Stadtrat zieht städtische Chefbeamtin aus Privatprojekt ab

Die Direktorin von Grün Stadt Zürich sass im Vorstand der IG Seepärke, welche ein «Jahrhundertprojekt» im Zürcher Seebecken plant.

Die IG Seepärke will um das Zürcher Seebecken eine Erholungszone bauen. Foto: Keystone

Die IG Seepärke will um das Zürcher Seebecken eine Erholungszone bauen. Foto: Keystone

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Seit Monaten planen Private rund um Immobilieninvestor Urs Ledermann, FDP-Nationalrätin Doris Fiala und Architekten wie Walter Wäschle ein «Jahrhundertprojekt» um das Zürcher Seebecken. Der Verein IG Seepärke möchte eine riesige Erholungszone bauen. Mitgegründet hatte die IG auch die Direktorin von Grün Stadt Zürich, Christine Bräm. Als der «Tages-Anzeiger» vor zwei Wochen über die Pläne berichtete, sorgte das nicht nur bei Lokalpolitikerinnen, sondern auch im Stadtrat für Irritationen. Für Bräms Engagement gab es keinen Entsendebeschluss.

Nun ist die Direktorin aus dem Verein wieder ausgetreten, wie die Stadt bestätigt. Nach dem Zeitungsbericht und einigen Reaktionen darauf habe man die Sache juristisch prüfen lassen. «Christine Bräm und Departementsvorsteher Richard Wolff beschlossen den Austritt von Frau Bräm aus dem Verein», sagt der Sprecher des Tiefbaudepartements, Pio Sulzer. Damit habe man «jeglichen Anschein von Interessenkonflikten» vermeiden wollen. Über den Rücktritt informierte Wolff vor einer Woche den Gesamtstadtrat.

«Es kann nicht sein, dass eine hochrangige städtische Vertreterin einem Verein ohne politischen Auftrag einen offiziellen Anstrich verleiht.»Andreas Kirstein (AL)

Die aktive Beteiligung der Direktorin empörte Gemeinderäte. So sagt etwa Andreas Kirstein (AL): «Es kann nicht sein, dass eine hochrangige städtische Vertreterin einem Verein mit illustren Vertretern wie Urs Ledermann ohne politischen Auftrag einen offiziellen Anstrich verleiht.» Die Stadt habe offizielle Partizipationsprogramme für die Bevölkerung. Das geheime Planen in einer IG gehöre nicht dazu. Zudem kritisiert Kirstein, es gehe Investor Ledermann vor allem darum, seine Immobilien im Seefeld aufzuwerten.

Der FDP-Gemeinderat Severin Pflüger teilt die Kritik von ganz links am intransparenten Vorgehen der Stadt. «Wir hätten darüber informiert werden müssen», sagt Pflüger. Dem Anliegen der IG Seepärke gegenüber ist er aber positiv gestimmt. «Ich begrüsse die Initiative von Privaten, noch mehr aus dem See­becken rauszuholen», sagt Pflüger. Offensichtlich bringe es die Stadt seit Jahrzehnten nicht zustande, das Seebecken nachhaltig neu zu gestalten.

Was die IG denn genau vorhat, will sie noch immer nicht sagen. Sie möchte aber die Öffentlichkeit bereits im Dezember über die Pläne informieren, sagt der Sprecher der IG Seepärke. Bisher war eine grosse Pressekonferenz im Frühling nächsten Jahres geplant. Für den Rücktritt von Direktorin Bräm zeigt die IG Verständnis. Man werde die Stadt dennoch weiterhin über Aktivitäten der IG informieren.

Erstellt: 29.10.2019, 23:15 Uhr

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