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10'000 wollten ihren Stoff testen

Zürcher Partybesucher können ihre Drogen untersuchen lassen. Wie sich die Konsumgewohnheiten geändert haben.

Ein Mitarbeiter untersucht eine Ecstasy-Tablette, die von der Zürcher Drogeninformationszentrale eingeschickt wurde.
Ein Mitarbeiter untersucht eine Ecstasy-Tablette, die von der Zürcher Drogeninformationszentrale eingeschickt wurde.
André Albrecht

Kokain vor Amphetamin vor MDMA vor LSD – die Rangierung der am häufigsten getesteten Partydrogen in der Stadt Zürich ist eindeutig und das Interesse an den Drug-Checking-Angeboten ungebrochen hoch, wie das Sozialdepartement heute Mittwoch mitteilt. Alleine in diesem Jahr werden laut einer Hochrechnung über 2000 Menschen das Drogeninformationszentrum (DIZ) im Kreis 5 besucht haben und dabei 1850 Drogenproben analysieren lassen. Seit der Eröffnung vor zehn Jahren verzeichnete das DIZ 10'100 Besucher, die insgesamt 8588 Substanzen abgegeben haben, so das Fazit zum Jubiläum.

Zwischen 2006 und 2014 stieg die Nachfrage nach dem Drug-Checking-Angebot stetig an. 2015 sank die Zahl erstmals. «Wir mussten die Zahl der Proben beschränken und Leute abweisen», sagt Christian Kobel, Leiter der Jugendberatung Streetwork. Das habe zum Rückgang geführt. Ein zweiter Öffnungstag, habe die Kapazität wieder leicht erhöht, die Zahl der Besuche stieg dann prompt wieder an.

Risikobewusstere Konsumenten

Die auffälligen Brüche in der Statistik gehen also darauf zurück, dass die Stadt Zürich die Kapazität ausgebaut hat, und nicht auf ein verändertes Konsumverhalten. Das Gleiche gilt auch für das zweite Drug-Checking-Angebot, die mehrmals jährlich durchgeführten mobilen Drogentests an Partys, die es bereits seit 2001 gibt. Seit 2012 ist ein zweites Testgerät im Einsatz, was die Zahl der Analysen zwischen 2012 und 2015, von 158 auf 241 Analysen, steigen liess, sagt Kobel.

Nach 15 Jahren Drug-Checking in der Stadt gibt es aber durchaus Konsumtrends, die sich abzeichnen, resümiert Kobel. Der gefährliche Mischkonsum sei seit 2004 zurückgegangen. Insgesamt seien jene Partydrogen-Konsumenten, die ihr Angebot nutzten, risikobewusster als früher und besser über die illegalen Substanzen informiert, so Kobel. Das zeige die Auswertung der Fragebögen, die bei Beratungsgesprächen ausgefüllt werden. Hauptsächlich würden Männer zwischen 19 und 34 Jahren das Angebot nutzen. Vom Gelegenheitskonsumenten bis zum stark Abhängigen und aus allen sozialen Schichten seien alle Konsummuster vertreten.

Stärkeres Ecstasy

Auch die Qualität der Drogen hat sich verändert. Ein unerklärlicher Trend gibt es derzeit beim MDMA-Gehalt in den Ecstasy-Tabletten. Ende des letzten Jahrzehnts nahm der Gehalt stark ab, die Pillen wurden mit anderen Stoffen gestreckt. Nun sind wieder vermehrt hoch dosierte Pillen auf dem Markt. Der höchste gemessene Wert sei 300 Milligramm gewesen, die maximal verträgliche Dosis für einen 200 Kilogramm schweren Mann. «Eine solche Dosis kann schwere Nebenwirkungen haben wie Leberschäden oder Kreislaufkollaps», sagt Kobel. Einen Grund für den höheren MDMA-Gehalt im Ecstasy kennt er nicht: «Dass die Pillen rein sind, ist zwar grundsätzlich gut, die Konsumenten sehen aber nicht, wie viel Wirkstoff enthalten ist, was wiederum gefährlich ist.»

Beim Kokain, der meistgetesteten Droge, stellt die Beratungsstelle hingegen eine starke Zunahme von bis zu sechs verschiedenen psychoaktiven Streckmitteln fest, die zusätzliche Gesundheitsrisiken mit sich bringen. Und auch LSD-Filze sind vermehrt mit anderen psychoaktiven Substanzen verunreinigt.

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