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Tausche Steuererklärung gegen Fasnachtsmaske

Die fünf Tauschnetze in der Stadt Zürich haben erstmals einen gemeinsamen Markt veranstaltet.

Zeit wichtiger als Geld: Der Flohmarkt vor dem GZ Wipkingen.
Zeit wichtiger als Geld: Der Flohmarkt vor dem GZ Wipkingen.
Doris Fanconi

Im Gemeinschaftszentrum Wipkingen sah es am Samstag aus wie auf einem Flohmarkt. Vom Kräutersäcklein über Geschirr bis zum Federschmuck gab es alles zu kaufen, was nicht niet- und nagelfest war. Im Unterschied zum üblichen Flohmi musste allerdings nicht mit Geld, sondern es konnte auch mit Zeit bezahlt werden: ein Fruchtsaft für zwölf Minuten.

Zeittausch heisst dieses Verfahren. In Tauschnetzen beziehen und liefern die Mitglieder Leistungen: eine Stunde Babysitting gegen eine Stunde Computersupport. Fünf solcher Tauschnetze gibt es in Zürich, das älteste Netz ist bald 20 Jahre alt, das jüngste erst einige Monate. Um das Tauschen generell und sich selbst als Verein bekannter zu machen, haben die fünf Tauschorganisationen die «IG Zürich tauscht» gegründet. Der Tauschmarkt am Samstag beim Wipkingerpark war der erste gemeinsame Auftritt in der Öffentlichkeit.

Gegen die Vereinzelung

Die fünf Tauschnetze sind: Complino mit Sitz an der Zeughausstrasse 60, Give & Get mit Treffpunkt im Restaurant Karl der Grosse, Lets (Local Exchange Trading System) mit Treffpunkt im Kirchgemeindehaus Hottingen, Talent, die älteste Tauschorganisation in der Schweiz, die nicht mit Stunden, sondern mit der Komplementärwährung Talent rechnet, sowie Tauschen am Fluss mit Treffpunkt im GZ Wipkingen.

Für Ruedi Winkler, ehemaliger SP-Kantonsrat und heutiger Präsident des Vereins Complino, ist Tauschen ein ökologisch sinnvolles Handeln, das dem Wegwerfen vorzuziehen ist. Tauschen fördere Beziehungen und sei so ein Mittel gegen die Vereinzelung und die Anonymität. Auch wegen der demografischen Entwicklung werde tauschen wichtig: Die Menschen werden immer älter und bleiben immer länger zu Hause. Hilfe im Haushalt ist ein typisches Tauschangebot: einkaufen, putzen, kochen oder mit älteren Personen spazieren gehen. Wer das tut, kann sich diese Zeit gutschreiben lassen und später die gleichen Leistungen beziehen.

«Tauschen darf nicht zur Umgehung der Steuern verwendet werden»

Wie Ruedi Winkler weiter ausführte, ist es das nächste Ziel der IG Zürich tauscht, die Websites der fünf Tauschnetze zu verbinden, sodass der Tausch auch über die Vereinsgrenzen hinaus möglich ist. Angebot und Nachfrage sind auf den Websites der Vereine veröffentlicht, wo aber nur die Mitglieder Zugang haben. Was bieten die Vereinsmitglieder an Leistungen an? Zum Beispiel Übersetzungen in vielen Sprachen, Organisieren von Festen, Blumen giessen, Make-up, Modeberatung, Ghostwriting, Steuererklärungen, Tandemfahren, Bewerbungscoaching, Akten ordnen, Fernseher einstellen, Massagen aller Art, ein ausgestopfter Fuchs. Wer meint, er habe weder handwerkliches noch sonst ein Geschick, kann sich als guten Zuhörer oder aktive Gesprächspartnerin anbieten. Wenn das Angebot von jemandem angenommen wird, gilt auch das als Tauschmittel.

Unter den Tauschgesuchen gibt es etwa: Klavier zur Gesangsbegleitung, Hilfe beim schweren Einkauf, Gestaltung Faltprospekt, Estrich isolieren, Töffli flicken, Katze füttern oder orientalischen Tanz. Allerdings müssten wirtschaftliche Dienstleistungen wie Bauarbeiten in der Steuererklärung deklariert werden. Weshalb die IG Zürich tauscht festhält: «Sollte das Tauschen künftig weiter an Bedeutung gewinnen, werden zweifellos gesetzliche Grundlagen geschaffen werden müssen, damit das Tauschen einerseits nicht durch die Besteuerung blockiert wird und anderseits nicht dazu verwendet werden kann, Steuern zu umgehen.»

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