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Staatsanwalt fordert höhere Strafe für militanten FCZ-Fan

Einem jungen Mann droht eine unbedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten. Vor Gericht sorgte er für ungläubiges Staunen.

Wird das Obergericht dem härteren Strafantrag des Staatsanwalts folgen? (Bild: «Tages Anzeiger»)
Wird das Obergericht dem härteren Strafantrag des Staatsanwalts folgen? (Bild: «Tages Anzeiger»)

Vor einer Woche forderten Politiker, Polizei und die beiden Fussballpräsidenten, dass die Justiz härter gegen gewaltbereite Fussballfans vorgehen soll. Offenbar ein Aufruf, der Wirkung zeigt. Vor dem Zürcher Obergericht verlangte Staatsanwalt Daniel Kloiber für einen 22-jährigen kaufmännischen Angestellten eine unbedingte Freiheitsstrafe von dreizehn Monaten. Der Schweizer ist wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte, Landfriedensbruchs und Beschimpfung angeklagt. Damit wurde der Strafantrag zur ursprünglichen Anklageschrift um vier Monate erhöht.

Der Zürcher war von der Vorinstanz im letzten Dezember noch mit einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 30 Franken davongekommen. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte den 22-Jährigen wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte und Beschimpfung, sprach ihn aber vom Vorwurf des Landfriedensbruchs frei. Weder der Beschuldigte noch der Staatsanwalt waren damit einverstanden und gelangten ans Obergericht.

Gegen Polizisten getreten

Gleich dreimal war der FCZ-Fan im Jahr 2016 an die Ordnungshüter geraten. Der gravierendste Vorfall hatte sich im Mai auf dem Helvetiaplatz ereignet, als die Polizei bei Fussballfans eine Personenkontrolle durchführte. FCZ-Anhänger hatten ein Fest gefeiert und Anhänger einer christlichen Gruppierung angepöbelt. Dabei trat der Beschuldigte laut Anklageschrift mit voller Wucht einem Beamten mit dem Fuss zweimal in den Rücken.

Schon in der Silvesternacht 2016 bedrohte er kurz nach Mitternacht auf der Polyterrasse Polizisten und beschimpfte sie mit «Hurensohn» und «Scheissbullen», als diese ausrücken mussten, weil aus der Menschenmenge verbotenerweise Feuerwerkskörper gezündet wurden. Eine Stunde später soll er an der Preyergasse im Niederdorf in einer Gruppe von zehn bis zwanzig Personen gewesen sein, aus der Steine, Flaschen und Fahrräder auf vier Stadtpolizisten geworfen wurden. Zudem beleidigte er eine Polizistin mit sexistischen Äusserungen.

Spielt in Verein mit Polizisten

Am heutigen Prozess vor dem Obergericht verweigerte der Beschuldigte die Aussagen zu den Anklagepunkten. Er sei Teil der Südkurve und FCZ-Fan, sei aber kein gewalttätiger Fan. Er habe seinen Job wegen des Strafregisterauszugs verloren und sei auf Arbeitssuche. Der junge Mann hat zwei Vorstrafen. Beide stehen mit dem Fussball in Zusammenhang. Er wurde bereits mit Stadion- und Rayonverboten belegt. Für ungläubiges Staunen sorgte seine Aussage vor Gericht, dass er Fussball in einem Verein spielt, in dem auch Zürcher Polizisten mitspielen.

Laut Staatsanwalt Daniel Kloiber war der Beschuldigte beim Vorfall im Niederdorf Teil des aggressiven Mobs und habe sich auch dort aufgehalten. «Ein klassischer Fall von Landfriedensbruch.» Es handle sich um einen Hooligan, welcher im Saubannerzug mitgemacht habe. Kloiber verlangt aus generalpräventiven Gründen, dass das Gericht ein klares Zeichen setze und eine unbedingte Freiheitsstrafe ausspreche. Der Beschuldigte habe trotz laufender Probezeit wieder delinquiert. Kloiber ärgerte sich über die Begründung des Einzelrichters, in der von jugendlichem Übermut und leichtsinniger Entgleisung die Rede war. Damit würde die Arbeit der Polizei verhöhnt. Beim Beschuldigten handle es sich um einen Rädelsführer, welcher die Polizei verabscheue.

Kein Exempel statuieren

Noëmi Erig, die Verteidigerin des Beschuldigten, verlangt einen Freispruch von Gewalt und Drohung gegen Beamte und Landfriedensbruch. Einzig wegen Beschimpfung soll er mit einer bedingten Geldstrafe von fünf Tagessätzen bestraft werden: In den anderen Fällen könne man die Vorwürfe nicht beweisen. Im Gerangel auf dem Helvetiaplatz seien mehrere Personen involviert gewesen, der Polizist hätte den Fusstritt auch von einem anderen erhalten können. Zudem sei die Polizeikontrolle nicht rechtens gewesen.

Beim Vorfall in Niederdorf habe es sich nicht um eine öffentliche Zusammenrottung gehandelt. Es liege kein Landfriedensbruch vor. Ihr Mandant sei nicht Teil der aggressiven Gruppe von zehn bis zwanzig Personen gewesen, sondern sei in die Kontiki-Bar gegangen, als die Stimmung eskalierte. Weiter sagt Erig, dass der junge Mann sich seit zwei Jahren anständig verhalte. Es gehe nicht an, dass der Staatsanwalt an ihm ein Exempel statuiere. Zudem würde die Hooliganismus-Problematik in den Medien aufgebauscht.

Das Obergericht fällte heute Dienstag noch kein Urteil. Es wird den beiden Parteien in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

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