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Stadt lädt zum Picknick am Viadukt

Temporäres Mobiliar soll auf der Brache beim Kornhaussilo zum Verweilen einladen. Neben Limmatsicht gibt es da auch Historienkunde.

Die Quartierbevölkerung beginnt, den neuen Picknickplatz neben Sprayereien und Bunker am Sihlquai langsam einzunehmen.
Die Quartierbevölkerung beginnt, den neuen Picknickplatz neben Sprayereien und Bunker am Sihlquai langsam einzunehmen.
Urs Jaudas

Plätze sind die Seelen einer Stadt. Freiräume laden ein, sich an einem Ort wohlzufühlen und zu verweilen. Voraussetzung: Sie verfügen über die entsprechende Aufenthaltsqualität – denn sie ist gemäss Architekturprofessor Vittorio Lampugnani längst nicht auf allen Zürcher Plätzen gegeben. Mit dem Projekt Piazza Pop-up will die Stadt die Voraussetzungen zum Verweilen schaffen, so klein der Freiraum auch ist.

Jüngstes Beispiel: die kleine Brache zwischen dem Wipkinger Bahnviadukt und dem Dammsteg am Sihlquai, wo einst schlotternde Prostituierte standen und bis vor kurzem ständig zerstörte O-Bikes lagen. Nun stehen auf der Kiesfläche am Fusse des Kornhaussilos zwei massive, lange Eichentische, Klappstühle, Holzsitzbänke- und quader sowie diverse Pflanzentröge. Darum herum ein Maschendrahtzaun mit Eingangstor. Unverschlossen.

Nutzung auswerten

Mit der temporären Aufwertung im öffentlichen Raum sollen «Treffpunkte zum Geniessen» entstehen, wie die Stadt auf der Informationstafel und im Internet schreibt. Sie will der Bevölkerung damit auch Alternativen zu den extrem belebten Begegnungsorten anbieten. Ob die Brache tatsächlich zum neuen Picknickort am Fluss wird, liegt an der Bevölkerung, wie Evelyne Richiger vom Tiefbauamt sagt. «Wir bieten die Möglichkeit, einnehmen müssen den Ort die Zürcherinnen und Zürcher.»

Wird der Platz genutzt, prüft die Stadt eine dauerhafte Aufwertung mit Mobiliar. Die Bevölkerung hat die Möglichkeit, den Ort bis Anfang Winter zu nutzen. Die Stadt wird die «urbane Platzeroberung» begleiten. Schon jetzt fordert sie die Bevölkerung auf, online Rückmeldungen zum Mobiliar zu geben oder neue Ideen einzubringen. Später sollen die Nutzenden via Abstimmungsgerät vor Ort ihre Zufriedenheit kundtun. Mit Befragungen will die Stadt die Bedürfnisse zusätzlich ausloten. Das Projekt entstand in Absprache mit der Quartierbevölkerung, wie es vonseiten der Stadt heisst.

Mobiliar beim Viadukt: Eichentische, Klappstühle, Holzsitzbänke- und quader sowie Pflanzentröge. Bild: Urs Jaudas
Mobiliar beim Viadukt: Eichentische, Klappstühle, Holzsitzbänke- und quader sowie Pflanzentröge. Bild: Urs Jaudas

Bereits vor den Ferien hat die Stadt zwei weitere öffentliche Plätze temporär bespielt. Beim Zehntenhaus in Affoltern entstand auf Anregung des Quartiertreffs ein Picknickplatz. Bei der städtischen Siedlung Wildbach im Seefeld reichte der Platz lediglich für Pflanzentröge und Sitzbänke.

Beim Testlauf des Projektes an drei Orten in den Kreisen 4 und 5 im Sommer 2017 gab es aber durchaus auch Misstöne. Am Hallwylplatz etwa ärgerten sich die Nutzer anfänglich über die viel zu grossen Pflanzentröge und befürchteten, der Platz verkomme wegen der vielen Sitzmöglichkeiten zur Festhütte. Der Tisch hingegen fand Anklang. Genug gross und massiv sei er, hiess es. Ob an den Testorten demnächst permanente Aufwertungen vorgenommen werden, ist derzeit noch unklar. Die Pflanzentröge hat man auf die Rückmeldungen aus der Testphase hin angepasst. Das Projekt Piazza Pop-up kostet die Stadt pro Jahr rund 30'000 Franken.

Ehemalige Verteidigungsanlage

Der kleine Platz an der Limmat ist aber auch ohne Picknicktisch einen kleinen Halt wert. Rechterhand, im Pfeiler der Brücke, war einst ein zweistöckiger Maschinengewehrstand untergebracht. Er war Teil der Limmatstellung am Anfang des Zweiten Weltkrieges und gedacht, um den Feind aus Deutschland am Übersetzen über die Limmat zu hindern. Die Betonwulste, die aus dem Pfeiler ragen, sind noch heute erkennbar, die Schiessscharten sind längst zugemauert.

Ende September 1939 erteilte General Guisan den Auftrag zur Errichtung der Befestigungsanlage entlang der Limmat. Nach nur sechsmonatiger Bauzeit war der Bunker im Juli 1940 bezugsbereit. Mit knapp 150'000 Franken Kosten war das Bauwerk verhältnismässig teuer. Doch der Bunker wurde nicht lange gebraucht. Bereits nach dem Waffenstillstand zwischen Deutschland, Italien und Frankreich Ende Juni 1940 verlor die Limmatstellung ihre Bedeutung.

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