E-Prix-Veranstalter wollen in Seenähe bleiben

2019 soll die Formel E in Bern, 2020 wieder in Zürich stattfinden – allerdings auf einer anderen Strecke. So will es der Stadtrat. Die Veranstalter halten sich zurück.

Mitten durch die Stadt: Das Formel-E-Rennen vom 10. Juni 2018 in Zürich.

Mitten durch die Stadt: Das Formel-E-Rennen vom 10. Juni 2018 in Zürich. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zwar steht im offiziellen Kalender der Formel E noch immer, dass am 9. Juni 2019 in Zürich ein Formel-E-Rennen ausgetragen wird. Doch seit heute Dienstag ist klar: Die Boliden werden 2019 nicht wieder durch Zürich fahren.

Nachdem die «Berner Zeitung» das Ansinnen publik gemacht hat, das nächstjährige Schweizer Formel-E-Rennen nach Bern zu transferieren, hat der Zürcher Stadtrat heute Morgen mit einer Medienmitteilung reagiert. Darin teilt die Stadtregierung mit, dass es nächstes Jahr kein Zürcher Formel-E-Rennen geben wird – weil vom 5. bis 7. Juli 2019 das Züri-Fäscht durchgeführt wird und zwei Grossanlässe innerhalb eines Monats eine Überforderung für alle Involvierten wären.

Stephan Oehen, Sprecher von Swiss E-Prix Operations AG, bestätigt, dass die Berner Stadtregierung einen sogenannten Richtungsentscheid gefällt habe. Dieser besage, dass die Stadt Bern und die Schweizer E-Prix-Veranstalterin gemeinsam einen Prozess einleiten würden, um ein Formel-E-Rennen in Bern möglich zu machen. Konkret werde nun eine Strecke evaluiert und würden weitere Abklärungen getroffen.

Gespräche mit mehreren Städten

Die Planung für das Berner Rennen steht damit noch in den Anfängen. Veranstalterin Swiss E-Prix Operations, welche eine Lizenz für neun Schweizer Formel-E-Rennen besitzt, will daher die Gespräche mit den anderen interessierten Schweizer Städten noch nicht abbrechen. «Mit Bern sind die Gespräche am weitesten gediehen. Wir sind zuversichtlich, dass wir zum Ziel kommen. Doch bis auf weiteres bleiben wir auch mit anderen Städten in Kontakt», sagt Stephan Oehen.

Umfrage

Werden Sie die Formel E in Zürich vermissen?




Nach der erfolgreichen Durchführung des E-Prix 2018 in Zürich hätten mehrere Schweizer Städte ihr Interesse an einer Durchführung des Rennens deponiert, so Oehen. Neben Bern ist noch eine Stadt aus der französischsprachigen Schweiz und eine aus dem Tessin im Gespräch mit den Veranstaltern. Dem Vernehmen handelt es sich um Genf und Lugano.

Überrascht vom Ansturm

Die Gespräche dürften auch deshalb fortgesetzt werden, weil aktuell noch offen ist, wie es ab 2020 mit dem Schweizer Formel-E-Rennen weitergeht. Der Zürcher Stadtrat hat heute mitgeteilt, dass er den Veranstaltern für 2020 eine Bewilligung in Aussicht gestellt habe – allerdings unter der Voraussetzung, dass eine neue Rennstrecke gefunden werde.


Video: Die Pokalübergabe
Stadtpräsidentin Corine Mauch überreicht di Grassi den Siegerpokal. Video: Sabina Bobst/Keystone

«Die Stadtviertel am Seebecken sind mit ihren kurzen Seitenstrassen zu eng, die Belastung für die Bevölkerung dort ist zu gross, besonders in Anbetracht der enormen Menge an Material, die zugeführt, aufgebaut und wieder weggeführt werden muss», heisst es in der städtischen Medienmitteilung. Ausserdem sorgt sich der Stadtrat um das Arboretum, die denkmalgeschützte Parkanlage am See, welche sich «nicht für eine intensive Nutzung» eigne.

Unter der Leitung des Sicherheitsdepartements würden daher nun Fachleute der Stadtverwaltung zusammen mit Vertretern des Veranstalters «mögliche Veranstaltungsorte prüfen und dann dem Stadtrat zum Entscheid unterbreiten».

Sprecher Oehen räumt ein, dass die Dimension des diesjährigen Rennens alle Beteiligten – die Veranstalter wie die Stadt – überrascht habe. «Wir gingen ursprünglich von 20'000 bis 25'000 Zuschauern aus. Real waren es dann über 150'000. Das Zürcher Rennen war das bisher grösste Formel-E-Rennen der Geschichte.» Wie von der Stadt gewünscht, werde Veranstalterin Swiss E-Prix Operations nun in einen Prozess mit den städtischen Behörden treten. «Wir wollen mit der Stadt zusammenarbeiten und eine Rennstrecke finden, die sportlich, für das Publikum und für die betroffene Bevölkerung optimal ist», so Oehen.

«Dübendorf ist nicht City»

Dann ist also die Seenähe der Strecke, welche im letzten Juni viel zur Anziehungskraft des Rennens beigetragen hatte, für die Veranstalterin keine Bedingung für den Zürcher E-Prix? «Wir können keine Bedingungen stellen», sagt Oehen. «Aber wir haben Präferenzen. Konkret finden wir: Der See und das Panorama sollten eine Rolle spielen.»

Dann kommt also ein Umzug an die Peripherie, etwa auf den Flugplatz Dübendorf, nicht infrage? «Die Formula E Operations Ltd., welche uns die Linzenz für die Schweizer Rennen erteilt hat, verlangt ein Cityrennen. Das ist eine Vorgabe. Und Dübendorf ist nicht in der City.»

Allerdings, ergänzt Oehen, seien solche Vorgaben nicht in Stein gemeisselt. «Es ist für die Formel E zentral, dass ein Rennen in der Schweiz stattfinden kann.» Daraus schliesse er, «dass die Formel E gesprächsbereit wäre, wenn wir einen sehr attraktiven Rennkurs ausserhalb der City vorschlagen würden».

Applaus von links

Markus Knauss, grüner Gemeinderat und VCS-Co-Geschäftsführer, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ansinnen des Stadtrats, eine neue Strecke zu suchen. «Der Rundkurs im Enge-Quartier war selten ungeeignet», sagt er. Zudem habe er das sogenannte E-Village im Arboretum als «extreme Provokation» empfunden: Dort hätten sich grosse Autofirmen wie Porsche oder Mercedes mit enormer Werbewirkung inszenieren können.

Er sei nicht grundsätzlich gegen ein Formel-E-Rennen, aber vehement gegen ein Rennen auf der Strecke am See. Wenn man «einen gescheiten Rundkurs» finde, könne er mit dem Rennen leben. Allerdings zweifle er daran, dass sich ein solcher Kurs in der Stadt Zürich finden lasse. Am besten wäre aus Sicht von Knauss eine Strecke auf einem abgetrennten Areal ausserhalb der Stadt. Anders als Stephan Oehen sympathisiert er mit dem Flugplatz Dübendorf – schliesslich werde auch in Berlin der stillgelegte Flugplatz Tempelhof als Rennstrecke genutzt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2018, 10:47 Uhr

Artikel zum Thema

Formel E wechselt für 2019 von Zürich nach Bern

Der Zürcher Stadtrat bestätigt, auf das Rennen zu verzichten. Ein anderer Grossanlass findet an der Limmat statt. Mehr...

«Formel E ade» – Zürcher Quartier wehrt sich gegen neues Autorennen

In der Enge standen bis gestern Abend Absperrelemente des E-Prix. Eine Petition gegen die Ausgabe 2019 erhält nun regen Zuspruch. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Das grösste Tier der Erde: Ein Besucher des Royal National Parks, südlich von Sydney, Australien, betrachtet einen toten Wal, der an die Wattamolla Beach angespült wurde. (24. September 2018).
(Bild: Dean Lewins) Mehr...