Test in Zürich: Im Freien essen und trinken bis 2 Uhr nachts

Im Sommer 2020 dürfen Zürcher Restaurants und Bars länger rausstuhlen. Es gibt aber einige Bedingungen – und Widerstand aus den Quartieren.

Länger draussen sitzen bleiben ist im Sommer 2020 an verschiedenen Orten in der Stadt erlaubt.

Länger draussen sitzen bleiben ist im Sommer 2020 an verschiedenen Orten in der Stadt erlaubt. Bild: Sabina Bobst

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Trinken vor Bars, Geplauder in Strassencafés, Betrieb auf den Plätzen: In Zürich findet das Leben seit einigen Jahren vermehrt auf den Strassen statt. Dies auch nachts. Was seit vielen Jahren in der Stadt offensichtlich ist, wird nun vom Stadtrat offiziell bewilligt. Vorerst in einer Testphase.

In einer Mitteilung schreibt der Stadtrat, dass Gastrobetriebe im Juli und August 2020 bis 2 Uhr nachts im Freien wirten dürfen. Dies an insgesamt sechs Wochenenden in jeweils unterschiedlichen Quartieren (siehe Tabelle). Diese Lockerung des Nachtruhegesetzes gilt in dieser Testphase jeweils für die Nächte von Samstag auf Sonntag. Bisher mussten die Restaurants und Bars spätestens um 24 Uhr die Aussenbereiche räumen.

Die neue Regelung ist eine abgeschwächte Form eines von Nicole Giger (SP) und Andri Silberschmidt (FDP) im März im Gemeinderat eingereichten Postulats. Darin forderten die Lokalpolitiker den Stadtrat auf, in einem zweijährigen Pilotversuch mediterrane Wochen durch den ganzen Sommer hindurch zu prüfen, jeweils in der Freitag- wie auch der Samstagnacht. Das Postulat fand im Gemeinderat eine breit abgestützte Mehrheit.

Begleitet wird der Pilotversuch nächsten Sommer durch wissenschaftliche Erhebungen der Stadt, wie es in der Mitteilung weiter heisst. «Wir berücksichtigen während der mediterranen Wochenendnächte die Stimmen der verschiedenen Parteien», sagt Mathias Ninck, Leiter Kommunikation Sicherheitsdepartement. Sowohl die Anliegen der Anwohner wie auch jene der Gastrobetreiberinnen und -betreiber würden angehört.

Ninck weiss, dass die neue Regelung zu Interessenkollisionen zwischen Gastrobetrieben und Anwohnern führen könnte. Dies insbesondere in einer Stadt wie Zürich, wo bereits sehr viel nächtlicher Betrieb herrsche.

«Die Innenstadt gerät unter Druck»

Eine solche Kollision bahnt sich kurz nach Bekanntgabe des Pilotbetriebs bereits an. Ein Zusammenschluss von vier Quartiervereinen, der IG Idaplatz und mehreren Interessengruppen kündigt in einer Mitteilung Widerstand an.

«Die Innenstadt ist durch das Nachtleben heute schon massiv unter Druck», sagt Felix Stocker, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Kreis 1 rechts der Limmat. Lärm, Littering, Verkehr oder öffentliches Urinieren seien für die Anwohner ein stetiges Ärgernis. Durch die mediterranen Wochen verschärfe sich die Situation. In Gefahr sieht er die Innenstadtquartiere, inbesondere die Altstadt links und rechts der Limmat, das Quartier Selnau-City sowie die hochfrequentierten Gebiete in den Kreisen 3, 4 und 5.

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Stocker sagt weiter: «Es ist im Interesse der Stadt, dass auch die Innenstadtquartiere als Wohngegenden erhalten bleiben.» Das gelte insbesondere für Familien und ältere Menschen. Die Ankündigung der mediterranen Wochen seien der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Die Gruppe prüft juristische Schritte.

Bars bleiben konkurrenzfähig

Die Bar- und Clubkommission (BCK) glaubt nicht, dass sich die Situation verschärfen wird. «Bewirtete Aussenflächen haben den Vorteil, dass sitzende Gäste ruhiger sind als stehende, die soziale Kontrolle ist zudem durch das Personal gegeben und auch der Müll wird gleich weggeräumt», sagt Alexander Bücheli, der Sprecher der BCK. Für die Gastwirtschaftsbetriebe sei die Einführung mediterraner Wochen zudem nötig, damit sie gegenüber 24-Stunden-Shops konkurrenzfähig blieben.

Ausgenommen von der provisorisch veränderten Nachtruheordnung sind jene städtischen Gebiete, die unter die Lärmempfindlichkeitsstufen I und II fallen. Das sind vornehmlich Wohn- und Erholungsgebiete. Eine Liste mit allen Beizen, die kommenden Sommer länger im Freien wirten dürfen, erstellt die Stadtpolizei im Frühling 2020.

Schweizweit gesehen, ist die Änderung in Zürich nichts Neues. Städte wie Winterthur, Bern, Basel und Thun haben die Öffnungszeiten für Aussenwirtschaften seit einiger Zeit schon angepasst.

Erstellt: 13.11.2019, 15:40 Uhr

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