Der Stadiontraum wird konkret

Das Projekt einer Eishockeyarena für die ZSC Lions in Altstetten steht. Bald müssen Gemeinderat und Stimmbürger über den jährlichen Beitrag von 2 Millionen befinden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Eisstadion mit dem klingenden Projektnamen «Theatre of Dreams» schien bis vor kurzem ein Traum zu bleiben. Ursprünglich auf 2017 geplant, verschob sich der Bezugstermin der Arena in Alt­stetten, unweit des Juchhofs, immer mehr. Auf 2019, 2020, Anfang dieses Jahres auf 2022. Dabei soll es nun bleiben.

Das bekräftigte der Stadtrat gestern mit einem eindrücklichen Aufgebot: Nebst ZSC-Geschäftsführer Peter Zahner traten gleich vier Stadträte auf. Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) erörterte die finanzielle Beteiligung der Stadt. ­Gerold Lauber (CVP), Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, begründete die sportliche Notwendigkeit. Bauvorstand André Odermatt (SP) referierte darüber, wie sich das Stadion ins Quartier Altstetten einfügt. Und Filippo Leutenegger (FDP), zuständig für Tiefbau und Entsorgung, kam die undankbare Aufgabe zu, die Details zur Verlegung der 120 Familiengärten zu erklären.

Städtisches Darlehen von 120 Millionen

Die finanziellen Eckdaten zur Arena: 169 Millionen Franken kostet sie, wovon 120 Millionen von einem Darlehen via Stadt kommen, 30 Millionen von Investoren und der Rest von ­Zuschüssen und der Mehrwertsteuer. ­Zudem bezahlt die Stadt einen jährlichen Betriebszuschuss von 2 Millionen. Viel Neues gab es nicht zu erfahren. Aber das ist gerade das Bemerkenswerte: Das Projekt ist nun so weit ausgearbeitet, dass es in die Hände des Gemeinderats und des Stimmvolks gelegt werden kann. Und damit zumindest die Politiker wissen, wovon sie sprechen, wurde eine 83-seitige städtische Weisung versandt.

Sollte diese den 125-köpfigen Gemeinderat überzeugen, würde das Projekt im Juni oder September 2016 dem Zürcher Stimmvolk vorgelegt. Dies wäre nicht nötig gewesen, hätten die ZSC Lions auf den jährlichen Zustupf von 2 Millionen Franken verzichtet. Denn das Darlehen, für das die Stadt mit ihrem Triple-A-Rating den Vermittler spielt, hätte der Stadtrat eigenmächtig sprechen können. Sollte das Vorhaben im Gemeinderat oder in der Abstimmung scheitern, wäre es vom Tisch. Diesem Risiko habe man sich aussetzen müssen, da der Businessplan sonst nicht aufgegangen wäre, sagt Zahner. Das Budget sieht ab dem fünften Betriebsjahr, wenn sich alles eingespielt hat, Einnahmen von 7,9 Millionen und Ausgaben von 7,6 Millionen Franken vor.

Konzerte sind nicht erlaubt

Fast die Hälfte der Ausgaben besteht in der Verzinsung und der Amortisierung des Darlehens. Der Betriebszuschuss fliesst in die Immobilien-AG, die abgekoppelt ist von der Sport-AG. Der Businessplan sieht vor, dass die Arena jährlich 40 Tage an Dritte vermietet werden kann – für Sport-Events, GV oder sonstige Veranstaltungen. Nicht erlaubt ist die Durchführung von Konzerten, damit das Hallenstadion nicht konkurrenziert wird. 6000 Quadratmeter sind noch nicht verplant, dort sind eine Sportphysiotherapie oder eine Sportschule denkbar. An die Stelle der einst geplanten Volleyballhalle kommt das Parkhaus. Das ist günstig, weil nun nicht in die Tiefe gebaut werden muss. Dort hätte ein Abwasserkanal drei Meter unter der Erdoberfläche ein Problem dargestellt.

Bekannt wurde nun auch, wer die Investoren sind: Die 36 Millionen Franken, von denen 6 Millionen in den Betrieb fliessen, werden je zu einem Drittel von Walter Frey, Peter Spuhler (als Privatpersonen) sowie von Swiss Life gebracht. Der ­Lebensversicherer, dessen Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig auch bei den ­Lions im Verwaltungsrat wirkt, ist seit dieser Saison Hauptsponsor beim ZSC. Was ist unter dem Strich der Beitrag der Stadt?

Sie spielt die Bank fürs Darlehen, das mit 1,6 Prozent verzinst wird. Sie bezahlt den Betriebszuschuss, der sich verringert, wenn ein gewisser Teil des Darlehens zurückbezahlt ist. Sie stellt das Land im Baurecht zur Verfügung für einen jährlichen Zins (35'000 Franken). Und sie muss für die Altlastenbereinigung des Areals aufkommen (2,8 Millionen) und 1,9 Millionen Franken für eine Passerelle beisteuern. Im Gegenzug kann sie die Trainingshalle zehn Tage pro Jahr unentgeltlich nutzen und einen Vertreter in der Immobilien-AG stellen.

Was passiert mit dem Hallenstadion?

Fragt sich noch, was mit dem Hallenstadion passiert, falls es den ZSC als Ankermieter verlieren sollte. Gerold Lauber glaubt, dass für die Mehrzweckarena mehr Planungssicherheit auch eine Chance sei. Es sei einfach nicht mehr möglich, die Interessen des Hallenstadions und der ZSC Lions unter einen Hut zu bringen: «Müsste das Hallenstadion alle Termine reservieren, die der ZSC potenziell braucht, müsste es viel mehr Miete verlangen. Und das geht nicht.»

Lauber gibt dem Projekt im Gemeinderat gute Chancen. Filippo Leutenegger sieht das Engagement, auch das finanzielle, der Initianten als grossen Trumpf. Und er sagt: «Ich habe nicht das Gefühl, dass das Links-rechts-Schema entscheidend sein wird. Dieses Thema ist ideologiefrei.» Die Diskussion ist somit eröffnet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.09.2015, 00:04 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Stadion als Schnäppchen für Zürich

Kommentar So günstig wie jetzt kommt Zürich so bald nicht mehr zu einer Eishockeyarena. Mehr...

Das Rezept gegen ein Stadiondebakel

Erneut ein dreistelliger Millionenbetrag aus der Stadtkasse für ein Stadion? Warum die Argumente, die den neuen Hardturm zu Fall brachten, diesmal kaum ziehen dürften. Mehr...

Das neue ZSC-Stadion kostet 169 Millionen

Günstiger Baurechtszins, 120-Millionen-Darlehen, 2 Millionen im Jahr für den Betrieb: Die Zürcher Stadtregierung will die neue Eishockeyarena der ZSC Lions grosszügig unterstützen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Paid Post

Von Klischees und Ritualen

Schweigend essen und schwatzend lesen: Am Mittagstisch kommen Älpler Makronen und Städter-Klischees auf den Tisch. (Teil 3/4)

Die Welt in Bildern

Wässern für die Kameras: First Lady Melania Trump posiert mit Giesskanne im Garten des Weissen Hauses in Washington DC. (22. September 2017)
(Bild: Michael Reynolds/EPA) Mehr...