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Temporäre Siedlung 2.0

Beim Bahnhof Zürich-Altstetten entsteht ein Quartier im Quartier für Studierende, Gewerbetreibende – und Flüchtlinge.

Die neue Siedlung in Zürich-Altstetten: Hier werden die Holzmodule für die Studierendensiedlung zusammengebaut.
Die neue Siedlung in Zürich-Altstetten: Hier werden die Holzmodule für die Studierendensiedlung zusammengebaut.
PD
Blick von oben auf die neue Siedlung: Im Vordergrund die Wohnhäuser für Studierende und Migranten, im Hintergrund (bunt) die Container für Asylsuchende. Sie werden flankiert von temporären Holzbauten für Gewerbetreibende; diese Bauten dienen auch als Lärmschutz. Der Platz links von der Asylsuchenden-Siedlung ist als Stellplatz für Fahrende gedacht.
Blick von oben auf die neue Siedlung: Im Vordergrund die Wohnhäuser für Studierende und Migranten, im Hintergrund (bunt) die Container für Asylsuchende. Sie werden flankiert von temporären Holzbauten für Gewerbetreibende; diese Bauten dienen auch als Lärmschutz. Der Platz links von der Asylsuchenden-Siedlung ist als Stellplatz für Fahrende gedacht.
PD
Noch sind die Wohncontainer nicht bezugsbereit: Beim Umzug mussten Installationen wie die Heizungsrohre unterbrochen werden. Sie müssen nun wieder verbunden werden.
Noch sind die Wohncontainer nicht bezugsbereit: Beim Umzug mussten Installationen wie die Heizungsrohre unterbrochen werden. Sie müssen nun wieder verbunden werden.
Liliane Minor
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Den Bahnhof Zürich-Altstetten assoziiert man ja gerne mit den Extrazügen, die hier halten und hordenweise Fussballfans ausspucken, die dann mehr oder weniger friedlich zum Letzigrund ziehen. Altstetten, das klingt so ein wenig altbacken, abseits der modernen Stadt. Doch das täuscht: Es tut sich viel im Westen Zürichs. Die SBB etwa zogen mit Westlink eine moderne, grosse Siedlung hoch, jetzt bauen sie den Bahnhof um. Und bald wird die Limmattalbahn hier halten.

Innovativ ist auch das, was die Stadt Zürich am Vulkanplatz auf der Nordseite der Gleise erstellt hat. Zwischen Europabrücke, Aargauer- und Bernerstrasse ist in nur sechs Monaten ein temporäres Dorf für Studierende, Flüchtlinge, Gewerbetreibende und Kunstschaffende namens Fogo (so heisst ein Vulkan auf den Kapverden) entstanden. Noch wird gearbeitet, aber schon im Dezember ziehen die ersten Mieterinnen und Mieter ein. Heute Montag führten Sozialvorstand Raphael Golta (SP) und Finanzvorstand Daniel Leupi (Grüne) die Medien durch die Siedlung.

Küche «Marke unverwüstlich»

Das Konzept der Siedlung mit der durchmischten Nutzung ist landesweit einzigartig. Sozialvorstand Golta sprach deshalb von einer «temporären Siedlung 2.0». Die Anlage besteht aus zwei Teilen, getrennt werden sie vom Geerenweg. Der eine Teil, bestehend aus neuen Holzmodulen, ist beinahe fertig. Erstellt hat ihn die Stiftung Einfach Wohnen. Hier gibt es 33 Wohnungen. 22 davon vermietet die Stiftung Jugendwohnen, 11 die Asylorganisation Zürich.

Sie sind bewusst einfach gehalten. Die Küche besteht aus Chromstahl und scheint nahezu unverwüstlich, der Boden ist mit Linoleum belegt. Die Baukosten liegen bei rund 12 Millionen Franken.

Miete: 500 bis 600 Franken

Die Wohnungen bieten drei bis fünf Personen Platz, insgesamt werden 152 Menschenhier wohnen. Die Miete ist günstig, sie soll zwischen 500 und 600 Franken pro Kopf betragen. Für Jean-Marc Hensch, Präsident der Stiftung Jugendwohnen, bietet es sich geradezu an, Wohnungen für Migranten und für junge Menschen zu vermieten: «Sie haben dieselben Ansprüche: Die Wohnung muss günstig und einfach sein.» Das Konzept gefällt offenbar, die Wohnungen sind bereits komplett vermietet.

Auf der anderen Seite des Geerenwegs fahren hingegen noch Baumaschinen herum. Hier stehen jene gelben, roten und grauen Wohncontainer, die von 2010 bis in diesem Sommer in Leutschenbach die erste temporäre Siedlung für Flüchtlinge bildeten. Hier können 150 Menschen wohnen, die sich noch im Asylverfahren befinden. «Es ist das erste Mal, dass wir eine solche temporäre Siedlung zügeln», sagt Raphael Golta. 8 Millionen kostete der Umzug.

Gewerberäume als Lärmschutz

Was die Sache etwas kompliziert machte: Die Strassen rund um die neue Siedlung sind so laut, dass ohne Lärmschutz nichts geht. Doch die Stadt machte aus der Not eine Tugend, wie Golta sagt: Rund um die Wohnsiedlung entstehen ebenfalls temporäre Gewerberäume. Unter anderem ziehen dort kleine Betriebe und Kunstschaffende ein. Ausserdem ist ein Restaurant geplant. Bis alles so weit ist, wird es noch ein wenig dauern. Die Containersiedlung ist ab Anfang Jahr bezugsbereit, die Gewerberäume teils erst im Frühling. Zwischen den Containern entsteht eine Begegnungszone mit Spielplatz, die auch der Quartierbevölkerung offensteht.

Das Grundstück, auf dem Fogo steht, gehört der Stadt. Einst plante sie hier ein Verwaltungszentrum. Jetzt soll das Areal als wertvolle Baulandreserve erhalten bleiben, wie Finanzvorstand Leupi sagt. Die temporäre Siedlung darf vorerst 20 Jahre stehen bleiben.

Der angrenzende Stellplatz für Fahrende bleibt unangetastet.

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