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SVP und FDP drohen dem Schauspielhaus

Das Schauspielhaus erhält 35 Millionen Franken pro Jahr vom Staat – und macht jetzt Stimmung gegen McDonald's.

So könnte es aussehen: Fotomontage der geplanten McDonalds-Filiale beim Schauspielhaus.
So könnte es aussehen: Fotomontage der geplanten McDonalds-Filiale beim Schauspielhaus.
TA-Grafik mec

Seit anderthalb Monaten sammelt das Zürcher Schauspielhaus Unterschriften gegen die geplante McDonald’s-Filiale am Heimplatz. Wie viele Personen die Petition unterstützen, will das Theater erst im März bekannt geben. «Das Interesse ist gross», sagt Sprecherin Kathrin Gartmann bloss. Auf dem Papier, das in den Foyers von Schiffbau und Pfauen aufliegt, heisst es: «Dass unter dem Dach dieses traditionsreichen Theaterbaus eine Fast-Food-Filiale Einzug halten soll, finden wir falsch.»

Die Kampagne gegen McDonald’s kommt bei bürgerlichen Politikern gar nicht gut an. «Das liegt nicht drin», sagt Mauro Tuena, Fraktionschef der SVP im Stadtparlament. McDonald’s bezahle in Zürich Steuern, wovon auch das Schauspielhaus profitiere. Jährlich bezieht das Theater rund 35 Millionen Franken Subventionen. Zusätzlich überweist das Präsidialdepartement 3,5 Millionen Franken Miete an die Immobilien-Bewirtschaftung, welche die städtischen Liegenschaften verwaltet.

Mauro Tuena findet es störend, dass ein Institut, welches von der öffentlichen Hand profitiere, nun Stimmung gegen ein Privatunternehmen mache. Man werde Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bei den nächsten Gesprächen über die Leistungsvereinbarung kritische Fragen stellen und gegebenenfalls beantragen, die Subventionen ans Schauspielhaus zu kürzen. «Wenn ein Theater genügend Mittel hat, um gegen ein Restaurant vorzugehen, hat es vielleicht einfach zu viel davon.»

«Riecht nach Standesdünkel»

Ähnlich beurteilt der Präsident der Stadtzürcher FDP, Michael Baumer, die Situation. Er habe kein Verständnis für das Vorgehen des Schauspielhauses: «Das riecht nach Standesdünkel.» Eine Institution, die so massiv vom Staat unterstützt werde, müsse der Privatwirtschaft Raum lassen. «Ich bin kein Fan von Strafaktionen», sagt Baumer. Selbstverständlich werde man das Thema jedoch ansprechen.

Gemäss Kathrin Gartmann führt das Schauspielhaus keinen Krieg gegen ein Privatunternehmen. «Wir wollen nur herausfinden, wie unser Publikum zu McDonald’s als Nachbar steht.» Das Bauvorhaben wird derzeit von den Amtsstellen geprüft. Ob und aus welchen Gründen man dagegen allenfalls rekurrieren wird, will Gartmann nicht sagen.

Rechtlich ist das Schauspielhaus als direkt betroffene Partei dazu in der Lage. Ob die Opposition geschickt wäre, ist eine andere Frage. Eine, die der stätische Kulturchef Peter Haerle nicht beantworten mag: «Die Gesetze gelten für alle.» Er sagt nur, dass McDonald’s schon Thema war bei Gesprächen mit dem Schauspielhaus.

Schauspielhaus verweigert Dialog

Um die Wogen zu glätten, bat der Managing Director von McDonald’s Schweiz um einen Termin beim Schauspielhaus, um das Projekt vorzustellen. Doch das Theater war an einem Dialog nicht interessiert, wie Sprecherin Aglaë Strachwitz sagt. Sie vermutet, dass in vielen Köpfen noch ein Bild von McDonald’s aus den 80ern und 90ern herumschwirre. Damals waren sie uniform und auffällig gestaltet.

Seither hat sich der Auftritt geändert, die Filialen fügen sich ins Stadtbild. «Da die Marke bekannt ist, haben wir eine aufdringliche Optik nicht nötig.» Als Beleg dafür nennt Strachwitz den McDonald’s in der Salzburger Getreidegasse, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört und wo sich Wolfgang Amadeus Mozarts Geburtshaus befindet. Probleme soll es dort so wenig geben wie in der Pariser Filiale, die sich direkt beim Louvre befindet.

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