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Sürpriisli of the Fittest

Der Social Muscle Club macht im Schiffbau halt. Nach Atlanta, Chicago, Nancy, Berlin oder Kapstadt bringen Basler die Zettelwirtschaft für sozial Fortgeschrittene nach Zürich.

Nicola Brusa
Sozial Muskeln trainieren, wie hier Arnold Schwarzenegger 1977 am Muscle Beach in L.A., ist nicht dasselbe wie den sozialen Muskel trainieren.
Sozial Muskeln trainieren, wie hier Arnold Schwarzenegger 1977 am Muscle Beach in L.A., ist nicht dasselbe wie den sozialen Muskel trainieren.
Michael Ochs Archive, Getty

«Doch de König vo dä Tier isch weder Steibock, Bär no Stier, de Loi, de lacht über d Provinzglöön. Mir sind Zürcher, asoziali Zürcher, schlafed under Brugge oder i de Bahnhofsmission.»

Diese Songzeilen stammen von Schoedo. «Asoziali Zürcher» heisst der Song, darin malt Schoedo ein Sittenbild unserer Stadt, bringt Wesen und Haltung des Durchschnittszürchers aufwenige Zeilen. Trotzdem – oder gerade deshalb? – macht morgen und am Samstag der Social Muscle Club in der Stadt halt. Sozial im Titel? Was wollen die hier? Was wollen die von uns? Brauchen wir das?

Die Fragen sind schwierig zu beantworten. Im Vergleich zu dieser hier aber sind sie saubanal: Was ist ein oder der Social Muscle Club? «Sauschwiirig» zu beantworten, sagt sogar der verantwortliche Basler am Telefon. «Unvergässlig», sagt er auch noch, Benedikt Wyss. Er ist von Beruf Kurator und als solcher hat er den Social Muscle Club in die Schweiz gebracht. Entdeckt hat er ihn in Berlin, über die Jahre verfeinerten er und sein Team das Konzept, tingelten damit durch die Welt. Nun, nach Atlanta, Chicago oder Johannesburg, nach Bristol, München oder Wien scheint ihnen die Sache offenbar ausgereift genug für Zürich, um die asozialen Zürcher sozial fit zu machen, um mit ihnen den sozialen Muskel zu trainieren.

Die Sache, das ist ein bisschen Tafelrunde, ein bisschen Fest, ein bisschen Unterhaltungsprogramm, ein bisschen Performance. Dass es sich beim Social Muscle Club um etwas Kulturelles handelt, beweist der Veranstaltungsort: Schiffbau.

Die Dynamik des Geschäfts

Zentral im Club sind 23 Tische, an denen je zehn Personen sitzen. Neun davon sind Gäste, eine ist Chef: Sie moderiert die Tafel durch den Abend. Zu Beginn legen alle je zwei Zettel in den Topf in der Mitte. Auf den einen schreiben sie einen Wunsch für sich, auf den anderen ein Geschenk für jemand anderen. Dann zieht der Chef einen Zettel nach dem anderen, das Geschenk oder der Wunsch wird verhandelt.

Etwas vom schwierigsten sei es, ein Geschenk unerwidert zu lassen, sagt Benedikt Wyss. Das habe bisher an vielen Tafeln zu Diskussionen geführt, «erst wenn das geklärt ist, nimmt die Sache Fahrt auf». Aus dieser einfachen Idee entstehe eine gewaltige Dynamik. Mit der Kraft, ganze Abende entarten zu lassen. Natürlich hilft ein Rahmenprogramm aus Essen, Trinken und verschiedenen Darbietungen, turbulent sei es noch immer geworden, sagt Wyss.

Was schenken, was wünschen? Das Bellevue hat eine virtuelle Tafelrunde gefragt. Sie zeigt, dass es sich lohnt, am Social Muscle Club teilzunehmen:

Wunsch: Ein grösseres Herz Geschenk: In Not und Trubel einen Sofa-Not-Schlafplatz Barbara (54), Theaterschaffende

Wunsch: Eine Velostadt Zürich Geschenk: Live-Stummfilm-Vertonung Matthias (38), Musiker

Wunsch: Ein Haus in Griechenland, um mit der Familie Ferien zu verbringen Geschenk: Ein Porträt-Shooting nach Wunsch, gerne etwas Ausgefallenes Basil (42), Fotograf

Wunsch: Stille im Kopf Geschenk: Selbst gestrickte Handschuhe Sabine (41), Ex-Journalistin

Social Muscle Club, Fr und Sa, 19 Uhr, Schiffbau. schauspielhaus.ch

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