Stadt nimmt Zürcher Schülern den Pausenplatz weg

20 Jahre lang soll ein Pavillon beim Schulhaus Allenmoos mehr Platz bieten. Doch der Standort verärgert rundum.

Die Baugespanne markieren den dreistöckigen Pavillonbau auf dem Pausenplatz.

Die Baugespanne markieren den dreistöckigen Pavillonbau auf dem Pausenplatz. Bild: PD

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Wie so viele andere Schulhäuser in der Stadt Zürich ist auch das Allenmoos beim Bucheggplatz bald übervoll. Ab August besuchen rund 330 Kinder die Schule. In den nächsten drei Jahren wird die Zahl auf 400 ansteigen, statt wie bisher 10 wird es im Schulhaus dann 15 Klassen geben. Dies, weil in die neu gebaute Guggach-Siedlung besonders viele Familien eingezogen sind.

Die Stadt will den Schulraum mit einem dreigeschossigen Komplex aus Züri-Modular-Pavillons erweitern. Bereits markieren Baugespanne auf dem Pausenplatz den Komplex. Im Herbst 2018 soll der Pavillon bezugsbereit sein, 20 Jahre soll er stehen bleiben. Das Ja des Gemeinderates zum Kredit über 3,2 Millionen Franken steht noch aus.

Doch schon jetzt sorgt der Ort für Ärger. Als Pavillon-Standort sei der Pausenplatz ungeeignet, finden viele Eltern. Die Schüler würden so einen grossen Teil ihres Pausenplatzes verlieren. Dass Problem hat Pro Juventute schon erkannt und warnt, dass der Verlust an kinderfreundlichen öffentlichen Räumen die Entwicklung der nächsten Generation beeinträchtige. Gerade beim Spielen im Freien würden Kinder soziale und motorische Fähigkeiten erlernen.

Bereits 60 Provisorien in der Stadt gebaut: Pavillon Schulhaus Riedhalden in Zürich-Affoltern. Bild: PD

Das Elternforum des Schulhauses hat letzte Woche seinen Unmut in Form in einer Petition zuhanden des Amtes für Hochbauten kundgetan. 150 Eltern haben innerhalb von zwei Tagen unterschrieben.

Pädagogisch nicht vertretbar

Rückendeckung erhalten die Eltern vom Schulleiter Harry Huwyler. Er war in die Sitzungen mit der Stadt involviert und hat da auch seine Bedenken geäussert. Doch er fand kein Gehör. «Aus pädagogischer Sicht ist diese Standortwahl nicht vertretbar», sagt er, «zumal wir mit mehr Kindern eigentlich mehr Aussenraum bräuchten.» Komme dazu, dass der Pavillon sicher 20 Jahre stehe und die Schülerzahl in diesem Zeitraum noch stärker ansteigen werde.

Aus Huwylers Sicht gäbe es mindestens zwei geeignetere Plätze auf seinem Schulareal. Er denkt an die Fussballwiese. Dass die Stadt auch schon Pavillons auf der grünen Wiese erstellt hat, zeigt das Beispiel Waidhalde. Oder an den Parkplatz, neben dem derzeit noch einige Bäume stehen. Huwyler sagt: «Es kann ja nicht sein, dass die Stadt Autos und Bäume höher gewichtet als das Wohl der Kinder.»

Das Elternforum hat in seiner Petition bewusst keine Alternativen erwähnt. Präsident Philipp Vetter sagt: «Wir wollen in einem konstruktiven Gespräch eine passende Lösung für alle erarbeiten.»

Alle Bedürfnisse berücksichtigt

Die Abteilung Immobilien der Stadt Zürich hat anhand einer Machbarkeitsstudie mehrere Standorte auf dem Areal sorgfältig geprüft. In der Weisung zuhanden des Gemeinderates ist von genügend Platz und ebenem Terrain die Rede. Zusätzlich werde das Gebäudeensemble sowie der Grüngürtel dort am wenigsten tangiert. Den ausgesteckten Standort habe man mit allen Vor- und Nachteilen gemeinsam mit der Schule bestimmt, sagt Tanja Huber von der Kommunikationsstelle. Und aus Sicht der Stadt hätten sich beim Entscheidungsprozess auch alle einbringen können. Huber sagt: «Der Standort berücksichtigt die Bedürfnisse aller Beteiligten am besten.» Doch sie räumt auch ein, dass die aufgetretenen Bedenken des Elternrats ernst genommen werden.»

Das sind keine leeren Worte: Die Stadt Zürich hat alle Betroffenen Ende Sommerferien zu einer Sitzung vor Ort eingeladen. Und auch in der Politik ist der Pavillon ein Thema. Der AL ist die «Pavillonschwemme» schon lange ein Dorn im Auge, eine Umsetzung, die allen passt, ist für die Partei folglich unabdingbar. Sie hat deshalb in der für den Bau des Allenmoos-Pavillons zuständigen Gemeinderatskommission vor den Sommerferien Fragen zum Standort gestellt. Walter Angst sagt: «Wir verstehen nicht, warum ein Schulleiter bei der Evaluation des Standortes keine entscheidende Stimme hat.» Ende August wird ihm die Stadt diese Frage beantwortet haben.

Erstellt: 20.07.2017, 10:54 Uhr

Pavillonschwemme

Auf jeder zweiten Anlage ein Provisorium

Die Fläche von provisorischem Schulraum in der Stadt ist beträchtlich. Rund 60 Pavillon-Einheiten sind bereits gebaut, bald steht auf jeder zweiten der 120 Schuleinheiten ein Holzkomplex. Und es kommen laufend weitere dazu, pro Jahr sechs. Für 2018 plant die Stadt neben dem Allenmoos auf diesen fünf Anlagen weitere Pavillons: Hürstholz (Zürich-Affoltern), Im Gut (Sihlfeld), Kügeliloo (Oerlikon), Neubühl (Wollishofen), Untermoos (Albisrieden).

Die Stadt setzt bewusst auf den Pavillonbau, weil sie mit dieser Massnahme schneller auf ein Bevölkerungswachstum reagieren kann als mit einem Schulhaus. Zudem ist diese Lösung kostengünstiger als ein Neubau. Und das hat schon fast Tradition: 1998 wurden in Zürich die ersten Züri-Modular-Pavillons gebaut. (ema)

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