Stadtpolizei stellt am Utoquai die Kameras scharf

Die Zürcher Seepromenade ist ein beliebter Ort für Jugendliche. Nach Krawallen über Ostern lässt die Polizei das Gebiet nun überwachen.

Das beliebte Utoquai wird nun überwacht, vor allem weil es über Ostern zu Ausschreitungen gekommen ist.

Das beliebte Utoquai wird nun überwacht, vor allem weil es über Ostern zu Ausschreitungen gekommen ist. Bild: Samuel Schalch

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An warmen Abenden und in lauen Nächten ist das Utoquai die wohl beliebteste Promenade der Stadt. Bis tief in die Nacht sammeln sich dort junge Menschen, auf den Treppen und Bänken beim Zürichsee, nicht selten trinken sie Alkohol.

Friedlich ist es dort nicht immer: Laut Stadtpolizei kam es dort 2018 zu «überdurchschnittlich vielen Auseinandersetzungen, zahlreichen Sachbeschädigungen, schweren strafbaren Handlungen wie Messerstechereien sowie massiven Übergriffen auf Einsatzkräfte». Besonders in Erinnerung sind die jüngsten Krawalle über Ostern: Container brannten, Glasflaschen flogen durch die Luft, die Stadtpolizei fuhr mit Wasserwerfern vor und setzte Tränengas gegen die Jungen ein. Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi sagte im Nachgang zur «NZZ am Sonntag»: «Die Ausschreitungen haben das Mass der tolerierbaren Aggression am Utoquai überschritten.»

Überwacht am Wochenende

Nun hat die Stadtpolizei Zürich entschieden, im Juni und Juli am Utoquai die Überwachungskameras einzuschalten. Nicht jeden Tag, sondern von Freitag bis Sonntag und vor Feiertagen zwischen 20 Uhr und 2 Uhr morgens. Das tut sie in eigener Kompetenz und im Rahmen von Paragraf 32 des Polizeigesetzes. Dieses erlaubt es ihr, «zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben allgemein zugängliche Orte mit technischen Geräten offen oder verdeckt» zu überwachen und soweit notwendig Bild- und Tonaufnahmen zu machen.

Im roten Bereich laufen nun die Überwachungskameras. Grafik:pd

Auf diese Weise will die Stadtpolizei am Utoquai die öffentliche Sicherheit und Ordnung wahren und Straftäter besser identifizieren können. Die Videos würden aber erst beigezogen, wenn es einen konkreten Anlass dazu gebe, sagt Marc Surber von der Stapo-Medienstelle. Werden Aufnahmen nicht mehr benötigt, sollen sie nach 100 Tagen gelöscht werden.

Bürgerliche bis linke Politikerinnen und Politiker haben kurz nach Ostern gefordert, dass die Situation am Utoquai besser überwacht wird. Allerdings sind sie sich im Vorgehen nicht einig. Während FDP-Präsident und Gemeinderat Severin Pflüger die Polizei aufgefordert hat, die bereits vorhandenen Kameras an Samstagabenden anzuschalten, forderte SP-Gemeinderat Pascal Lamprecht mehr Polizeipräsenz.

Polizeivorsteherin Rykart nimmts gelassen

Beim Problem am Utoquai ist in erster Linie die Polizeivorsteherin Karin Rykart (Grüne) gefordert. Zum Entscheid, dort die Kameras einzuschalten, hat sie nicht beigetragen, da ihn die Polizei selbst fällen kann. Sie ist einverstanden – unter der Bedingung, dass die gesetzlichen Vorgaben beachtet würden, sagt sie auf Anfrage. Dazu gehört, dass die Überwachung zeitlich und örtlich begrenzt stattfindet und mit Hinweisen darauf aufmerksam gemacht wird.

Weniger gelassen als die Polizeivorsteherin sieht es ihr Parteikollege und Gemeinderat Luca Maggi. Auf Twitter schreibt er aufgeregt: «Weiterer Ausbau des Überwachungsstaats!»

Erstellt: 06.06.2019, 17:42 Uhr

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