Thurgauer sollen gleich beide neuen Zürcher Stadien bauen

Der Generalunternehmer HRS hat den Zuschlag für den Bau der ZSC-Arena erhalten. Er ist auch im Fussballprojekt involviert.

So stellen sich die Stadionbauer den Personenfluss um die neue Arena in Zürich-Altstetten vor. (Video: PD)

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Wer sich in Zürich für Mannschafts-Spitzensport interessiert, kommt derzeit nicht um ein Kürzel herum: HRS. Es ist im Letzigrund als Bandenwerbung während der Fussballspiele des FC Zürich und der Grasshoppers unübersehbar. Und seit neuestem prangen die weissen Buchstaben auf orangem Hintergrund, die für Hauser Rutishauser Suter stehen, anstelle des 20-Minuten-Logos auf der Herzseite des ZSC-Trikots.

Das Frauenfelder Bauunternehmen ist beim Schweizer Eishockeymeister kürzlich vom Sponsor zum Hauptsponsor aufgestiegen, und das nicht ohne Grund. HRS hat den Zuschlag erhalten für den Bau der neuen Arena in Altstetten. In der Endausmarchung der privaten Ausschreibung standen vier Firmen: Neben HRS auch Halter (Fussballstadion Luzern mit zwei Wohntürmen), Implenia (Letzigrund) und Allreal (Toni-Areal). Nicht mit von der Partie waren Losinger Marazzi (St. Jakob Park Basel, Stade de Suisse Bern) und Steiner (Sihlcity). Letztere verweist auf Anfrage auf «die vorliegende Konstallation» und meint damit die Sponsorensituation bei den ZSC Lions. Steiner rechnete sich also schlechte Chancen aus gegen HRS.

Personell verbandelt

Dass HRS bei den ZSC Lions zum Zug kommt, ist tatsächlich nicht überraschend. Es gibt personelle Verstrickungen. So ist Barend Fruithof Verwaltungsrat beim ZSC und bei HRS. Und ZSC-Vizepräsident Peter Spuhler hat als Thurgauer Ex-SVP-Nationalrat beste Verbindungen zum Thurgauer SVP-Ständerat Roland Eberle, der den HRS-Verwaltungsrat präsidiert. Zudem baut Spuhler mit HRS das neue Stadler-Produktionswerk in St.Margrethen.

Das sind die neuesten Visualisierungen der Arena:

ZSC-CEO Peter Zahner winkt ab. «Barend Fruithof war zu keinem Zeitpunkt im Entscheidungsprozess involviert.» Zudem sei Peter Spuhler im Verwaltungsrat von Mitbewerber Allreal, der nicht zum Handkuss kam. «Alle vier Firmen hätten den Zuschlag erhalten können», sagt Zahner. Alle hätten auch die Fähigkeit dazu. HRS aber habe am meisten Erfahrung mit Stadien, fügt er an. So hat das Unternehmen die Fussballstadien in Neuenburg, St. Gallen und Thun gebaut und die Hockeyarenen in Bern, Weinfelden und Schaffhausen totalsaniert. Zudem hat HRS die neuste Eishockeyarena in Biel gebaut, weshalb die Firma mit den neusten technischen Entwicklungen vertraut sei. «Sehr wichtig sind in Hockeystadien die Themen Heizung, Lüftung, Klima und sanitäre Anlagen», erklärt Zahner.

Weniger Stehplätze

Man habe sich bei der Entwicklung des Stadions auch in anderen Städten wie Helsinki, Mannheim oder Zug umgesehen. Oder in NHL-Stadien. So wird die Garderobe als erste der Schweiz wie in Übersee oval sein, damit die Spieler einander sehen. Und man habe auch auf Proportionen geachtet. So wird der finanziell wichtige Businessbereich gross, aber nicht zu gross sein, dass man sich darin verliert.

Eine Aktualisierung betrifft die Stehplätze. Ursprünglich waren in der 12'000-Zuschauer-Arena 2500 Stehplätze geplant. Aufgrund von Umfragen bei den eigenen Fans weiss der ZSC nun aber, dass er die Nachfrage überschätzt hat. Hinter dem einen Tor werden nur noch rund 1500 Stehplätze angeboten. Plus 200 für die Gästefans in einer Ecke des Stadions.

HRS: Kein Trostpreis

HRS freut sich natürlich über den Auftrag. «So können wir unser Know-how auch bei der Heimspielstätte der ZSC Lions einsetzen», sagt CEO Martin Kull. Dass das Unternehmen ebenfalls für den Bau des neuen Fussballstadions auf dem nur 1,6 Kilometer Luftlinie entfernten Hardturmareal und in Aarau in den Startlöchern ist, sei kapazitätsmässig kein Problem.

Als Trostpreis für den Fall, dass die beiden anderen Stadien die Volksabstimmungen nicht überstehen, versteht HRS den ZSC-Zuschlag nicht. «Im Gegenteil», so Kull. «Das ZSC-Stadion ist ein sehr spannender Bau. Und wir setzen uns dafür ein, dass auch unser Projekt auf dem Hardturmareal realisiert wird.»

Spatenstich im März 2019

Nun warten die Stadionbauer auf die Baubewilligung des Stadtrats. Sie wird im Herbst erwartet. Von Rekursabsichten hat ZSC-CEO Zahner nichts gehört, sicher sei man aber nie. Geht alles gut, werden im Winter die Schrebergärten aufgehoben und erfolgt der Spatenstich im März 2019. Im Frühling 2022 soll das «Theatre of Dreams» - so der Name des siegreichen Projekts der Londoner Architekten Caruso St John - mitsamt der Trainingshalle für 300 Zuschauer gebaut und ab Sommer bereit für die Hockeysaison sein.

Zahner rechnet damit, dass die veranschlagten Kosten von 169 Millionen Franken leicht überschritten werden könnten. Für die Mehrkosten kämen die Investoren Walter Frey (ZSC-Präsident), Peter Spuhler und die Swiss Life auf, welche bereits 30 Millionen zum Bau beisteuern und 6 Millionen in den Betrieb einschiessen. Das verzinsliche und rückzahlbare Darlehen der Stadt von 120 Millionen ist fix, der Rest kommt von Bund, Kanton und Dritten. Im September 2016 hatten die Stimmbürger mit 57 Prozent Ja-Anteil dem Modell zugestimmt.

Erstellt: 17.08.2018, 19:06 Uhr

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