Traditions-Papeterie verschwindet von Bahnhofstrasse

Seit fünf Generationen führt die Familie Landolt-Arbenz den Laden an der Bahnhofstrasse. Ende Februar ist Schluss. Das Geschäft zieht um.

Seit 1882 an der Bahnhofstrasse: Die Zürcher Traditions-Papeterie Landolt-Arbenz. (Bilder: Stefan Hohler)

Seit 1882 an der Bahnhofstrasse: Die Zürcher Traditions-Papeterie Landolt-Arbenz. (Bilder: Stefan Hohler)

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Ende Februar endet eine Tradition, die im Jahr 1882 begonnen hat. Damals hat der Kaufmann Franz Landolt zusammen mit seiner Ehefrau Elise Landolt-Arbenz ein Fachgeschäft an der Bahnhofstrasse 66 in Zürich eröffnete. Bis heute wird die Papeterie vis-à-vis an der Bahnhofstrasse 65 in der fünften Generation an der Zürcher Einkaufsmeile weitergeführt. Doch jetzt kündigt ein geschwungener Schriftzug auf dem Schaufenster eine Wende in dieser langen Geschichte der Papeterie an: «50% wegen Umzug!»

Das Geschäft ist rückläufig, die Ladenfläche an der Bahnhofstrasse mit 250 Quadratmetern zu gross. So begründet Andreas Zimmerli-Landolt, Verwaltungsratspräsident des Unternehmens, den bevorstehenden Schritt. In Zukunft wird die Papeterie Landolt-Arbenz an der Poststrasse 10 beim Paradeplatz ihren Sitz haben, das Geschäft an der Bahnhofstrasse aufgeben.

Über die Nachmieterschaft schweigt Zimmerli-Landolt, es sei jedoch kein Kleider- oder Handygeschäft. Man habe sechs Mitarbeiterinnen künden müssen, sagt Zimmerli-Landolt, doch diese seien schon acht Monate im Voraus informiert worden, und alle hätten, entsprechend ihren Interessen, wieder eine Stelle gefunden. Insgesamt arbeiten beim Unternehmen 18 Angestellte.

Expansion geplatzt

Die 80 Quadratmeter kleine Filiale an der Poststrasse neben dem Hotel Savoy hat das Unternehmen bereits vor rund einem Jahr eröffnet. Ursprünglich war damit eine Expansion geplant. Ein Pop-up-Store mit verschiedenen Themen- und Markenwelten hätte es werden sollen. Angesichts der rückläufigen Umsätze habe man aber entschieden, sich auf das Kerngeschäft, die Schreibkultur, zu konzentrieren. Laut Zimmerli-Landolt stehen dabei die exklusivsten Schreibutensilien im Vordergrund, vor allem klassische Füllfederhalter von Montblanc, Caran d’Ache, Graf von Faber-Castell oder S.T. Dupont. Ende Februar wird dann nur noch das Geschäft an der Poststrasse betrieben.

Das Geschäft hat seinen Sitz an der Bahnhofstrasse 65 vis-à-vis dem Bally-Baus.

Zimmerli ist mit dem neuen Standort zufrieden. Das Geviert des Stadthauses und der ehemaligen Fraumünsterpost biete quasi ein «Parkplatz-Eldorado», sagt er und lacht. Auch bei der Stammkundschaft, darunter viele Geschäftsleute aus dem Ausland, seien die Reaktionen positiv. Die Fraumünsterkirche und der Münsterhof würden eine attraktive Umgebung bilden. «Der Wandel an der Bahnhofstrasse entwickelt sich somit weiter. Für Zürich bleibt die Schreibkultur von Landolt-Arbenz an der Poststrasse erhalten», zieht Zimmerli-Landolt Bilanz.

Die Logistik mit Büro und Lager wird in Zukunft von Wollishofen aus betrieben. Der Sitz des Unternehmens verbleibt in der Liegenschaft Bahnhofstrasse 65, welche heute dem erweiterten Familienkreis gehört. Diese wurde bereits im Jahre 1905 vom Firmengründer Franz Landolt erworben, nachdem 1888 der ursprüngliche Sitz an der Bahnhofstrasse 66 im heutigen Bally-Haus an die Eidgenossenschaft verkauft worden war, die dort eine Telefonzentrale einrichtete. Dennoch wurde in dem Geschäftsgebäude bis ins Jahr 1927 die Papeterie betrieben. Erst dann wurde ins Stammgeschäft vis-à-vis gezügelt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.01.2019, 13:54 Uhr

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