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Spray-Attacke auf die «Warhol-Mauch»

Das Porträt der Stadtpräsidentin, das ein anonymer Künstler im Pop-Art-Stil auf den Bauzaun beim Kunsthaus-Neubau angebracht hatte, ist übel zugerichtet worden.

Ein Balken über den Augen: das Corine-Mauch-Pop-Art-Bild auf dem Bauzaun beim Kunsthaus.
Ein Balken über den Augen: das Corine-Mauch-Pop-Art-Bild auf dem Bauzaun beim Kunsthaus.
Tages-Anzeiger

Der Bauzaun rund um die Baustelle für den Kunsthaus-Neubau ist ein Tummelfeld für Gestalterinnen und Gestalter aller Art – sie dürften dort nach Lust und Gutdünken wirken, und zwar ganz legal, mit dem Segen von Stadt und Kunsthaus, die den Zaun zum grossflächigen Jekami-Malblock deklariert haben.

So ist die Bretterwand zu einem bunten Universum geworden, wobei zur Hauptsache Schriftzüge auf die Latten gesprayt wurden. Wie hoch oder tief die künstlerische Qualität der einzelnen Interventionen ist, wollen wir hier nicht verhandeln – mit einer Ausnahme: Auffällig, weil auffällig gut gemacht sind zwei Pop-Art-Werke, beides Adaptionen berühmter Vorbilder, das eine eine eingezürcherte Variante von Roy Lichtensteins «Oh, Jeff...I Love You, Too...But…» (mit Grossmünster im Hintergrund), das andere eine Adaption der berühmten Andy-Warhol-Porträts – einfach mit Stadtpräsidentin Corine Mauch statt mit Liz Taylor oder Marilyn Monroe als Porträtierte.

«Gerade Du brauchst Jesus»

Beide Werke wurden von einem anonymen Künstler auf den Bauzaun gemalt – und beiden war kein glückliches Schicksal beschieden. Die Lichtenstein-Hommage war nach ein paar Tagen verschwunden, abmontiert im Auftrag eines Sammlers, der das Bild zu sich nach Hause holen wollte.

Das Mauch-Porträt – in Warhol-Manier vielfarbig und stark gerastert auf den Zaun gebracht – ist noch immer da. Aber seit neuestem in modifizierter Form. Man könnte auch sagen: in verunstalteter Form. Ein Sprayer hat über Mauchs Augenpartie einen horizontalen schwarzen Balken aufgetragen. Dazu hat er diagonal über das ganze Bild und in Grossbuchstaben eine Botschaft aus dem Fäkalbereich gesprayt.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass das Mauch-Gemälde schon vor der Sprayattacke zu - allerdings diskreteren - Interventionen animiert hatte. Einer schrieb mit Filzstift auf Mauchs Stirn: «Corine, ja, gerade Du brauchst Jesus.» Neben dem Satz prangt ein dekoratives Herzchen. Ohne Herzchen hat – vermutlich ein anderer Urheber – das Bild mit der «EU-No!»-Parole ergänzt.

Ist das erlaubt?

Muss, wer seine künstlerische Aktivität im öffentlichen Raum auslebt, damit leben, dass seine Werke von anderen «weiterentwickelt» werden, auch wenn es sich dabei faktisch um eine Verschandelung handelt? Oder gibt es auch bei der Verzierung eines Bretterzauns eine rote Linie, die das Erlaubte vom Unerlaubten trennt?

Als Hinweis auf Letzteres lässt sich die Aussage von Franziska Martin vom Amt für Hochbauten deuten, die sie vor einem halben Jahr gegenüber «Lokalinfo» gemacht hatte. Dass nämlich Künstlerinnen und Künstler den Bretterzaun nach Belieben nutzen dürften, «solange die üblichen Regeln eingehalten werden».

Als Vertreter der Bauherrschaft gibt Kunsthaus-Sprecher Björn Quellenberg Auskunft. Er präzisiert: «Wer am Bauzaun der Kunsthaus-Erweiterung etwas gestaltet, hat keinen Anspruch auf Pflege oder Erhalt seiner Schöpfung.» Die Bauherrschaft greife nur «bei Verstössen gegen die guten Sitten ein», wenn also sexistische Bilder oder rassistische Parolen angebracht würden – soviel also zu den «üblichen Regeln».

Darüber hinaus gilt für die Bretterwand-Bewirtschaftung, dass Monat für Monat die Südseite des Zauns neu gestrichen wird, und zwar in diskretem Grau, «damit der motorisierte Verkehr nicht zu stark durch Graffiti oder Wildplakate abgelenkt und die Unfallgefahr erhöht wird», so Quellenberg.

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