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Steine gegen Journalisten

Zürcher Hooligans haben die rote Linie überschritten.

Die Polizei griff nicht ein: FCZ- prügeln GC-Anhänger nieder. Video: Stadtpolizei Zürich

Unter dem Titel «Gefährliche Spiele» publizierte der TA am Dienstag einen viel beachteten Artikel über Fangewalt in Zürich, genauer gesagt über die teils erschreckenden Übergriffe von FCZ-Fans auf GC-Fans. Da werden junge Leute von anderen jungen Leuten, meist Männern oder grossen Buben, getreten, geschlagen und bestohlen. Alles im Namen des Fussballs und manchmal gar unter den Augen der Polizei, die nicht alles verhindern kann und selbst massiver Gewalt ausgesetzt ist.

Derby im Letzigrund: Im Juli präsentiert die FCZ-Südkurve Dutzende geklauter GC-Fanschals und verbrennt eine Flagge der Grasshoppers. Foto: Reto Oeschger
Derby im Letzigrund: Im Juli präsentiert die FCZ-Südkurve Dutzende geklauter GC-Fanschals und verbrennt eine Flagge der Grasshoppers. Foto: Reto Oeschger

Viele der Gepeinigten wagen es nicht, angemessen zu reagieren, sondern verzichten aus Angst auf eine Anzeige. Und wenn doch einer angezeigt wird, nützt es oft nicht viel, denn die potenziellen Zeugen schweigen. Aus falsch verstandener Solidarität oder aus Furcht vor angedrohter Gewalt.

Jetzt gehen die Hooligans noch einen Schritt weiter. Sie bedrohen nicht nur ihre sogenannten Feinde, die Fans anderer Clubs, sondern auch die Journalistin, die den Text verfasst hat. Es ist nicht das erste Mal, dass sie über das Thema berichtete. Und es ist nicht das erste Mal, dass sie unter Druck gesetzt wird. Letzten Winter begnügten sich mutmassliche FCZ-Fans noch mit Sprayereien auf der Hauswand gegenüber ihrer Wohnung. Doch diesmal schmissen sie bei ihr um 1.30 Uhr nachts die Scheibe ein.

Steine gegen unliebsame Journalistinnen, das geht über den Dummejungenstreich hinaus.

Damit haben die Täter eine rote Linie überschritten. Das Ziel der Aktion ist klar. Nachdem man die Gegner, die Kritiker in den eigenen Reihen und teilweise gar die Polizei eingeschüchtert hat, will man jetzt die Presse mundtot machen. Bei uns wird das nicht fruchten, wir werden weiter berichten, was uns nach journalistischen Grundsätzen wichtig scheint. Das sind wir unseren Leserinnen und Lesern schuldig – und das ist unsere Aufgabe als vierte Staatsgewalt.

Dass gewalttätig gegen Anders­denkende vorgegangen wird, kennt man bei uns bisher vor allem von der extremen Rechten. Sie verhöhnt die Medien gerne als Lügenpresse. Im Fussball bildeten sie Fangruppen, die sich durch rassistische Sprüche gegen schwarze Spieler hervortun. Die FCZ-Fans bezeichnen sich selber als Linke. In den Reihen der FCZ-Südkurve hat sich offenbar eine Gruppe der Gewaltsuchenden verselbstständigt, die sich Ultras nennt. Nicht nur beim Zürcher Stadtclub gibt es die, auch beim FC Basel und beim FC Winterthur. Aus ihren Reihen kam auch der Politikersohn, der kürzlich Regierungsrat Mario Fehr angeblich aus politischen Gründen sein Bier über den Kopf leerte.

Es ist an der Zeit, das Phänomen ernst zu nehmen. Bis jetzt heisst es, «wenn sich die kloppen wollen, sollen sie doch». Steine gegen unliebsame Journalistinnen, das geht über den Dummejungenstreich hinaus, das ist Gewalt und Einschüchterung. Die Polizei braucht endlich motivierte Truppen sowie die nötige politische Rückendeckung von links und rechts, um mit der Fangewalt aufzuräumen.

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