«Das kommune Ruchbrot wird unterschätzt»

Jens Jung, Gründer von John Baker, über den süssen Geruch seiner Kindheit. Und über Prolos auf dem Zürichsee.

Der Zürcher steht zwar nicht in der Backstube, findet aber die Stadt morgens vor 6 Uhr am schönsten: Jens Jung im Botanischen Garten.

Der Zürcher steht zwar nicht in der Backstube, findet aber die Stadt morgens vor 6 Uhr am schönsten: Jens Jung im Botanischen Garten. Bild: Andrea Zahler

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Jede Woche beantworten Personen, die Zürich prägen, unseren Fragebogen und verraten uns, was die Stadt für sie ausmacht. Heute: John-Baker-Gründer und Unternehmer Jens Jung.

Zu welcher Uhrzeit ist Zürich am schönsten?
Morgens bis 6 Uhr: Frisch, wenig Leute, wenig Verkehr und spezielles Licht.

Wo treffen Sie Freunde am liebsten?
In unserem Garten zu Hause in der Enge, in der Badi oder im Restaurant Gamper.

Welche Ecke Zürichs ist überbewertet?
Die Bahnhofstrasse, weil sie voller Konsumjunkies ist, und die Autobahnzubringer, weil sie zu viele Autos in die Stadt pumpen.

Finden Sie den Zürichsee auch doof?
Ja klar, alle diese Prolos mit ihren 500-PS-Booten, getarnt in Design und Teakholz.

Funktioniert Zürich auch ohne Geld?
Mit etwas Muskelkraft und Kreativität, ja klar.

Welches ist Ihr Lieblingsgebäck?
Das Weissbrot von John Baker: perfekt ausbalanciert, etwas auf der süsslichen Seite, ernährungstechnisch top.

Welches Brot ist unterschätzt?
Das ganz kommune Ruchbrot. Das Problem ist, dass es oft nicht mit Liebe gebacken wird, sondern einfach ein Massenprodukt ist.

Sie können Ihr ganzes Leben nur noch in einer Zürcher Beiz essen: In welche gehen Sie?
Ins Gamper im Kreis 4.

Auf welcher Wiese schauen Sie gerne in den Himmel?
Im Rieterpark bin ich am liebsten. An der höchsten Stelle hat man einen atemberaubenden Ausblick.

Mein perfekter Abend

Apéro
– Champagner in der Bar Raymond, 14 Franken
– Oder: Naturwein in der Metzg, 6 Franken

Nachtessen
– 5-Gang-Menü im Restaurant Gamper, 80 Franken
– Oder: Misosuppe im Ikoo, 25 Franken

Drinks
– Wermuth in der Gamper Bar, 15 Franken

Ausgang
– Nirgends; ab nach Hause zu den Kindern, gratis

Ausgaben total:
46–109 Franken

Welches ist Ihr Züri-Soundtrack?
Aktuell wegen meiner Kinder Lieder von den Schlieremer Chind, zum Beispiel «De Leu» oder «S Krokodil».

Vor welcher Kulisse können Sie nicht widerstehen, ein Selfie zu machen?
Ich mache keine Selfies.

Welches Hintergrundbild ist auf Ihrem Smartphone zu sehen?
Meine Familie, weil ich sie liebe.

Auf welchen Luxus wollen Sie nicht verzichten?
Die Zeit mit meiner Familie in der Natur. Das gibt mir viel Kraft.

Wer oder was ist die Liebe Ihres Lebens?
Meine Frau. Oder John Baker.

Welches ist der Geruch Ihrer Kindheit?
Schoggi. Mein Vater ist Konditor mit Herzblut.

Mit welchem Zürcher würden Sie gerne eine Nacht verbringen?
Mit meinem guten Freund Yves Spink. Aber feiern würde ich nicht mit ihm, da kann ich nicht mithalten.

Welche Hoffnung haben Sie aufgegeben?
Dass alle einen guten Menschenverstand haben und Rücksicht nehmen. Dass meine Kinder weniger aufs Handy schauen. Dass Velofahren in Zürich sicher wird.

Wann haben Sie das letzte Mal geweint?
In den ersten Monaten nach der Geburt unserer Tochter. Ich war überwältigt und überfordert.

Wo findet einen in Zürich das Glück?
In den Morgenstunden an einem Ort mit Aussicht.

Wie kriege ich ein perfektes Brot gebacken? Im Gusseisentopf und mit der Non-Knead-Methode.


2013 gründete der heute 48-jährige Zürcher Jens Jung mit drei Partnern die Bäckerei John Baker, die auf regionale und Bio-Produkte setzt. Die Backstube, in der Jens Jung als CEO von John Baker nicht selber steht, war ihm dennoch nicht fremd. Sein Vater Bernd Jung hat Ende der Siebzigerjahre die Bäckerei Jung gegründet, die Jung junior 2017 übernahm. Jung lebt mit seiner Familie im Kreis 2.

Erstellt: 03.11.2019, 17:53 Uhr

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