Tafeln wie am Nil – in Zürich

Fool, Koshari, Molokhia: Der Besuch im Pyramids ist wie eine Reise in unbekanntes Gebiet.

Essen ist auch ein Stück Heimat: Ashraf Soliman in seinem Restaurant.

Essen ist auch ein Stück Heimat: Ashraf Soliman in seinem Restaurant. Bild: Sabina Bobst

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Ägypten liegt an der Werdstrasse. Das Land ist in der Dekoversion zu sehen. Beim Eingang stehen zwei Wächterhunde, am Fenster die Sphinx und ein Obelisk, an der Wand hängen unter Glas 2-D-Götter, bunt bemalt auf Papyrus. Orient, so scheint es, ist ohne Ornament nicht zu haben.

Wir sind aber wegen der Küche da. «Guten Abend», sagt Ashraf Soliman, der sein Restaurant Pyramids seit sechs Jahren führt. Ein guter Abend wird es werden. Die Freundlichkeit des Chefs und auch seines Teams begleitet uns auf dieser Reise in das nicht so bekannte Gebiet der ägyptischen Küche.

Die Pyramiden kennen alle. Fool, Koshari, Molokhia aber nicht. Fool ist die Saubohnenpaste mit Olivenöl und Kreuzkümmel. Koshari das Reis-Nudel-Gericht mit Linsen, Kichererben und Tomaten, alles wird hier separat gekocht, was viel Aufwand bedeutet. Molokhia schliesslich heisst die Gemüsepappel, der «ägyptische Spinat» kommt, sämig zubereitet, mit viel Knoblauch auf den Tisch. «Das gibts nur in Ägypten – oder hier», sagt Chefkoch Soliman. Wer neu im Pyramids ist, wird vor dem vielen Knoblauch gewarnt und auch vor der Konsistenz der gekochten Gemüsepappel. Die anderen, die mit dem Land verbunden sind, kommen extra deswegen immer wieder hierher. Essen ist auch ein Stück Heimat.

Eine Entdeckung

Ashraf Soliman kommt aus Asyut, einer kleinen Stadt am Nil in Oberägypten, er hat dann, nach Lehrjahren in Hotels, in El Gouna ein Restaurant geführt. Seit 2004 ist der Koch in der Schweiz, und sein grösster Wunsch war, ein eigenes Lokal zu eröffnen. Zürich hat jetzt seine Rezepte bekommen.

Wir gehen einen eigenen Weg. Zur Vorspeise wählen wir den Mezzeh-Teller, es ist eine schöne Auswahl mit Baba Ganoush, Hummus, Tahina, orientalischem Salat. Dazu wird Fladenbrot serviert. Alles frisch, dezent gewürzt, ein idealer Einstieg auch für Anfänger. Die Falafel sind nicht, wie in Ägypten üblich, aus Saubohnen gemacht, Kichererben sind bekömmlicher. Das fanden auch die Gäste, die die Wahl zwischen den Varianten hatten. Für die Gäste tut Soliman alles, er weiss: Geschmack ist eine Erfahrung für sich. Nur die Spaghetti, die ganz am Anfang auf der Speisekarte waren, die gibt es schon lange nicht mehr. Niemand wollte sie bestellen.

Ägypten auf dem Teller: Die reich gedeckte Tafel mit Tischgrill und Mezzeh. Bild: Sabina Bobst

Gut so. Denn viel besser ist die Tajine mit geschmorten Rindfleischwürfeln an Tomatensauce mit Okragemüse und Knoblauch. Bamiatagen wird dieses Ofengericht auf der Karte genannt. Das Fleisch ist zart, das Gemüse hat den vollen Geschmack – auch weil die Okra, kleines Küchengeheimnis, schon am Vortag gekocht wurde. Und auch die Sambosa-Teigtaschen mit Spinat-Feta-Füllung, die die Begleiterin wählt, sind sehr gut. Vom Mandel-Pistazien-Reis, der als Beilage gereicht wird, schwärmt sie noch heute. Eben eine gute Küche. Ohne Chichi und Gourmet-Ambitionen. Ein Land lernt man am besten über die Hauskost kennen.

Ohne Exotik kommt auch die Getränkekarte aus. Anderenorts gibts ägyptisches Bier. Hier kommt der Pinot gris aus dem zürcherischen Teufen.

1001 Nacht und mehr

An diesem Abend war eine fröhliche Runde zusammen. Eine kleine Gruppe feierte Geburtstag. Der Chef brachte – Überraschung! Wunderkerze ab — das Dessert an den Tisch. Die Musik wurde – yallah, yallah – kurz lauter gedreht, und die Frauen freuten sich sehr und taten, als wären sie in Ägypten. Deko allein macht noch keine herzliche 1001-Nacht-Atmosphäre. Die Menschen sind es.

Einige von Ashraf Solimans Rezepten stammen von seiner Mutter, wie das für die Linsensuppe. Manche halten sie für die beste der Welt. Die Linsensuppe haben wir dann eine Woche später über Mittag probiert, von Montag bis Freitag gibts im Pyramids ein Buffet. Und zum Schluss bekommen wir den berühmten ägyptischen Brotpudding, im Ofen gebacken, aus Weissbrot, Milch, Rahm, Honig, Rosinen, Mandeln und Pistazien. Beim Ausgang passieren wir die Wächterhunde. Sie tragen Christbaumkugeln um den Hals.

Pyramids

– Preis-Leistungs-Verhältnis
Über Mittag kostet das Buffet 21.50 Fr., am Abend sind die Hauptspeisen um 26 Fr. zu haben: Günstiger und auch besser kommt man nicht nach Ägypten.

– Ambiance
Ägypten, wie man es sich vorstellt: Papyrus, Cheops-Pyramide, Sphinx, alles da. Trotzdem eine Zürcher Quartierbeiz.

– Service
Herzlich. Zuvorkommend. Orientalische Gastfreundschaft.

– So kommt man mit dem ÖV hin
Mit dem Tram 14 bis zur Station Werd, dann ein paar Schritte, und schon ist man bei den Pyramiden.

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In dieser wöchentlichen Rubrik lesen Sie unsere Urteile über Restaurants im Grossraum Zürich.

Erstellt: 02.01.2020, 18:57 Uhr

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