Zum Hauptinhalt springen

Tausende Fäden für ein Millionen-Werk im HB

Im Hauptbahnhof wächst bald ein riesiges Kunstwerk bis unter das Haupthallendach. Es ist eine gehäkelte Skulptur des Brasilianers Ernesto Neto.

Ein Mann und seine Maschen: Ernesto Neto in einem seiner Kunstwerke, das in der Machart jenem im HB gleicht.
Ein Mann und seine Maschen: Ernesto Neto in einem seiner Kunstwerke, das in der Machart jenem im HB gleicht.
Foto: Niels Fabaek

Manchmal funktioniert der Lotteriefonds wie ein Scheinwerfer. «200'000 Franken kommen einem spektakulären Projekt zugute», schreibt der Regierungsrat am Mittwoch in der entsprechenden Mitteilung. Spektakulär, fürwahr: Ende Juni wird «Gaia Mother Tree», ein riesiges Werk des brasilianischen Künstlers Ernesto Neto, in der grossen Halle des Hauptbahnhofs eröffnet. Eine Häkelarbeit von 2000 Quadratmeter Fläche, 1,5 Tonnen schwer, 20 Meter hoch.

Die Fondation Beyeler schreibt von einer gigantischen, durchsichtigen Skulptur. Das 2,7-Millionen-Projekt des Basler Museums wird einen Monat lang am HB stehen. Es ist das grösste Public-Art-Projekt in der Geschichte der Fondation Beyeler.

Die Kunst beginnt bei der Produktion

Die Gestalt des Werkes erinnert an die Form eines riesigen Baumes. In der Visualisierung wächst der Baum organisch hoch Richtung Dach, die Krone breitet sich über die Decke aus, tropfenförmige Früchte hängen an langen Fäden. Gefüllt sind diese mit Gewürzen und getrockneten Blättern. An der Wurzel des Baumes befindet sich ein begehbarer Raum mit kreisförmig angebrachten Sitzgelegenheiten.

Die Zellen verleihen der Skulptur eine pixelige Struktur.

Die Haut des «Gaia Mother Tree» – Gaia steht in der griechischen Mythologie für die personifizierte Erde – ist aus zahllosen verschiedenfarbigen Teilen zusammengesetzt. Neto spricht von Zellen, die der Skulptur eine pixelige Struktur verleihen. Das Material spiele in den Überlegungen des Künstlers eine entscheidende Rolle, schreibt die Fondation Beyeler zum Werk. Ebenso ist die Handarbeit zentral; die Kunst Netos beginnt bereits beim Produktionsprozess.

«Circleprototemple» ist typisch Neto: Organische Formen, begeh- und erlebbar. Das Werk stellte die Hayward Gallery 2010 in London aus.
«Circleprototemple» ist typisch Neto: Organische Formen, begeh- und erlebbar. Das Werk stellte die Hayward Gallery 2010 in London aus.
Leon Neal, AFP
Kunst, die erlebt werden will: «Horizonmembranenave» in der gleichen Londoner Ausstellung.
Kunst, die erlebt werden will: «Horizonmembranenave» in der gleichen Londoner Ausstellung.
Leon Neal, AFP
Dafür wurde Neto zum Ritter geschlagen: «Léviathan Thot» im Pariser Panthéon 2006.
Dafür wurde Neto zum Ritter geschlagen: «Léviathan Thot» im Pariser Panthéon 2006.
Wikipedia
1 / 8

In einem ersten Schritt wurde Baumwollstoff in Streifen geschnitten, diese dann eingefärbt und mit einer Technik zusammengeknüpft, die Neto entwickelte. Dieser «akribische Prozess», der Fingerfertigkeit und Ausdauer erfordere, sei zentral für das Konzept der «lebenden Skulptur». Während der Fertigung wird dem Werk Leben eingehaucht – es soll dann im HB auch belebt werden. Man darf es betreten und berühren. Neto spricht von einem «Ort der Begegnung, der Interaktion und der Meditation».

Der Künstler, ein Ritter

Ernesto Neto wird bei der Eröffnung in Zürich am 29. Juni anwesend sein. Der 54-Jährige gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler Lateinamerikas. Seine Werke waren an der Biennale in Venedig zu sehen, sie sind ebenso Teil der Sammlung des Museum of Modern Art wie auch des Solomon R. Guggenheim Museum in New York, der Londoner Tate oder des Centre Pompidou in Paris. Nach der Ausstellung «Leviathan Thot» 2006 im Panthéon Paris ernannte Frankreich den 54-jährigen Brasilianer zum Ritter des Ordre des Arts et des Lettres.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch