Stadträtin Nielsen will neuen Umgang mit Koks

Die Gesundheitsvorsteherin wünscht sich mehr Bewegung in der «behäbigen» Drogenpolitik und fordert für Kokain eine ähnliche Lösung wie beim Heroin.

Kokser entkriminalisieren: Gesundheitsvorsteherin claudia Nielsen (SP) fordert ein Umdenken.

Kokser entkriminalisieren: Gesundheitsvorsteherin claudia Nielsen (SP) fordert ein Umdenken. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Rund 4500 Menschen konsumieren in der Stadt Zürich regelmässig harte Drogen. Etwa 2000 davon schnupfen Kokain, schätzen die Behörden. Nun fordert die Stadtzürcher Gesundheitsvorsteherin Claudia Nielsen (SP) einen Regimewechsel: «Wir brauchen einen neuen Umgang mit harten Drogen wie Kokain», sagt die Stadträtin in der NZZ.

Eine Legalisierung von harten Drogen kommt für Nielsen derzeit zwar nicht in Frage, aber: «Vorstellbar wäre, dass man das Modell der kontrollierten Heroinabgabe auch bei anderen harten Drogen anwendet», sagt sie im Interview. Die Konsumenten sollen entkriminalisiert werden. So könne man auch den Schwarzmarkt eindämmen. Die Drogenpolitik müsse zum Ziel haben, dass Drogen möglichst wenig Schaden anrichten.

Gleichgewicht aufs Spiel setzen

Die Drogenproblematik existiere in Zürich weiterhin, auch wenn sie nicht mehr so sichtbar ist wie früher. Besuche man an einer Street Parade einen Sanitätsposten seien die negativen Folgen aber weiterhin «extrem sichtbar».

Nielsen nimmt Bund und Kanton in die Pflicht. Die Schweizer Drogenpolitik sei «behäbig» geworden, sie hinke hinter dem Ausland hinterher. Die Stadt könne bei der Drogenpolitik nicht alleine agieren, der Spielraum sei begrenzt. Ohne Effort auf nationaler Ebene, sei ein Wandel schwierig. Sie erwartet daher auch eine finanzielle Beteiligung von Bund und Kanton. Sie verurteilt, dass der Kantonsrat unlängst die Gelder für die dezentrale Drogenhilfe gestrichen hat, um jährlich 2,6 Millionen Franken zu sparen. Damit werde das labile Gleichgewicht in der Drogenproblematik aufs Spiel gesetzt. (sip)

Erstellt: 16.10.2017, 08:39 Uhr

Artikel zum Thema

Zürcher Stadtrat lobt Stimmverhalten in den USA

Trotz der Wahl von Donald Trump bezeichnet Sozialvorsteher Raphael Golta die USA als vorbildlich – wegen der Hanflegalisierung. Mehr...

Cannabis-Abgabe: Basel und Zürich wollen es wagen

Die bestehende Rechtssituation sei unbefriedigend, heisst es beim Gesundheitsdepartement Basel-Stadt. Basel und Zürich prüfen deshalb, ob sie Cannabis kontrolliert an Erwachsene abgeben dürfen. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

TA Marktplatz

Kommentare

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...