Stimmvolk entscheidet über 900 Wohnungen

Der Gemeinderat dürfte der Überbauung an der Thurgauerstrasse zustimmen. Doch es wird ein Referendum geben.

Das Schrebergartenareal an der Thurgauerstrasse. Foto: Urs Jaudas

Das Schrebergartenareal an der Thurgauerstrasse. Foto: Urs Jaudas

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700 gemeinnützige Wohnungen, 200 Alterswohnungen und 15'000 Quadratmeter preisgünstiger Gewerberaum sollen in fünf Hochhäusern und vielen weiteren Gebäuden an der Thurgauerstrasse zwischen dem Hallenstadion und dem Glattpark entstehen – auf dem Gelände, auf dem Hobbygärtner Salate, Gemüse und Blumen ziehen. In einer chaotischen Sitzungen hatte der Gemeinderat den Gestaltungsplan dazu im vergangenen Juli zur Überraschung aller an die Kommission zurückgewiesen. AL, SVP und die Grünen hatten gar eine Rückweisung an den Stadtrat gefordert.

Ein halbes Jahr und ein paar Kommissionssitzungen später hat der Gemeinderat wieder darüber beraten – die Kommission hat nur wenige Änderungen zu Fassadenbegrünung und Parkplätzen einfliessen lassen.

Das Parlament entschied nach stundenlanger Debatte noch nicht abschliessend über den Gestaltungsplan. Die Schlussabstimmung findet in ein paar Wochen statt. Zuerst bearbeitet die Redaktionskommission die Weisung und nimmt dabei kleine sprachliche Veränderungen vor. Dass das Parlament dann den Entscheid nochmals umstösst, ist praktisch ausgeschlossen.

Referendum angekündigt

Schon jetzt ist allerdings klar, dass Anwohner, die sich in der IG Grubenacker zusammengeschlossen haben, danach das Referendum ergreifen. Co-Präsident Christian Häberli betrachtet den Entscheid dazu nur noch als formellen Akt. AL und Grüne kündigten gestern im Gemeinderat an, das Referendum zu unterstützen. Die Abstimmung würde wohl im September oder November stattfinden. Im März 2021 kommt es zudem zu einer weiteren Abstimmung im Zusammenhang mit dem Areal. Dann geht es um den Baukredit für das Schulhaus und den Park.

Zum Gestaltungsplan sagt Häberli: «Wir sind nicht gegen Verdichtung auf dem Areal, wir sind aber gegen die Verdichtung, wie sie die Stadt vorsieht.» Im Konzept Wohnhöfe Grubenacker zeige die IG auf, dass mit anderer Bauweise gleich viele Wohnungen erstellt werden könnten.

Die AL, die Grünen und die SVP sprachen sich gestern wieder gegen den Gestaltungsplan aus. Sie forderten eine Rückweisung an den Stadtrat, konnten aber gegen die Übermacht aus SP, FDP und GLP nichts ausrichten und unterlagen in der Abstimmung mit 46 zu 74 Stimmen.

In ihrem Rückweisungsantrag forderte Andrea Leitner (AL) eine neue Planung, die nicht nur das Areal des heutigen Gestaltungsplans umfasst, sondern das Gebiet von der Thurgauerstrasse bis hin zu den Gleisen. Dabei seien Wohnbaugenossenschaften als Bauträger und die Grubenacker-Nachbarschaft miteinzubeziehen. Das vorliegende Projekt sei eine Anhäufung von verpassten Chancen und mit all den Reparatur-Anträgen und -Vorstössen nicht zu retten. «Es ist unnötig, in Panik auszubrechen, wir können uns Zeit nehmen.»

Brigitte Fürer von den Grünen ergänzte, die Vielzahl der Vorstösse zeige, dass das Vertrauen in den Gestaltungsplan nicht sehr gross sei oder gar ganz fehle. Referendum und Einsprachen würden das heutige Projekt so oder so verzögern. Thomas Schwendener von der SVP verband das Bauprojekt mit der Zuwanderung.

140 Grundbesitzer

Die Befürworter des Gestaltungsplans sagten dagegen eine Verzögerung von mehreren Jahren bei einer Rückweisung voraus. Florian Blättler (SP) erklärte beispielsweise, die Stadt müsste sich mit den rund 140 Grundbesitzern an den Tisch setzen, wenn der Planungsperimeter auf das Grubenacker-Quartier mit seinen vielen Einfamilienhäusern ausgeweitet würde. «Alle müssten bei einer solchen Planung einverstanden sein.» Und sein Parteikollege Patrick Hadi Huber sagte, es gebe Anwohner, die gar keine Änderung auf dem Areal wollten und jedes Projekt bekämpfen würden.

Christian Monn meinte, die GLP wolle die aktuell verdichtete urbane Entwicklungsdynamik nutzen, um Zürich vielfältiger und zugleich lebenswerter zu gestalten. Und Andri Silberschmidt sagte, die FDP fordere städtebauliche Verdichtung und höchste Standards in Sachen Nachhaltigkeit ein – wie das beim Gestaltungsplan der Fall sei.

Stadtrat André Odermatt (SP) meinte, die Ausarbeitung des Gestaltungsplans sei «state of the art» gewesen. Es handle sich um eine qualitätsvolle Entwicklung des Gebiets, er rief dazu auf, die Chance zu nutzen.

Erstellt: 29.01.2020, 22:55 Uhr

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