Streit um Holzschlag am Uetliberg: Stadt kontert neues Gutachten

Plötzlich mischt sich auch die Stiftung des national bekannten Naturschützers Franz Weber in den Streit ein. Nun hat die Stadt darauf reagiert.

Es wird abgeholzt: Christine Bräm, Direktorin von Grün Stadt Zürich, erklärt den Holzschlag auf dem Uetliberg. Video: Tamedia/lop

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Jetzt ist die Stadt wieder an der Reihe im Hin und Her um den Holzschlag am Uetliberg. Der Verein Pro Uetliberg, die Grünen und dann plötzlich auch noch die Stiftung von Umweltschützer Franz Weber, national bekannt seit der Lancierung der Zweitwohnungsinitiative, gerieten wegen der Fällung von 2100 Bäumen am Uetliberg in helle Aufregung. Ein Gutachten, das die Stiftung von Weber bei ETH-Forstingenieur Richard Stocker in Auftrag gegeben hat, bezeichnet den Holzschlag als «nicht zielführend». Grün Stadt Zürich hat nun am Montagabend eine Antwort zum Gutachten der Fondation Franz Weber aufgeschaltet. Darin kontert sie dessen Kritik Punkt für Punkt und korrigiere «fehlerhafte Aussagen».

Als «an den Haaren herbeigezogen» bezeichnete der Autor des Gutachtens das Argument, dass der Eingriff nötig sei, um das Friesenbergquartier vor Schlammlawinen zu schützen. Die Stadt hingegen schreibt: «Es fanden in den letzten 40 Jahren bei Starkniederschlägen verschiedene Verklausungen mit anschliessenden Überschwemmungen von Verkehrswegen und Liegenschaften statt. Weiter kritisiert wird schliesslich, dass rund die Hälfte der zu fällenden Bäume nur für die Entnahme und den Transport der anderen Bäume mit Seilkran und Holzerntemaschine weichen solle. Die Stadt verteidigt sich auch gegen diesen Vorwurf. Nur 200 Bäume, also rund 10 Prozent des gesamten Holzschlags, würden für die Korridore der Seilbahnen gefällt. Die Stadt bleibt dabei: Die Aktion sei politisch legitimiert und wissenschaftlich begründet.

Leupi Mitglied von Pro Uetliberg

Trotz der Einwände von Grün Stadt Zürich: Die Stadtzürcher Grünen sehen sich durch das Fachgutachten der Franz-Weber-Stiftung bestätigt: Der Holzschlag am Uetliberg sei masslos, unökonomisch und unsachlich. Nach der Publikation des Gutachtens letzte Woche haben die Grünen den Stadtrat erneut aufgefordert, die Aktion abzubrechen – ein Aufruf auch an die beiden eigenen Vertreter im neunköpfigen Gremium: Daniel Leupi und Karin Rykart.

Holzschlag im Gang: Am Wochenende legte sich erstmals eine feine Schneeschicht über die Maschinen. Bild: Rolf Kuhn

Wie die beiden Magistraten der Grünen den Fall beurteilen, ist nicht klar. «Als Stadtrat bin ich für das Finanzdepartement zuständig und äussere mich grundsätzlich nicht zu den Geschäften anderer Departemente», sagt Leupi, der pikanterweise auch Mitglied von Pro Uetliberg ist – also jenes Vereins, der den Holzschlag mit einer Aufsichtsbeschwerde verhindern möchte, bislang erfolglos. Auch Rykart lässt die Öffentlichkeit im Dunkeln über ihre Haltung. Über ihren Sprecher Robert Soos lässt sie ausrichten, sie sei Vorsteherin des Sicherheitsdepartements und äussere sich demnach nicht öffentlich zum Holzschlag.

Dass sich die beiden Magistraten bedeckt halten, erstaunt Felix Moser nicht. Aufgrund des Kollegialitätsprinzips habe er nichts anderes erwartet, so der Präsident der Stadtzürcher Grünen. Enttäuscht zeigt sich Moser dagegen von AL-Stadtrat Richard Wolff. «Er lässt die Fällaktion anscheinend einfach weiterlaufen und schafft Tatsachen. Ich hätte von ihm erwartet, dass er sich für eine nachhaltige Forstwirtschaft gerade auch am Uetliberg einsetzt.» Das Gutachten der Franz-Weber-Stiftung zeige aber deutlich, dass es neben der Sichtweise von Grün Stadt Zürich noch andere Meinungen von Fachpersonen gebe. (sth/sip)

Erstellt: 30.10.2018, 10:00 Uhr

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