Dieser Kreisel ist illegal

Der Kanton hat Kloten aufgefordert, das Logo des lokalen Eishockeyklubs zu entfernen. Der Stadtpräsident wehrt sich, die Bevölkerung versteht die Welt nicht mehr.

Ist das nun Werbung oder nicht? Darüber streitet die Stadt Kloten mit dem Kanton.

Ist das nun Werbung oder nicht? Darüber streitet die Stadt Kloten mit dem Kanton. Bild: Reto Oeschger

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Dass Kreiselkunst illegal sein kann, zeigt aktuell ein riesiger, aus 7700 Pucks gefertigter Puck, verziert mit dem Logo des EHC Kloten. 2014 zum 80-Jahr-Jubiläum des Vereins errichtet und von Hunderten Fans bezahlt, wurde dieses Monument des Stolzes in diesem Jahr zum Zankapfel. Die Baudirektion des Kantons befand: illegal, da der EHC Kloten ein gewinnorientierter Betrieb sei. Er liess den Vertrag für dieses in der Flughafenstadt bedeutende Kreiselkunstwerk auf Ende September auslaufen.

Seit die Tage des Riesenpucks gezählt sind, hat René Huber (SVP), der Stadtpräsident, mehr zu tun als gewöhnlich. Täglich schlage er sich mit Mails, Telefonaten und Briefen aus der Bevölkerung herum, sagt er am Telefon. «Es ist für die Klotener eine sehr emotionale Angelegenheit.» Der Tenor ist einhellig: ein Skandal, eine Zumutung, ein grosser Verlust für die Flughafenstadt, die stolz ist auf diesen Eishockeyverein. Dabei spielt es keine Rolle, dass der EHC derzeit in der zweiten Liga spielt.

Die Politik mischt sich ein

Die Emotionen schwappten im vergangenen Frühling auch in die Klotener Politik über. In einem Postulat hat der SVP-Gemeinderat Rico Käser den Stadtrat dazu aufgefordert, alles zu unternehmen, um den Puck im Kreisel zu belassen. Der Stadtrat gab bekannt, diesem Anliegen Rechnung zu tragen.

Das sieht heute, am zweiten Tag nach der abgelaufenen Frist, so aus: Der Puck bleibt zunächst dort, wo er war. Huber versucht daneben wie bis anhin, die Baudirektion davon zu überzeugen, dass das Logo eines Eishockeyvereins keine Werbung ist. Er sieht im Logo in erster Linie eine über Jahrzehnte gewachsene, tief in der Unterländer Gemeinde verwurzelte Tradition. Um das zu verdeutlichen, streicht er das Engagement des Vereins heraus, das nicht zuletzt in der Nachwuchsförderung bestehe. «Der Verein tut sehr viel für die Region», sagt der Stadtpräsident.

Ein wirkliches Entgegenkommen seitens des Kantons ist derzeit nicht zu erwarten. Der Sprecher der kantonalen Baudirektion, Thomas Maag, erklärt, dass der Kanton der Stadt Kloten von nun an zwar eine letzte Frist gewähren werde. Ein Papier dazu ist aktuell in Bearbeitung. Es werde sich dabei aber weder um Monate und schon gar nicht um Jahre handeln, sondern höchstens um Wochen. Als Alternative schlug der Kanton Kloten ausserdem vor, das Logo auf dem Puck zu entfernen und etwa durch das Bild eines Eishockeyspielers zu ersetzen. Keine befriedigende Lösung für Huber und die Bevölkerung.

Und dann noch die VBG

Die Diskussion befeuert hat zusätzlich der Umstand, dass die Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) zu ihrem 25. Jahrestag ebenfalls einen Klotener Kreisel in direkter Nachbarschaft schmücken werden. Mit den drei grossen gläsernen Buchstaben V, B und G. Der Kanton hat diese Pläne mit der Erklärung gutgeheissen, dass er darin keine kommerzielle Absichten erkennen könne. Stadtpräsident Huber war in der Planung des VBG-Kreisels ebenfalls involviert.

Das alles lässt die Stadtbevölkerung nun ratlos zurück. Warum der eine darf, wenn es dem anderen verboten ist, will ihnen nicht in den Kopf. Ebenso sauer stösst ihnen auf, dass in einem anderen Klotener Kreisel eine Heckflosse eines Flugzeugs der Swiss thront. Auch darin sieht das Tiefbauamt keine Werbung, sondern ein Symbol für den nationalen, in Kloten beheimateten Flughafen.

Erstellt: 01.10.2019, 15:34 Uhr

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