Stadt bremst Circus Monti aus

Mit einem undurchsichtigen Turnus begründet die Stadt, weshalb der Herbstzirkus dieses Jahr nicht auf dem Sechseläutenplatz gastieren darf.

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Derzeit hat es auf dem Sechseläutenplatz zur Abwechslung Platz, viel Platz. Doch das war eigentlich so nicht vorgesehen – zumindest nicht aus der Warte von Johannes Muntwyler, Direktor vom Circus Monti. Als er erfuhr, dass der ursprünglich eingeplante Herbstzirkus sein Gastspiel abgesagt hatte, liebäugelte er mit dem Platz am Bellevue als Standort für sein Zürcher Gastspiel.

Muntwyler hielt die Einladungen des Premierepublikums zurück, wartete mit dem Drucken des Werbematerials. Aber die Stadt lehnte Montis kurzfristig eingereichtes Gesuch für einen Standortwechsel ab, der Zirkus zog stattdessen wie seit langer Zeit bewilligt auf die Kasernenwiese.

Stadt beruft sich auf Datenschutz

Die Begründung der Stadt ist für Zirkusdirektor Muntwyler bis heute nicht nachvollziehbar. Sie liess verlauten, der Circus Monti sei gemäss Turnus heuer nicht am Zug. Bloss: Die Modalitäten des Turnus kennt allein die Stadt. Muntwyler sagt: «Die ganze Sache ist absolut intransparent. Ich verstehe es einfach nicht.» Das erweckt gegen aussen den Anschein, die Stadt wolle Platz bewusst frei halten, um Kritikern der Überbelegung des Platzes entgegenzutreten.

Muntwyler wurde in der Sache bereits vorstellig bei Richard Wolffs Sicherheitsdepartement (SID). Eine Antwort steht jedoch noch aus. Auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet heisst es, der Zeitraum für eine Neubelegung sei zu knapp gewesen. SID-Kommunikationsleiter Robert Soós sagt: «Im Übrigen verfügte der Zirkus Monti bereits über einen Standort auf dem Kasernenareal.» Genauere Angaben zum Turnus will die Stadt nicht machen und beruft sich auf den Datenschutz.

«Der Sechseläutenplatz ist unter dem Strich deutlich besser für uns.»Johannes Muntwyler, Direktor Circus Monti

Für einen Zirkus wie den Monti ist es enorm entscheidend, wo er sein Zelt aufschlagen kann. Und der Sechseläutenplatz wäre für ihn erste Adresse. Als Monti 2014 am Bellevue gastierte, kamen mehrere Tausend Zuschauer mehr in die Vorstellungen als letztes Jahr auf dem Kasernenareal. «Der Platz ist etabliert, und das wertet jede Veranstaltung auf, die dort stattfindet», sagt er.

Das aktuelle Nutzungskonzept für den Platz sieht explizit jedes Jahr ein Gastspiel eines wechselnden Herbstzirkus auf dem Platz vor. Für diesen gilt eine Dauerbewilligung wie für den Circus Knie, die Street-Parade, das Zurich Film Festival und das Züri-Fäscht.

Der Circus Monti hat seinen Tourneeplan exakt auf die Belegung des Sechseläutenplatzes abgestimmt. «Auf eine Zeit, in der nicht mehr so flaniert wird und wir deshalb nicht gross stören», rechtfertigt sich Muntwyler. War der Zirkus früher im September in der Stadt zu Besuch, macht er nun erst Ende Oktober Halt nach dem Zurich Film Festival und vor dem Weihnachtsdorf halt. Er hätte heuer an drei Wochenenden dort gastieren können. Die Umsatzabgaben auf dem Sechseläutenplatz sind doppelt so hoch wie auf dem Kasernenareal. «Aber der Platz ist unter dem Strich dennoch deutlich besser für uns.»

Stadt arbeitet Gegenvorschlag aus

Die Stadt schrieb im Rahmen des neuen Nutzungskonzeptes alle Zirkusunternehmen an, die früher auf der Wiese gastiert hatten, und bat sie, sich für den Turnus zu bewerben. Wie viele tatsächlich zugesagt haben, macht die Stadt nicht öffentlich. Monti gastierte nach der Neuereröffnung 2014 als erster und letzter Herbstzirkus vor Ort. Der Circus Go von Gasser-Olympia, der dieses Jahr am Zug gewesen wäre und wegen diverser Galas abgesagt hat, schliesst ein späteres Gastspiel jedoch nicht aus.

Tatsache ist aber: Für viele ist das Bespielen des Platzes aufwendig, weil das Zelt nicht richtig passt. Fixe Verankerungen sind nur für die Zelte von Knie und Monti vorhanden, nicht zuletzt deswegen, weil sich Johannes Muntwyler bei der Neugestaltung des Platzes stark eingebracht hat.

Offen ist auch, wie es in Zukunft mit der Platzbelegung weitergeht. Kritiker der Überbelegung haben bei der Stadt eine Volksinitiative eingereicht und fordern massiv weniger Veranstaltungen auf dem Platz. Neu soll der Platz an 300 Tagen pro Jahr frei sein, bisher war er dies an durchschnittlich 180 Tagen. Die Stadt hat bis Weihnachten Zeit, einen Gegenvorschlag zur Initiative zu formulieren. Käme die Initiative so zur Abstimmung und würde angenommen, müsste die Stadt ihr Nutzungskonzept ohnehin überdenken. Neben Knie und Zurich Film Festival hätte es für keine andere Veranstaltung mehr Platz. Muntwyler sagt: «Für unsere gesamte Tourneeplanung ist es enorm wichtig, zu wissen, wie es in den nächsten zwei, drei Jahren um den Herbstzirkus in Zürich steht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2016, 10:56 Uhr

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