Spur der Flucht führt zu mysteriösem Todesfall

Nach einem Mord flüchtete Tobias K. in eine Alphütte im Tessin. Ein Mann wurde danach wegen Begünstigung verhaftet.

Blumen erinnern an den heute 26-jährigen Mann, der in einer Unterführung von Tobias K. 2016 niedergestochen wurde. Foto: Reto Oeschger

Blumen erinnern an den heute 26-jährigen Mann, der in einer Unterführung von Tobias K. 2016 niedergestochen wurde. Foto: Reto Oeschger

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Die Berner Kantonspolizei verhaftete Tobias K. am 18. Januar 2017. Sie hatte ihm eine Falle gestellt, nachdem die australische Bundespolizei den Tipp gegeben hatte, der Mann habe im Darknet eine Schusswaffe erwerben wollen. Als die Berner Tobias K. verhafteten, wussten sie noch nicht, dass es sich bei ihm um den Hauptverdächtigen im Seefelder Mordfall handelte. Der Strafgefangene hatte sich über ein halbes Jahr auf der Flucht befunden. Dabei hielt er sich unter anderem im Jura auf. Dies berichtete die NZZ im Mai 2017.

Nun zeigen TA-Recherchen, wo Tobias K. bei seiner Flucht sonst noch übernachtet hatte. Die Spur führt zu einer Alphütte in einer verlassenen Gegend im Kanton Tessin. Sie wird genossenschaftlich von Deutschschweizern betrieben, die auf der Suche nach alternativen Lebensformen die Abgeschiedenheit ­gesucht haben. Sie beschäftigen für die Arbeiten auf der Alp auch immer wieder junge Erwachsene, die es in ihrem Leben nicht leicht hatten.

Verhängnisvolles Kleidungsstück

Während der Flucht von Tobias K. ereignete sich im Val di Vergeletto nahe der italienischen Grenze ein mysteriöser Todesfall. Einen Monat nach dem mutmasslichen Todeszeitpunkt fand ein Wanderer im Wald einen Oberschenkelknochen, etwas später entdeckte eine Pilzsammlerin Teile eines menschlichen Fusses, und jemand stiess auf ein Stück Ellbogen. Wie sich später herausstellte, stammten die Knochen von einem Mazedonier, der oben auf der Alp schwarzgearbeitet hatte. Der TA berichtete im Februar 2017 über den mysteriösen Todesfall. In der Zwischenzeit haben die Tessiner Behörden den Fall eingestellt. Sie gehen von einem Unfall aus.

Doch die Polizei fand bei Tobias K. nach dessen Verhaftung ein Kleidungsstück, das dem ­Mazedonier zugeordnet werden konnte. Die Zürcher Ermittler bestellten die Akten zu dem Todesfall und liessen sie auf Deutsch übersetzen. Ein Zusammenhang zwischen dem Verunfallten und Tobias K. liess sich aber nicht erstellen. Es ist auch unklar, ob sich die beiden je begegnet sind. Möglicherweise ist er auch erst einen Tag nach dem Vorfall in der Alphütte angekommen. Dass er sich dort oben aufgehalten hat, ist aber nicht nur wegen des gefundenen Kleidungsstücks klar, wie mehrere in die Ermittlungen involvierte Personen dem TA bestätigen.

Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt in der Alphütte wurde in Zürich ein Mann verhaftet, der danach längere Zeit wegen Begünstigung in Untersuchungshaft sass. Verfahren gegen ihn, die Ex-Freundin von Tobias K. sowie eine Handvoll weiterer Personen sind noch immer im Gang, wie Staatsanwalt Adrian Kaegi auf Anfrage bestätigt. Dabei geht es um Fluchthelfer, die dem geflüchteten Strafgefangenen Geld gegeben, ihn herumgefahren oder ihm Übernachtungsmöglichkeiten verschafft haben. Für sie alle gilt die Unschuldsvermutung. Zum Zusammenhang von K.s Flucht mit dem Todesfall und der Alphütte im Tessin will sich Staatsanwalt Kaegi nicht äussern.

Erstellt: 30.04.2019, 21:01 Uhr

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