Strengere Regeln für Airbnb in Zürich

Die Linke will den Zweitwohnungsmarkt in der Stadt Zürich regulieren – sie könnte aber an der eigenen Regierung scheitern.

Müssten sich künftig registrieren: An der Josefstrasse im Kreis 5 wird ein Wohnhaus als Halbhotel genutzt. Foto: Reto Oeschger

Müssten sich künftig registrieren: An der Josefstrasse im Kreis 5 wird ein Wohnhaus als Halbhotel genutzt. Foto: Reto Oeschger

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Die vereinte Zürcher Linke verlangt, was in einigen europäischen Städten schon Standard ist: Anbieter von Business-Apartments und touristisch genutzten Wohnungen sollen sich registrieren müssen. Darunter würden zum Beispiel Airbnb-Angebote und möblierte Wohnformen für Expats fallen.

SP, Grüne und AL haben eine gemeinsame Motion mit diesem Ziel eingereicht. Sie soll «Erstwohnungen» davor schützen, «zweckentfremdet» zu werden. Die drei Parteien erreichen im Gemeinderat gemeinsam eine Mehrheit von 69 Stimmen von insgesamt 125.

Die Motionäre schlagen ein konkretes System vor, wie sich eine Registrierung bewerkstelligen liesse. Dabei berufen sie sich auf Erfahrungen aus anderen Städten. Jede Zweitwohnung soll eine Nummer zugeteilt bekommen. Dies muss bei jeder Ausschreibung sichtbar sein. Wird eine Wohnung ohne Nummer im Internet beworben, soll die Stadt dieses Angebot löschen lassen können. Die Registrierung müsse online und kostenlos erfolgen. So erhalte die Stadt einen genauen Überblick über den Zweitwohnungsmarkt und könne regulierend eingreifen, heisst es im Vorstoss.

Mehr Apartments in Zürich

Unter linken Politikerinnen besteht die Sorge, dass der Boom von Apartmentwohnungen das Angebot für die Zürcherinnen und Zürcher verknappt. Eine neue Statistik hat gezeigt, dass der Anteil an Apartmentwohnungen zunimmt. Dieses Jahr waren es 3270, was einem Anteil von 1,4 Prozent aller Stadtzürcher Wohnungen entspricht.

Die Angebote konzentrieren sich vor allem auf die zentralen Stadtkreise. In der City werden 10 Prozent aller Wohnungen als Apartments vermietet. In Zürich haben sich verschiedene Anbieter auf dieses Geschäftsmodell konzentriert.

Stadtrat winkte ab

Schon vor zehn Jahren forderte der damalige AL-Gemeinderat Niklaus Scherr, dass Zweitwohnungen, touristische Nutzungen und Business-Apartments nicht mehr dem Wohnanteil zugerechnet werden dürfen. Dies erlaubte es, ihre Verbreitung einzuschränken. Für die Europaallee hätte das zum Beispiel bedeutet, dass anstelle von 170 Hotelzimmern gewöhnliche Wohnungen entstanden wären.

Der Stadtrat lehnte eine solche Regel bislang ab, sie schade dem Tourismus und der Wirtschaft. Das Geschäft ging schon mehrmals zwischen Parlament und Regierung hin und her. Momentan behandelt es die zuständige Kommission. Die Frage ist nun, ob der neuerliche Vorstoss der Linken erneut vom Stadtrat blockiert werden wird.

Erstellt: 12.12.2019, 19:44 Uhr

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