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Die «Wiedergeburt» der alten Tonhalle

Die Restaurierung der Tonhalle am See ist bereits weit fortgeschritten. Der neue Chefdirigent Paavo Järvi zeigt sich auf einem Baustellenbesuch begeistert.

Martin Huber
Er setzt grosse Hoffnungen in den sanierten Konzertsaal: Tonhalle-Chefdirigent Paavo Järvi auf der neuen Terrasse vor der Tonhalle am See. Bild: Sabina Bobst
Er setzt grosse Hoffnungen in den sanierten Konzertsaal: Tonhalle-Chefdirigent Paavo Järvi auf der neuen Terrasse vor der Tonhalle am See. Bild: Sabina Bobst

«This is cool!» So reagierte Paavo Järvi gestern Nachmittag beim Betreten des Zürcher Tonhallesaals, der derzeit saniert wird. Der neue Tonhalle-Chefdirigent war bei einer Baustellenbesichtigung mit Medienvertretern beeindruckt vom historischen Konzertsaal mit Baujahr 1895. Obwohl noch im Umbau, höre man schon jetzt dessen einmalige Akustik, sagte Järvi. Für ihn ist die Tonhalle nichts weniger als ein «Ort der europäischen Kulturgeschichte».

Fotografieren noch nicht erwünscht

Noch stehen im imposanten Saal allerdings die Baugerüste. Die Kronleuchter an der Decke sind mit Plastikplanen abgedeckt, ebenso wie die Brüstungen mit ihren üppigen Goldverzierungen. Die Bühne fehlt ebenso wie die neue Orgel, und auch der Parkettboden wird noch erneuert. Immerhin: Die Restaurierungsarbeiten an Decken und Wänden sind inzwischen weit fortgeschritten, wie Elisabeth Boesch vom verantwortlichen Architektenteam sagte. Deckengemälde, Stuckmarmor, Dekorationsmaterial und die zahlreichen Vergoldungen wurden allesamt sorgfältig gereinigt und neu gefasst.

«Die Decke mit ihren Gemälden sieht aus wie in einem Palazzo in Venedig im 16. Jahrhundert», sagte die Architektin. Ziel sei es, die ursprüngliche Atmosphäre des Saals wieder aufleben zu lassen. Er solle zu einem «wirklich schönen Rahmen für die Musik werden». Allerdings: Fotografiert werden durfte der Saal gestern noch nicht. Die Bauherrschaft habe entschieden, in dieser Phase der Sanierung keine Bilder des grossen Saals zu zeigen, um künftigen Besuchern «einen Überraschungseffekt zu ermöglichen», wie es bei der Tonhalle-Gesellschaft hiess.

«Orchester erhält Heimat zurück»

Für Dirigent Järvi wird mit der Sanierung der Tonhalle ein Traum wahr, wie er sagte: «Ein grosses Orchester erhält seine Heimat zurück.» Der Tonhallesaal sei unglaublich wichtig für den Klang, der Raum selbst sei «wie ein Instrument». Er freue sich sehr, bei einem solchen «Moment einer Wiedergeburt» dabei zu sein. «So etwas erlebt man nicht oft als Dirigent», sagte er.

Begonnen haben die Bauarbeiten im Gebäudekomplex Tonhalle/Kongresshaus am See im Juli 2017. Die Instandsetzung soll laut dem Stadtrat «die ursprüngliche Qualität des Ensembles wieder sicht- und erlebbar machen» sowie die gesamte Infrastruktur verbessern. Das architekturgeschichtlich bedeutende Haus soll wieder «zu einer der ersten Adressen Zürichs» für Veranstaltungen werden. Laut aktuellem Fahrplan ist der Umbau allerdings erst im März 2021 abgeschlossen – ein halbes Jahr später als ursprünglich geplant.

Kritik an Mehrkosten

Das Grossprojekt verläuft nicht ohne Nebengeräusche. So musste das Zürcher Stadtparlament am Mittwochabend einen vom Stadtrat beantragten Zusatzkredit von 13 Millionen für die Sanierung von Kongresshaus und Tonhalle bewilligen. Die von den Stimmberechtigten 2016 genehmigten 165 Millionen Franken reichen nicht aus. Die Mehrkosten stiessen auf harsche Kritik. Bürgerliche Politiker sprachen von Planungsfehlern und Missmanagement, die Stadtregierung musste Fehler einräumen. 3,7 Millionen des Zusatzkredits gehen an die Tonhalle als Entschädigung für die Mehrkosten, die ihr wegen der verspäteten Eröffnung entstehen. Die Tonhalle gastiert in der Zwischenzeit in der Maag-Halle in Zürich-West.

Chefdirigent Paavo Järvi nimmt die Verspätung gelassen. «Das ist kein Problem.» Er habe noch kein Bauprojekt dieser Grössenordnung gesehen, bei dem es nicht ebenfalls zu Verzögerungen gekommen sei. «Später interessiert das niemanden mehr.» Wichtig sei, dass der Umbau gut wird, «und die Tonhalle wird gut», ist Järvi überzeugt.

Terrasse lässt hoffen

Vielversprechend präsentierte sich bei der gestrigen Baustellenführung nicht nur die neue, alte Tonhalle, sondern auch das Konzertfoyer beim Eingang zum Saal und die davor liegende grosszügige Terrasse. Dort soll es ein frei zugängliches Restaurant geben. «Ein öffentlicher Ort mit Blick auf den See und die Alpen», sagte Architektin Elisabeth Boesch.

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