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«Theorie allein ist totaler Blödsinn»

Der Nothelferkurs soll nach 40 Jahren abgeschafft werden. Zürcher Experten haben keinerlei Verständnis für die Forderung der Strassenverkehrsämter.

Richtige Beatmung will gelernt sein: Bis jetzt ist der Nothelferkurs Pflicht bei der Fahrausbildung.
Richtige Beatmung will gelernt sein: Bis jetzt ist der Nothelferkurs Pflicht bei der Fahrausbildung.
Keystone/Walter Bieri

Seitenlage oder Mund-zu-Mund-Beatmung? Seit 40 Jahren ist der Nothelferkurs für alle Fahrschülerinnen und -schüler obligatorischer Teil der Fahrprüfung. Was für Generationen Standard war, wird nun angezweifelt. Denn für die kantonalen Strassenverkehrsämter ist das Obligatorium nicht mehr zeitgemäss. Viel wichtiger sei es, sich bei der Fahrausbildung auf das Wesentliche zu konzentrieren: auf das Fahren.

Hinzu komme, dass auf Schweizer Strassen immer weniger Unfälle ereignen. Die neue Forderung lautet daher, dass das Erste-Hilfe-Wissen nur noch einen kleinen Teil der Theorieprüfung ausmacht und nicht mehr in einem gesonderten Nothelferkurs erlernt werden muss.

Praktische Übungen unabdingbar

Experten kritisieren diesen Vorschlag scharf. «Die Praxis braucht es unbedingt, Theorie allein reicht nicht», sagt Brigitte Murmann. Die Präsidentin des Samariterverbands des Kantons Zürich hat selbst jahrelang Nothelferkurse gegeben und weiss, wovon sie spricht.

Eine Bewusstlosenlagerung könne man in der Theorie zwar erklären, aber für den korrekten Umgang damit – zum Beispiel die richtige Lagerung des Kopfes eines Unfallopfers – seien praktische Übungen unabdingbar. Fielen diese weg, fehle es nachher an der nötigen Sicherheit, ist Murmann überzeugt. Sie sei klar für die Beibehaltung des Nothelferkurses in der jetzigen Form. Positiv sei zwar, wenn die Unfallzahlen sänken, aber jedes Todesopfer auf der Strasse sei immer noch eines zu viel.

Sinnvoll und keine Zeitverschwendung

Entsetzt über die aktuelle Diskussion einer Abschaffung ist Luzius Rüegg. Der heute pensionierte Fahrlehrer hat 38 Jahre lang in Zürich unzähligen Fahrschülern das Autofahren beigebracht. «In allen Bereichen wird mehr Sicherheit gefordert, und ausgerechnet hier, wo es bei einem Unfall um Menschenleben geht, will man diese Sicherheit abbauen, das ist komplett falsch und für mich unverständlich», sagt er. Ein Nothelferkurs habe noch niemandem geschadet, sei sinnvoll und sicher keine Zeitverschwendung. «Das Wichtigste ist natürlich der praktische Teil. Nur Übung macht den Meister.»

Kopfschütteln löst der Vorschlag der kantonalen Strassenverkehrsämter auch bei Hans Koller aus, dem Leiter der Zürcher Rettungsschule SanArena. «Den Nothelferkurs nur noch auf die Theorie zu beschränken, ist ein totaler Blödsinn», sagt er gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet, «Erste Hilfe ist ein Handwerk, das praktisch geübt werden muss, soll es Handlungskompetenz hinterlassen.» Koller räumt der Abschaffung des Nothelferkurses deshalb nicht viele Chancen ein. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Obligatorium fällt.»

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