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Teil 25: Die Pizza Pistola

Der Sommerroman im Tages-Anzeiger: Folge 25: Snozzi plant seinen Auftrag, Franco ein Treffen mit Gaetano.

Als der Zug in Zurigo Centrale einfuhr, war Snozzis Laune so dunkel wie der Himmel.
Als der Zug in Zurigo Centrale einfuhr, war Snozzis Laune so dunkel wie der Himmel.
Doris Fanconi

Was bisher geschah: Fabia, Sarah und Franco konnten vor Gaetano flüchten. Fabia radelte zu ihrem Vater, Sarah und Franco verbrachten eine romantische Nacht am See.

Das Bett war eng, das Abteil klein, und Snozzi hatte schlecht geschlafen. Weit und breit gab es keinen anständigen Caffè, und nirgends konnte er eine rauchen. Seine Haare liessen sich kaum bändigen, und auch seine beigen Bundfaltenhosen waren verbeult. Als der Zug in Zurigo Centrale einfuhr, war seine Laune so dunkel wie der Himmel. Er schulterte seine Tasche und folgte der «Piccola Guida Zurigo» zum «Albergo Alpenblick» gleich hinter der Stazione. Der Réceptionist schlief in seinem Stuhl. Snozzi beugte sich in die Knie und musterte ihn von nahem, bis dieser aufschreckte.

«Una camera, per favore», sagte Snozzi. Der Réceptionist, ein bleicher, junger Mann mit fettigen Haaren, reichte ihm einen Schlüssel und murmelte: «Buona notte.» Er verzichtete darauf, den Italiener mit dem durchdringenden Blick nach seinem Namen und einem Ausweis zu fragen. Ihm war lieber, der Kerl war so schnell wie möglich weg, er war ihm trotz seiner weichen Gesichtszüge unheimlich. Der Morgendienst konnte sich dann immer noch darum kümmern.

Als Snozzi gegen elf Uhr das Hotel verliess, wusste er, was zu tun war: erstens Knarre besorgen und zweitens Gaetano lokalisieren. Er spazierte gemächlich die Langstrasse entlang bis zur Pizzeria Buon Gusto. Das Lokal war noch leer, und er liess den schüchternen Kellner den Capo holen. Dieser musterte Snozzi kritisch.

«Una pizza pistola, per favore», sagte Snozzi. Der Capo verschwand wortlos in der Küche und tauchte wenige Minuten später mit einer Take-away-Schachtel wieder auf. Er überreichte sie Snozzi, nickte ihm zu und sagte: «Buon appetito.» Snozzi verliess die Pizzeria und dachte: «Es geht nichts über gute Beziehungen.» An einem Platz, über dem zwei riesige Betondächer schwebten, durch welche Bäume zum Himmel ragten, betrat er eine WC-Kabine für einen Franken. «Die spinnen, die Zurighesi», dachte er und nahm die Knarre aus der Pizzaschachtel. Pfeifend verliess er die glänzende WC-Dose.

Gaetano war es gar nicht nach Pfeifen zumute. Er sass auf seinem schmuddligen Hotelbett und massierte sich den linken Fuss, der ziemlich angeschwollen war. Auch wenn ihm Don Lauro noch zwei Tage Zeit gegeben hatte, so hatte er sich doch zum Ziel gesetzt, alles innert der ersten Frist zu erledigen und Don Lauro zu beweisen, dass auf ihn Verlass war. Don Lauro war nicht gerade bekannt für seine Geduld, und Gaetano war die Sache nicht ganz geheuer. Er versuchte, das mulmige Gefühl zu verdrängen, und entschloss sich, auf gut Glück die Stadt nach den beiden Ragazze und dem Neapolitano abzusuchen.

Sein Handy vibrierte. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Dieser Scheiss-Neapolitaner war dran! «Pronto», brüllte Gaetano. «Ciao, sono io», sagte Franco, «ich habe das Kokain. Steig um 17.13 Uhr auf das Kursschiff in Wollishofen, die Übergabe findet auf dem hinteren Deck um 17.35 Uhr statt.»

«Bild dir nicht ein, dass ich nach deiner Pfeife tanze, Scemo!», sagte Gaetano verächtlich.

«Die Übergabe findet um 17.35 Uhr auf dem hinteren Deck statt. Sei pünktlich», konterte Franco und legte auf.

Gaetano klatschte in die Hände und schmiss sich in die Siegerpose der Azzurri. Dann griff er zum Telefonino und teilte Don Lauro die Buone Notizie mit.

«Um 18 Uhr habe ich das Koks», sagte Gaetano.

«Va bene», antwortete Don Lauro und drückte ihn weg und widmete sich wieder seinem Talisker.

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