Ticket Sekunden zu spät gelöst – Mann wird gebüsst

Mit Apps wie Check-in-Ticket wird die Billettkontrolle für die VBZ schwieriger. Über Busse oder nicht entscheiden immer öfter Sekunden.

Die Check-in-Ticket-App ist beliebt, hat aber auch ihre Tücken.

Die Check-in-Ticket-App ist beliebt, hat aber auch ihre Tücken. Bild: Samuel Schalch

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Ein junger Mann ist in Eile. Kurz bevor das 3er-Tram bei der Station Hubertus einfährt, kramt er sein Handy hervor. Mit der neuen Check-in-Ticket-App löst er noch an der Haltestelle ein Ticket. Mittels Fingerwischs, mehr braucht es bei dieser App nicht. Ein weiterer Swipe beim Aussteigen berechnet ihm automatisch den für ihn besten Preis.

Im Tram drin bemerkt er, dass die App nicht korrekt geladen hat. Erst als das Tram schon fährt, erscheint die Bestätigung auf seinem Bildschirm. Gleichzeitig ist ein Kontrollteam der VBZ zugestiegen. Der Fahrgast wird nervös. Hat es noch gereicht? Besitzt er überhaupt ein Ticket? Ja, aber offenbar ist es zu spät gelöst worden. Der Fahrgast erhält eine Busse von 90 Franken.

Der Gebüsste ist erzürnt, seiner Meinung nach hat er nichts falsch gemacht. Zu Hause schaut er sich die Busse nochmals an. Die dort angegebene Zeit: 12.47 Uhr. Von den Betreibern der Check-in-Ticket-App will er wissen, um welche Zeit er sein Ticket gelöst hat. Sie bestätigen: um 12.45 Uhr, also zwei Minuten vor der Ausstellung der Busse. Was ist hier geschehen?

Zeitstempel ist entscheidend

Nochmals eine Anfrage beim ZVV. Dort wird erklärt: Die Uhrzeit auf seiner Busse betrage zwar 12.47 Uhr. Doch die Kontrollbeamten seien um 12.45 Uhr zugestiegen. Um diese Zeit setzten sie auch den sogenannten Zeitstempel. Dieser ist massgeblich ist für die Kontrolle. Nun hat besagter Fahrgast also in derselben Minute das Ticket gelöst, in der die Beamten diesen Zeitstempel setzten. Es ging also um Sekunden.

Der ZVV liefert die Aufklärung zum konkreten Fall. Den exakten Zeitstempel setzten die die Beamten um 12.45:07 Uhr. Da das System sekundengenau die Differenz zwischen Zeitstempel und Ausstellen des Tickets erkennt, muss Letzteres danach erstellt worden sein. Die Busse ist also ordnungsgemäss ausgestellt worden.

Diese exakte Erfassung der Einstiegszeit ist neu – und notwendig. Dies bestätigt der ZVV. Besonders beim Lösen von Tickets via App, da Billette ansonsten kurz vor einer Kontrolle gelöst werden können.

«Ein gewisses Missbrauchspotenzial»

Allgemein gilt: «Tickets müssen vor dem Betreten des Fahrzeuges gelöst werden», sagt eine Sprecherin des ZVV. Das sei auch in den AGB zur App so festgehalten und entspreche den allgemeinen Tarifbestimmungen. «Beim Check-in-Ticket besteht ein gewisses Missbrauchspotenzial», sagt die Sprecherin weiter. Für den Fall, dass die App nicht ordnungsgemäss lädt oder der Akku nachgibt, das Display ausfällt oder andere, mit der App zusammenhängende technische Probleme auftreten, haftet jeweils der Fahrgast.

Die Check-in-Tickets, die der ZVV seit April testet, werden von den ÖV-Benutzern offenbar geschätzt: Der Anteil der Check-in-Tickets am gesamten Absatz der eigenen Ticket-App betrage bereits mehr als 10 Prozent, teilte der Verkehrsverbund mit. «Wir verzeichneten Ende Oktober rund 5400 aktive Kunden, die diese Funktion regelmässig nutzen», so die Sprecherin.

Der ZVV ist erfreut darüber: Diese «starke Nutzung» zeige, dass einerseits ein Bedürfnis auf dem Markt bestehe und dass andererseits das Produkt den Kundenanforderungen bereits in diesem Stadium des Markttests sehr gut entspreche.

Testphase bis Ende 2019

Die App befindet sich noch in einer Testphase, die bis Ende 2019 andauert. Sie ist mit dem landesweiten Programm «ÖV-Ticket 2020» abgestimmt. Die Erkenntnisse fliessen in die Entwicklung der national geltenden Standards für das automatische Ticketing ein. Nachdem sich der ZVV in einer ersten Phase auf sein Verbundsgebiet fokussiert hat, sind seit Mitte Mai mit der App auch Reisen in der gesamten Schweiz möglich.

Schwierigkeiten beim Check-in oder Check-out gab es bisweilen auch in Tiefbahnhöfen – ein Thema, das bereits im Vorfeld bekannt war. Momentan müsse in solchen Fällen das Kundencenter manuell nachhelfen, teilt der ZVV mit. Natürlich würden aber Lösungen für eine bessere Erreichbarkeit in diesen unterirdischen Bahnhöfen gesucht.

Für besagten Zürcher Fahrgast hat sich die Sache immerhin teilweise zu seinen Gunsten entwickelt. Die VBZ haben die Busse von 90 auf 30 Franken herabgesetzt. Als Grund dafür gibt die Sprecherin Kulanz an.

Erstellt: 29.11.2018, 11:53 Uhr

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