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Stadion: SP-Delegierte lassen ihre Stadträte abblitzen

Die Zürcher SP stellt sich gegen ein Stadion mit Wohntürmen und lanciert die Volksinitiative von Nationalrätin Jacqueline Badran.

Die Delegierten der SP der Stadt Zürich lehnen die städtische Vorlage zum Hardturm-Projekt Ensemble mit grosser Mehrheit ab.
Die Delegierten der SP der Stadt Zürich lehnen die städtische Vorlage zum Hardturm-Projekt Ensemble mit grosser Mehrheit ab.
Walter Bieri, Keystone
Die Argumente der Zürcher SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch verhallten weitgehend ungehört. Mit 24:103 Stimmen wurde der im Stadtrat ausgehandelte Kompromiss deutlich bachab geschickt.
Die Argumente der Zürcher SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch verhallten weitgehend ungehört. Mit 24:103 Stimmen wurde der im Stadtrat ausgehandelte Kompromiss deutlich bachab geschickt.
Walter Bieri, Keystone
Die Volksinitiative von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran erhielt hingegen regen Zuspruch. Mit 113:15 Stimmen wurde deren Lancierung beschlossen.
Die Volksinitiative von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran erhielt hingegen regen Zuspruch. Mit 113:15 Stimmen wurde deren Lancierung beschlossen.
Walter Bieri, Keystone
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Stadtpräsidentin Corine Mauch und Hochbauvorsteher André Odermatt konnten da nicht mehr viel ausrichten: Am Donnerstagabend stimmten die SP-Delegierten mit 113 zu 15 Stimmen für eine eigene Stadioninitative – und fielen damit den eigenen Stadträten in den Rücken. Ihre Vorlage lehnten sie mit 103 zu 24 Stimmen ab.

Die SP-Delegierten wollen keine privat finanzierte Fussballarena mit zwei riesigen Wohntürmen. Lieber wollen sie noch vor der Volksabstimmung im November eine eigene Volksinitiative für ein öffentlich finanziertes Stadion auf dem Hardturmareal lancieren.

«Alles, wogegen ich seit Jahren kämpfe»

Der Saal im Restaurant Weisser Wind im Zürcher Niederdorf wäre eigentlich heiss genug gewesen. Aufs Einheizen versteht sich aber auch SP-Nationalrätin Jacqueline Badran gut: «Diese Vorlage beinhaltet alles, wogegen ich seit Jahren kämpfe», rief sie in den Saal und erhielt als einzige Delegierte spontanen Applaus. «Wie könnten wir Ja sagen zu Renditewohnungen auf städtischem Land, wenn wir nicht mal ein Stadion gratis dazu kriegen?», rief sie. Zürich könne schneller und billiger zu einem Stadion kommen. Die Delegierten glaubten ihr.

Mauch und Odermatt hatten keine Chance, die erhitzten Gemüter abzukühlen. Die Stadtpräsidentin appellierte an die eigene Partei, die doch für Verlässlichkeit und Verantwortung stünde: «Wir müssen auch Kompromisse eingehen können, die mehrheitsfähig sind», sagte Mauch. André Odermatt warb an ihrer Seite für ein Ja zur Stadtratsvorlage: «Zeigen wir nicht unsere Macht, sondern unsere Grösse», mahnte er die Delegierten.

Wie seine verhallte aber auch Nationalrätin Min Li Martis Stimme: «Wie sollen wir die Bevölkerung überzeugen, wenn wir nicht mal unsere Verbündeten im Gemeinderat für die Initiative überzeugen konnten?» Die SP-Delegierten wollen es trotzdem versuchen.

Die meisten stellen sich auf den Standpunkt, dass 600 Renditewohnungen auf dem Land der Stadt nicht das sei, womit die Wählerinnen und Wähler mit ihren vielen Stimmen die SP letzten Frühling beauftragt haben.

Politisch unreif oder konsequent?

Einige altgediente SP-Vertreter kritisierten das Vorgehen der Partei im Vorfeld. Es zeuge von «politischer Unreife», sagte der ehemalige SP-Kantonsrat und Zürcher Statthalter Hartmuth Attenhofer. «Wie sollen die Stadträte je wieder mit Investoren an einem Tisch sitzen können, wenn ihnen die Partei derart in den Rücken fällt?», fragte der ehemalige SP-Parlamentspräsident Peter Stähli-Barth.

Badran hingegen, welche die Initiative entwickelt hat, stellte sich auf den Standpunkt, dass die SP keine andere Wahl als die Initiative habe: «Es ist unsere Pflicht, der Bevölkerung eine echte Auswahl anzubieten.» Diese Auswahl soll ein städtisch finanziertes Stadion ohne Luxus-Wohntürme sein. Dem Stadtrat soll ein Rahmenkredit von 130 Millionen Franken bewilligt werden. Falls die Unterschriften zusammen kommen, würde nächstes Jahr über die Initiative abgestimmt.

Die Entscheidung der SP-Delegierten schmälert die Chancen für das aktuelle Fussballstadionprojekt auf dem Hardturmareal, über das bereits im November abgestimmt wird. Darin ist geplant, dass der Immobilienfonds der Credit Suisse zwei Hochhäuser mit Luxuswohnungen baut und mit deren Rendite das Stadion querfinanziert. Im Gegenzug kriegt die Bank den Boden günstig von der Stadt zur Verfügung gestellt. Gemäss Badran komme das einer Quersubventionierung der Credit Suisse mit Steuergeldern gleich.

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