einzig eine Extrawurst für Trump

Für die Flugsicherung auf der anderen Seite gelte «business as usual», wie Sprecher Barrosa sagt. Einzige Ausnahme: Wenn die Air Force One ankommt, werden die Abstände zwischen ankommenden Flugzeugen kurzzeitig vergrössert, von den regulären rund fünf nautischen Meilen auf das bis zu Zehnfache. Eine komplette Sperrung des Luftraums für ankommende Maschinen, wie sie beim letzten Trump-Besuch durchgeführt wurde, ist nicht vorgesehen.

Abgesehen davon sind die Flugrouten über Zürich dieselben wie sonst auch. «Die Air Force One fliegt den Flughafen an wie jede Swiss-Maschine auch», so Barrosa. Regierungsmaschinen werden zwar extra behandelt, aber Geschäftsleute geniessen keine Privilegien. Damit sie dennoch nicht lange warten müssen, werden, ähnlich wie in der Feriensaison, zusätzliche Luftraumsektoren geöffnet.

Planespotter freuen sich, Anwohner weniger

Für Planespotter bedeutet das WEF vor allem eine Parade interessanter Flugzeuge zum Fotografieren. Für den Flughafen Zürich gibt es auf Zrh-spotter.ch einen «ZRH Spotting Guide», eine Karte mit den besten Standorten, um die Regierungsmaschinen zu beobachten. Am 11. Januar haben die Fotografen schon die erste US-Regierungsmaschine entdeckt, eine C-17 Globemaster - einen der gigantischen mattgrauen Militärtransporter. Preis: rund eine Viertelmilliarde Dollar.

Für die Anwohner dürfte sich die Freude über den Tumult am Himmel in Grenzen halten. Für sie wird es laut. Der Flughafen rechnet nicht zuletzt aufgrund der vielen Helikopterflüge mit «zusätzlichen Lärmemissionen», wie es in einer Mitteilung heisst.

Dann gibt es noch einen anderen Engpass: Die Stellplätze für WEF-Flieger am Airport und in Dübendorf sind nämlich bereits ausgebucht. Alle darüber hinaus landenden Maschinen dürfen nur zwei Stunden parkieren und müssen dann Zürich wieder verlassen. Altenrhein ist jedoch auch stark ausgelastet, und Genf fällt als Parkplatz dieses Jahr aufgrund von Bauarbeiten komplett aus. So müssen Flugzeuge mutmasslich auf weit entfernte Flughäfen ausweichen.

US-Militärflugzeuge in Deutschland parkiert

Die grossen mattgrauen Maschinen der US-Regierung wird das kaum interessieren. Sie werden nicht am Flughafen Zürich stehen bleiben. Sie werden unter anderem auf dem Stützpunkt Ramstein in Deutschland zwischenparkiert werden. Die US Air Force nutzt den dortigen Militärflugplatz häufig bei Flügen in die Alpenregion.

Erstellt: 18.01.2020, 10:41 Uhr

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