Teuer und begehrt: Das Zürcher «Basler Dybli»

Mit «Zürich 4» und «Zürich 6» ging in Zürich heute vor 175 Jahren die Post ab. Der Unternehmer Rolf Hauser hat die beiden raren Briefmarken in seiner Sammlung.

Sammler aus Leidenschaft: Rolf Hauser besitzt sowohl eine Zürich 4 wie eine Zürich 6.

Sammler aus Leidenschaft: Rolf Hauser besitzt sowohl eine Zürich 4 wie eine Zürich 6. Bild: Sibille Gautschi

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Heute Donnerstag feiert die Schweizer Briefmarke den 175. Geburtstag. Trotz Digitalisierung und E-Mail-Flut ist das kleine Stück Papier nach wie vor tief in den Herzen von Herrn und Frau Schweizer verankert.

«Die Schweiz war nach Grossbritannien das erste Land, welches am 1. März 1843 Briefmarken herausgab», sagt Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp in Wil SG, das zu den führenden Briefmarken-Auktionshäusern der Welt gehört.

Über 30'000 Franken

Ausgerechnet in Zürich ging anno dazumal mit den legendären Briefmarken Zürich 4 und Zürich 6 die Post ab. Zürich 4 wurde für Briefe der Stadtpost, Zürich 6 für Briefe innerhalb des Kantons Zürich verwendet. Die unperforierten Marken wurden in schwarzer Farbe (Mehrfarbdruck existierte noch nicht) auf weisses Papier bei der Firma Orell Füssli und Courz gedruckt. Auf die beiden Zürcher Kantonalmarken folgten noch im selben Jahr die Doppelgenf und zwei Jahre später die berühmte Basler Taube («Basler Dybli»).

«Zürich 4 auf vollständigem Kantonsbrief mit Aufgabestempel «ZÜRICH 25 SEPT 1849» an das Gemeindeammannamt in Wettschweil. Preis: 216'000 Franken. (Foto: PD)

Post für Dr. Brunner in Albisbrunn bei Hausen: Einer der wenigen bekannten Briefe mit einer Zürich-6-Marke aus dem ersten Verwendungsmonat. (Foto: PD)

Die beiden einzigen Briefmarken, die vom Kanton Zürich herausgegeben wurden, geniessen heute in Sammlerkreisen einen hohen Stellenwert und sind dementsprechend gesucht. Ein Brief mit einer 4er-Marke, die in tadellosem Zustand ist, kann an einer Versteigerung schnell über 30'000 Franken kosten.

Vom Briefmarkenvirus infiziert

Gibt es im Kanton Zürich Sammler, die in ihrer Sammlung noch eine Zürich 4 oder eine Zürich 6 besitzen? Laut Marianne Rapp Ohmann mehrere. Einer davon ist Rolf Hauser. Er betreibt eine Firma in Urdorf und wurde schon als Jugendlicher vom Briefmarkenvirus infiziert. Heute besitzt er eine ansehnliche Sammlung, in der er sowohl eine Zürich 4 wie auch eine Zürich 6 sein Eigentum nennt.

Die Ausstellung zum 175-Jahre-Jubiläum der Briefmarke:

(Video: Keystone/SDA)Die Ausstellung zum 175-Jahre-Jubiläum der Briefmarke:
(Video: Keystone/SDA)

Die erste Zürich 6 sei auf dem Land und nicht in der Stadt verwendet worden. Der Brief ging am 2. März von Wädenswil nach Richterswil. Zudem wurden damals Briefe in der Stadt mit roten Rosetten gestempelt, Briefe auf dem Land mit einer schwarzen Rosette. Hauser: «Zwischen dem Beschluss des Regierungsrates zur Ausgabe von Briefmarken am 21. Januar 1843 und dem ersten Verwendungstag blieben nur fünf Wochen für die Herstellung. Es musste schnell gehen.»

Sammeln zum Entspannen

Die Sammlerleidenschaft Hausers konzentriert sich nicht nur auf Zürich 4 und 6, sondern erstreckt sich über alle Schweizer Briefmarken – sein Spezialgebiet sind frühe Ersttagsbriefe der Schweiz. Seine Motivation, immer wieder Briefmarken zu sammeln, erklärt der Unternehmer folgendermassen: «Briefmarken bedeuten für mich Entspannung, und die Ästhetik steht für mich beim Sammeln im Vordergrund.»

Die Ausstellung zum 175-Jahre-Jubiläum der Briefmarke:

(Video: Keystone/SDA)

Dabei sei er sich durchaus bewusst, dass er viel Geld für sein Hobby ausgebe. «Allerdings habe ich schon tolle Briefe und Exemplare entdeckt, deren Wert ich erst im Nachhinein feststellen konnte», sagt er. Wer geschickt Briefmarken sammle und bereit sei, zu recherchieren, der könne immer wieder Trouvaillen entdecken und damit sogar Geld verdienen.

Der Trend ist klar: Die Briefmarke wird weiter an Wichtigkeit verlieren. Geschäftsbriefe werden mit der Maschine frankiert, und bei den Paketen ersetzt längst ein beschrifteter Kleber die einstige Marke. Werden weniger Briefe geschrieben, werden auch weniger Marken gekauft. Droht den Briefmarkensammlern der «Nährboden» ihres Hobbys wegzubrechen? Rolf Hauser schüttelt den Kopf und ist überzeugt: «Nein, Briefmarkensammler wird es immer geben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2018, 10:54 Uhr

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