Teile der Kasernen-Fassade könnten Passanten treffen

Notfallmässig hat der Kanton Bauarbeiten am Gebäude im Kreis 4 angeordnet. Die Sandsteinfassade bröckelt.

Das Baugerüst für die Sanierung der Zürcher Kaserne wird aufgebaut. Foto: Andrea Zahler/Tamedia

Das Baugerüst für die Sanierung der Zürcher Kaserne wird aufgebaut. Foto: Andrea Zahler/Tamedia

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Monteure zogen gestern am denkmalgeschützten Gebäude im Kreis 4 Baugerüste hoch. Der Grund: dringliche Sicherungsarbeiten an der Hauptfassade der alten Militärkaserne, wie Thomas Maag, Sprecher der Baudirektion von Martin Neukom (Grüne), bestätigt. Die Kaserne aus dem Jahr 1875 gehört dem Kanton.

Bei den Sicherungsarbeiten geht es laut Maag darum, Hohlstellen in der Sandsteinfassade aufzufüllen. «Man konnte nicht mehr länger zuwarten wegen der Gefahr, dass sich Teile aus der Fassade lösen und Passanten auf der Kasernenstrasse treffen könnten.» Die Reparaturarbeiten dauern bis Juni und kosten rund 380'000 Franken.

«Geschosse aus Sandstein»

Es ist nicht das erste Mal, dass der Kanton Geld investieren muss, nur damit die Kaserne nicht zerfällt. Bereits 2005 und 2008 sah er sich zu Notsanierungen der Fassade gezwungen. Und auch 1998 waren Schutzmassnahmen nötig, weil «Geschosse aus Sandstein» zur Gefahr für Passanten zu werden drohten, wie der TA damals berichtete. Nicht viel besser präsentiert sich der Zustand der Zeughäuser, wo der wertvolle Waffensaal seit Jahren vor sich hin bröckelt.

Hintergrund der Misere ist die anhaltende Ungewissheit um das Kasernenareal. Vor einem Jahr schien im Kantonsrat eine Lösung in Griffweite, doch eine knappe Mehrheit aus SVP, FDP und EDU sagte Nein zum 30-Millionen-Kredit für die Sanierung der Zeughäuser und zu einem Vertrag zwischen dem Kanton und der Stadt als Baurechtsnehmerin für die Zeughäuser.

«Alle haben genug von der Blockade, weil sie nichts bringt ausser dem weiteren Zerfall der Gebäude.»Cyrill von Planta, GLP

Jetzt zeichnet sich ein Ende der Blockade ab. Der Kantonsrat mit seinen neuen Mehrheiten hat im September einen Vorstoss von SP, GLP und Grünen für einen Neustart überwiesen. Zwar lässt der Vorstoss offen, ob einfach der alte Vertrag reaktiviert wird oder die Zeughäuser an die Stadt verkauft werden. Laut Thomas Maag will der Regierungsrat «in den nächsten Wochen» darüber informieren, wie es mit dem Kasernenareal politisch weitergeht.

Cyrill von Planta (GLP), Mitunterzeichner des Vorstosses, rechnet mit einer Neuauflage des Vertrags. Er ist zuversichtlich, dass die Vorlage diesmal eine Mehrheit finden wird. «Alle haben genug von der Blockade, weil sie nichts bringt ausser dem weiteren Zerfall der Gebäude.» Auch FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff-Frenkel, die vor einem Jahr noch Nein stimmte («keine zweite Rote Fabrik»), zeigt sich inzwischen kompromissbereit: «Wir haben intensiv an einer Lösung gearbeitet, auch im Zusammenhang mit den Plänen für die Polizeikaserne. Und es scheint, wir wurden fündig – es wäre wichtig für die Stadt.»

Nach bisheriger Planung wird das Kasernenareal 2022 frei, weil die Kantonspolizei dann ins Polizei- und Justizzentrum zieht. In der alten Kaserne ist ein kantonales Bildungszentrum für Erwachsene geplant, in der Polizeikaserne ein Hub für Start-ups.

Erstellt: 07.01.2020, 22:18 Uhr

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