Fall Mörgeli: Strafverfolgung scheitert an Aepplis Schweigen

Das Verfahren gegen Sebastian Brändli, Chef des Zürcher Hochschulamtes, wird mangels Beweisen eingestellt.

Die Zürcher SP-Regierungsrätin hört sich im Kantonsrat Ausführungen zu einem Bericht im Fall Mörgeli an, 2014. Bild: Keystone/Steffen Schmidt

Die Zürcher SP-Regierungsrätin hört sich im Kantonsrat Ausführungen zu einem Bericht im Fall Mörgeli an, 2014. Bild: Keystone/Steffen Schmidt

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Sebastian Brändli kann im Fall Mörgeli aufatmen. Gegen den Chef des Zürcher Hochschulamts und seinerzeit engsten Mitarbeiter der ehemaligen Bildungs­direktorin Regine Aeppli (SP) hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt. Dies schreibt die «Sonntags­Zeitung» in ihrer gestrigen Ausgabe.

Verfahren eingestellt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht weiter gegen Sebastian Brändli. Bild: Keystone/Steffen Schmidt

Staatsanwalt Andrej Gnehm leitete das Verfahren ein, nachdem die Universität Zürich im September 2012 Anzeige gegen unbekannt wegen mehrfacher Amtsgeheimnisverletzung eingereicht hatte. Gnehm verdächtigte Brändli, einem Journalisten des «Sonntags» Chris­toph Mörgelis (SVP) Entlassung als Museumskurator des Medizinhistorischen Museums mitgeteilt zu haben, was Brändli allerdings stets bestritt. Laut «SonntagsZeitung» begründet Gnehm in der Einstellungsverfügung vom 17. Juli, dass für eine Fortsetzung des Verfahrens gegen Brändli die Beweise fehlten. Ebenso gut könne das Informationsleck innerhalb der Führung der Bildungsdirektion vermutet werden. Im Klartext: Er verdächtigt auch die damalige Chefin Regine Aeppli persönlich.

Dem Staatsanwalt sind allerdings die Hände gebunden. Und zwar aus drei Gründen: Erstens stritt Aeppli den Vorwurf stets vehement ab, zweitens billigte ihr das Kantonsparlament Immunität zu, und drittens hat sie in der Einvernahme auf Andrej Gnehms Fragen konsequent geschwiegen.

«Ungeheuerlicher Sozi-Sumpf»

Gestern meldete sich Christoph Mörgeli mit einer mehrseitigen schriftlichen Stellungnahme zu Wort. Er hält an seinen bisherigen Aussagen fest. «Die neuesten Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft lassen tief blicken in den ungeheuerlichen Sozi-Sumpf der Zürcher Bildungsdirektion», schreibt der SVP-Nationalrat. Aeppli habe dem damaligen Unirektor Andreas Fischer «schreiend» seine fristlose Kündigung befohlen. «Überdies informierte Aeppli noch vor der Rückkehr des Rektors aus den Ferien die Sonntagspresse, dass mir fristlos gekündigt wurde», so Mörgeli.

Für ihn sei klar, dass seine Entlassung die Folge eines politischen Komplotts zwischen Institutschef Flurin Condrau, Sebastian Brändli und Regine Aeppli über die zuständige Universitätsleitung hinweg war. «Dass Aeppli und Brändli durch Aussageverweigerung die Aufklärung der Staatsanwaltschaft systematisch hintertreiben und sich gegenseitig decken, ist ein Skandal», schreibt Mörgeli.

Ausserdem geht aus den Unterlagen hervor, dass Regine Aeppli mit Lorenz Erni einen Topanwalt engagiert hat. Zu Ernis Kunden zählen Sepp Blatter, Roman Polanski und Viktor Vekselberg. Sein Stundenansatz dürfte ein höherer dreistelliger Betrag sein, vermutet die «SonntagsZeitung». Diese Kosten muss der Steuerzahler übernehmen, zitiert die Zeitung Yvonne Leibundgut von der Zürcher Bildungsdirektion.

Erstellt: 24.08.2015, 08:04 Uhr

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