Die Sturheit bedroht eine fällige Zürcher Stadtreparatur

Das Projekt Rosengarten hat einen schwierigen Stand. Trotzdem könnte sich die Stadtregierung verrechnen.

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Die Rosengartenstrasse ist eine Hauptschlagader des Zürcher Strassenverkehrs – freilich eine, die nicht als solche taugt: Die täglich 56'000 Autos rollen mitten durch ein Stadtquartier. Das ist unzumutbar für die Anwohnerinnen und Anwohner und für das Quartier insgesamt. Es braucht hier eine Stadtreparatur – sie ist so nötig wie jene in Schwamendingen. Es ist daher richtig, dass der Kantonsrat sich für diese Reparatur ausgesprochen hat – nämlich für das Projekt Rosengarten, bestehend aus Strassentunnel, Tramlinie und oberirdischer Verkehrsberuhigung. Das Projekt ist eine Co-Produktion von bürgerlicher Kantons- und rot-grüner Stadtregierung. Kostenpunkt: 1,1 Milliarden Franken.

Indes, ein Verkehrsprojekt, das monumental viel kostet, von dem jedoch nur relativ wenige profitieren, in diesem Fall die Bewohner von Wipkingen – und das aller Voraussicht nach eine Volksabstimmung bestehen muss: Das hat eine schwierige Ausgangslage.

Daran hat auch die gestrige Kantonsratsdebatte nichts geändert. Einerseits, weil die bürgerliche Ratsmehrheit stur alle Anträge von Links abschmetterte – ausgerechnet am Tag nach dem Wassergesetz-Fiasko, das die Bürgerlichen nur deshalb erlitten hatten, weil sie rücksichts- und masslos ihre Interessen durchzusetzen versuchten. Andererseits aber auch, weil die Ratslinke ebenso stur an ihrem Rosengarten-Njet festhält – und das nicht nur, weil Rechts kein Schrittchen entgegengekommen ist. Es ist hier vor allem der Autotunnel, der missfällt. Ausserdem sei mit einem Plus an Lebensqualität ein Mehr an Gentrifizierung verbunden, erklärte ein Sprecher. Das heisst in der Logik von Links-Grün: dann lieber für weitere Jahrzehnte den unzumutbaren Status quo.

Gut möglich, dass das Rosengarten-Projekt an der Allianz von linken Autogegnern und rechten Spardogmatikern scheitern wird. Denkbar ist aber auch, dass Links-Grün falsch spekuliert: Der Gegenvorschlag zur bürgerlichen Anti-Stau-Initiative erzielte im Herbst 2017 in der Stadt Zürich ein erstaunlich gutes Ergebnis. Offenbar gibt es in der treu rot-grünen städtischen Wählerschaft nicht wenige, die nicht mehr ganz so treu sind, wenn es ums Auto geht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2019, 21:47 Uhr

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